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Gut verborgene Schönheit

Das Hinterland oberitalienischer Strände ist nach wie vor ein weißer Fleck auf der touristischen Landkarte. Wir haben eine Reise in das stille Po-Delta unternommen.

 
Fast konnte man das Meer riechen, aber die Küste war nicht unser Ziel. Wir wollten ins Delta des Po. Als Abschluss der Po-Ebene liegt es an der Grenze zwischen dem Veneto und der Emilia Romagna.

Unter Naturschutz. Das Mündungsgebiet des imposanten norditalienischen Flusses, den Umberto Bossis Lega Nord als Grenze oder sogar als Zentrum einer Republik Padanien propagiert hat, unterscheidet sich gänzlich von der Po-Ebene, dem wirtschaftlich stärksten Industriegebiet Italiens. Das Delta ist eines der größten Feuchtgebiete Europas. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Gefahr groß, dass diese wildromantische Landschaft vonwirtschaftlichen Interessen verschlungen wird. Erst 1996 wurde es unter Naturschutz gestellt.

Orientalisch. Mehr als 700 Quadratkilometer umfasst diese Landschaft, in der die Natur vom Menschen noch nicht gebändigt wurde. Schwärmerisch sprechen Bewunderer von einem Universum, das aus dem Kampf zwischen Meer, Fluss und Erde hervorgegangen sei. Der italienische Schriftsteller Eugenio Montale, der 1975 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, hat geschrieben, das Po-Delta trage noch den Hauch der Sehnsucht nach orientalischem Leben in sich.