Tagung

So wurde im Mittelalter gekocht

Hildegard von Bingen und Rezepte für die Gesundheit: Eine Tagung in Seckau widmet sich mittelalterlichen Kochbüchern und fragt, ob altes Wissen noch Berechtigung hat.

Kochen wie damals
Kochen wie damals © Susanne Hassler
 

Wenn heute Vanilleeis mit Kernöl, Schokoladenmousse mit Thymian oder Lammfleisch mit Erdbeeren serviert wird, sollen diese Kombinationen, die unter dem Schlagwort „food pairing“ modern geworden sind, zu einem besonderen Gaumenkitzel führen.

Wenn aber in mittelalterlichen Kochbüchern Rezepte für Fisch mit Zimt oder Fleischeintopf mit Honig gefunden werden, steht ein anderer Zweck dahinter: jener, der Gesundheit zu dienen. Alte Kochrezepte und ihre Interpretation: Damit beschäftigt sich eine Tagung der „Plattform Kochbuchforschung“ in Seckau, die vom Institut für Germanistik der Uni Graz veranstaltet wird und zu der neben Wissenschaftlern auch Köche und Laien geladen sind.

 

Die Tagung

Von 24. bis 26. August veranstaltet die Plattform Kochbuchforschung eine Tagung in der Abtei Seckau: Mittelalter-Experten und Köche diskutieren und kochen alte Rezepte.

Infos: hier.

Die Tagung ist für alle Interessierten kostenlos zugänglich, für den Koch-Workshop am 25. August gibt es noch Restplätze. Anmeldung:
Tel. (0 31 6) 38 0 24 56.

„Für die Gesundheit wurde auch in Kauf genommen, dass etwas nicht so gut schmeckt“, sagt Andrea Hofmeister, Germanistin an der Uni Graz. Sie übersetzt als Mittelalter-Expertin Texte aus Kochbüchern der damaligen Zeit und hat festgestellt. „Der Gesundheitsaspekt war damals schon wichtig.“

Kochen wie Hildegard

„Dass es eine Wechselwirkung zwischen Essen und Gesundheit gibt, war schon im Mittelalter eine allgemeine Überzeugung“, sagt auch Ortrun Riha, Medizinhistorikerin der Uni Leipzig. Gesundheitslehren, wie jene der Hildegard von Bingen standen in der Tradition der Säftelehre: „Alle Dinge der Welt wurden nach diesem Viererschema eingeteilt“, sagt Riha.

 

Das Prinzip der Säftelehre
Das Prinzip der Säftelehre Foto © kk

„Warm/kalt“ und „feucht/trocken“: Auch Lebensmittel wurden nach diesen Eigenschaften kategorisiert. „Das Grundprinzip der medizinischen Nutzung von Speisen war, heiß gegen kalt und trocken gegen feucht einzusetzen, um einen inneren Ausgleich zu erzielen“, sagt Riha. So kam es auch zu den gewagten Kombinationen, um den „kalten“ Fisch mit dem „warmen“ Zimt zu erwärmen.

Die „Hildegardmedizin“ erfreut sich heute großer Beliebtheit, hat laut Riha aber meist wenig mit den originalen Texten zu tun. Und: „Hildegards Kriterien, nach denen sie den Wert von Speisen beurteilt, sind meist willkürlich und wissenschaftlich nicht nachvollziehbar“, sagt Riha, die die Originaltexte ins Neuhochdeutsche übersetzt hat. Es seien vor allem allgemeine Empfehlungen, wie dass für Gesunde und Kranke nicht das Gleiche zuträglich ist, die von Bingen bis heute sympathisch machen.

Ohne Mengenangaben

Dass mittelalterliche Rezepte meist ohne Zeit-, Zubereitungs- oder Mengenangaben auskommen, macht das Nachkochen besonders herausfordernd. „Der Austausch mit Laien hilft uns immer wieder, die Texte erst richtig zu lesen“, sagt Hofmeister. Daher steht auch ein öffentlicher Koch-Workshop auf dem Tagungsprogramm – gewagte Kombinationen inklusive.

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