HochrisikozeitKerze, Tee & Co: Warum Kinder jetzt besonders gefährdet sind

Bis Ende Jänner sind täglich bis zu zehn Verbrennungs- und Verbrühungsunfälle bei Kindern zu erwarten, warnt das Kuratorium für Verkehrssicherheit.

Gefährliche Vorweihnachtszeit
Gefährliche Vorweihnachtszeit © (c) Gina Sanders - Fotolia (Erwin Wodicka / wodicka@aon.at)
 

Die Adventzeit ist nicht nur die Zeit leuchtender Kinderaugen, die flackernde Kerzen oder Nikolosackerl bestaunen - sondern auch die Zeit verbrannter oder verbrühter Kinderhaut. Die kalten Wintermonate sind die Hochrisikozeit für Verbrennungsunfälle bei Kindern: Bis Ende Jänner sind täglich bis zu zehn solcher Unfälle mit Kindern zu erwarten, warnt das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV).

Jährlich müssen rund 2.700 Kinder wegen Verbrennungs- und Verbrühungsunfälle im Krankenhaus behandelt werden, besonders gefährdet sind Mädchen und Buben unter vier Jahren.

So machen Sie Ihr Zuhause sicher

  • Den Herd durch ein Herdschutzgitter abschirmen, vorzugsweise die hinteren Kochfelder verwenden und die Griffe von Töpfen und Pfannen zur Wand drehen.
  • Gefäße mit heißen Flüssigkeiten (Tassen, Becher, Suppenteller, Suppentöpfe, Inhalier-Geräte) so auf Anrichte oder Tisch stellen, dass kleine Kinder sie nicht erreichen oder herunterziehen können.
  • Herabhängende Tischdecken vermeiden.
  • Besondere Vorsicht beim Tragen von Gefäßen mit heißen Flüssigkeiten, wenn kleine Kinder in der Wohnung herumtollen.
  • Die Kabel von Elektrowasserkochern, Fritteusen, Kaffeemaschinen und Bügeleisen nicht herunterhängen lassen, sondern in den hinteren Bereich der Arbeitsfläche verlegen oder aufrollen.
  • Kinder nicht alleine in der Küche lassen – Missgeschicke passieren schneller als man denkt.
  • Temperatur des Badewassers mit Thermometer kontrollieren (maximal 37 Grad Celsius).
  • Temperatur-Begrenzer (Thermostat) einbauen, damit Kinder den Heißwasserhahn nicht allein betätigen können.
  • Kinder beim Baden immer beaufsichtigen.
  • In Wärmeflaschen keine Flüssigkeiten über 45 Grad Celsius füllen, und die heiße Wärmeflasche nie in direkten Kontakt mit der Haut bringen.
  • LED-Lichter statt Kerzen verwenden. Auch diese gibt es bereits in Form von Teelichtern.

Finger weg von heißen Flächen

Herdplatten, Backofentüren, Bügeleisen – in den eigenen vier Wänden lauern zahlreiche heiße Flächen, die für Kinder brandgefährlich werden können. Der heutige "Tag des brandverletzten Kindes" steht deshalb unter dem Motto "Kinderhände weg von heißen Flächen".

"Die meisten Unfälle mit heißen Flächen könnten ganz einfach vermieden werden, etwa durch den Einsatz moderner Küchengeräte mit Inbetriebnahme-Sperren und Verriegelungsfunktionen", sagt KFV-Direktor Othmar Thann. Im Umgang mit dem Herd empfiehlt das KFV, diesen durch ein Schutzgitter abzuschirmen und vorzugsweise die hinteren Kochfelder zu benützen. Die Griffe von Töpfen und Pfannen sollten zur Wand gedreht, so dass sie für Kinder nicht erreichbar sind.

Dünne Haut

Kinderhaut ist deutlich dünner als die Haut von Erwachsenen, weshalb Verbrühungen und Verbrennungen oft schwerwiegende Folgen haben. Trifft eine heiße Flüssigkeit mit 65 Grad Celsius nur eine halbe Sekunde auf die Haut eines Kindes, kann sie sogar Verbrennungen dritten Grades verursachen.

Besonders die Gefahr von heißen Flüssigkeiten wird häufig unterschätzt, obwohl etwa 50 Prozent der Verletzungen Verbrühungen sind.

Lars-Peter Kamolz, LKH-Klinikum Graz

"Besonders die Gefahr von heißen Flüssigkeiten wird häufig unterschätzt, obwohl etwa 50 Prozent der Verletzungen Verbrühungen sind", berichtete Lars-Peter Kamolz, Leiter der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am Klinikum Graz.

Der Inhalt einer einzelnen Tasse Tee reicht dem Mediziner zufolge aus, um eine Verbrühung von rund 30 Prozent der Körperoberfläche eines Kleinkindes zu verursachen. Verbrennungen im Ausmaß von zehn Prozent können für Kleinkinder tödlich enden.

Schnelle Hilfe

Falls es trotz aller getroffenen Sicherheitsvorkehrungen dennoch zu einem Unfall kommt, ist schnelle Hilfe erforderlich. Denn: Über die zerstörte Haut geht viel Flüssigkeit verloren, wodurch bei Kleinkindern rasch die Gefahr eines Schocks besteht.

Daher muss umgehend die Rettung alarmiert oder ein Krankenhaus aufgesucht werden. Eine ärztliche Versorgung ist immer dann erforderlich, wenn die Verbrennung oder Verbrühung größer als die Handfläche des Kindes ist.

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