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Reisebericht

Streifzug durch Indiens Süden

Mit dem Rucksack durch den südindischen Bundesstaat Kerala. Entdeckungsreise im Land von Yoga, Göttern und Gewürzen.

© Schaunitzer
 

Abreise in Wien bei Schneefall, Ankunft in der südindischen Stadt Trivandrum (indischer Name Thiruvananthapuram) bei über 30 Grad Celsius. Das kältegeplagte Herz lacht. Dieser Umstand ist wohl einer der besten, wenn man mitten im Jänner eine Reise nach Indien antritt. Die Rückreise nach Österreich ist dafür umso bitterer, im speziellen, wenn eine Kältewelle Europa fest im Griff hat.

Aber zurück ins Warme. Eine Reise durch Kerala führt durch viele Welten. Von der geschäftigen Stadt und dem chaotischen Verkehr in Trivandrum, bis hin zu den traumhaften Stränden entlang der Küste oder dem Hochland und Dschungel von Kumily, wo man auf den Spuren von Elefanten und Tigern im Periyar National Park wandern kann.

Unsere Tour mit dem Rucksack startete in Keralas Hauptstadt Trivandrum. Für viele Touristen ist die Stadt nur ein Ausgangpunkt auf dem Weg zu den schönen Stränden entlang der Küste. So auch für uns. Nach Tempelbesuch und dem ersten Akklimatisieren geht es mit dem Bus nach Varkala.

Dort angekommen erwartet uns eine etwas andere Welt. Waren zuvor lange Hosen und bedeckte Schultern für Touristen unabdingbar, sind die Strandbesucher hier kaum von jenen in europäischen Badeorten zu unterscheiden. Hier ist alles etwas lockerer. Landschaftlich geizt der Badeort nicht mit seinen Reizen. Schroff fallen die Felsen ab ins Meer, Palmen säumen die Klippen. Ein Geheimtipp ist Varkala schon lange nicht mehr. Vor allem Rücksacktouristen aus allen Herren Ländern zieht es hierher. Es herrscht eine angenehme, entspannte Atmosphäre. Hier ist der perfekte Ort, um sich ein paar Tage zu erholen und sich die eine oder andere Ayurveda-Behandlung zu gönnen. Auch zahlreiche Yoga-Kurse werden angeboten. Auch wir schließen uns einem Yogi-Lehrer an, der zu den letzten Sonnenstrahlen am Strand seine Schüler zu Verrenkungen anleitet. Entspannter kann man den Tag nicht beenden. Wer vom traumhaften Essen nicht genug kriegen kann, kann einen Kochkurs besuchen. Bei Khan's Cooking Class bekommt man von einem Meister seines Faches fünf südindische Gerichte gezeigt.

Weiter geht es mit dem Zug nach Alappuzha (Alleppey). Zug fahren in Indien ist eine Sache für sich: Einerseits bietet der Subkontinent eines der bestausgebauten Bahnnetze der Welt zum Spottpreis, andererseits sind die Züge oft überfüllt und Langstrecken über mehrere Wochen hin ausgebucht. Dennoch sollte man diese Erfahrung nicht missen. Alappuzha ist ein Sprungbrett zu den Backwaters, ein einzigartiges Geflecht von Flüssen, Seen, Kanälen und kleinen Inseln. Bootsfahrten inmitten einer tropisch-grünen Landschaft gehören wohl zum Highlight einer Kerala-Reise. Auf einem schlanken, mit strohbedeckten Holzboot cruisen wir mit einer dreiköpfigen Crew zwei Tage durch die Kanäle. Auf dem Sonnendeck lassen sich die Landschaft und das Dorftreiben am Ufer am Besten beobachten. Diese wahre Postkarteidylle kommt der Vorstellung eines tropischen Paradieses sehr nahe. Hinzu kommt, dass wir einen wahrhaft meisterhaften Koch an Board haben, der uns mit landestypischen Spezialitäten verwöhnt.

Ab ins Landesinnere

Nach vielen schönen Eindrücken geht unsere Reise weiter ins Landesinnere. Mit einem gemieteten Taxi machen wir uns auf die Reise zum Periyar National Park. Die vierstündige Reise führt vorbei an ausgedehnten Gewürz- und Teeplantagen hinauf in die Kardamon Hills zum kleinen Städtchen Kumily. Mit jedem Kilometer, den sich die Bergstraße nach oben schlängelt, wird es kühler. Mit einer Durchschnittstemperatur von 22 Grad im Jänner heißt es sich in der Nacht etwas wärmer einpacken. Von Kumily aus machen wir eine Tour durch den Nationalpark. Im 350 km² großen Arial streifen unter anderem große Elefantenherden und ungefähr 50 Tiger durch die Wälder. Und einen Nachmittag lang auch wir. Gemeinsam mit einem Führer mit reichem Erfahrungsschatz begeben wir uns auf die Spuren der indischen Tierwelt. Immer wieder knackt es im Gebüsch. Affen und Eichhörnchen, Spinnen und Schlangen kreuzen unseren Weg. Elefanten wagen sich an diesem Tag nicht in unsere Nähe. Dafür hat die imposante Pflanzenwelt einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. So eindrucksvoll, wie sich ganz Kerala auf dieser Reise präsentierte.

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