LungengesundheitRauchen und Tauchen sind ein "tödliches Duo"

Das Risiko für einen schweren Tauchunfall ist bei Rauchern deutlich erhöht, warnen Lungenspezialisten.

Taucher sollten nicht rauchen
Taucher sollten nicht rauchen © Olga Khoroshunova - Fotolia
 

Die Tauchausrüstung im Fluggepäck, die Zigarettenpackung zur "Entspannung" griffbereit. Doch das Rauchen und der Tauchsport passen einfach nicht zusammen. "Das Risiko für einen schweren Tauchunfall ist bei Rauchern deutlich erhöht", warnte der Wiener Lungenspezialist und Taucharzt Gerhard Wallner bei der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖPG).

Jeder angehende oder aktive Taucher sollte penibel auf seine Herz-Kreislauf- und Lungengesundheit achten und alle möglichen Risiken - soweit es geht - vermeiden. Am meisten Sorge hat der Tauchmediziner vor unentdecktem Anstrengungsasthma.

Unentdecktes Asthma

Ärzte haben 256 Highschool-Sportler klinisch untersucht und einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen lassen. Bei jenen Personen, die weder Asthmasymptome hatten noch durch die ärztliche Untersuchung und den Fragebogen als Asthmapatienten entdeckt werden konnten, wurde durch eine Messung dennoch bei 45,8 Prozent ein Anstrengungsasthma nachgewiesen.

Wallner führt aus diesem Grund bei jedem Tauchkandidaten eine indirekte Provokation zum Ausschluss von Anstrengungsasthma durch.

"Tödliches Duo"

Ohne Zweifel steht fest, dass Rauchen die Gesundheit auf vielfältige Weise schwer schädigt. Aber dass Rauchen und Tauchen ein "tödliches Duo" sein können, ist Vielen nicht klar. Tauchunfallstatistiken haben gezeigt, dass Raucher nachweislich häufiger Tauchunfälle erleiden als Nichtraucher und auch dass diese bei Rauchern wesentlich schwerer verlaufen.

"Einerseits führt Rauchen zu einer Verengung der Blutgefäße, was sich beim Tauchen negativ auf Durchblutung und Stickstoffaufnahme und -abgabe auswirkt", erklärt Wallner. "Dadurch können Probleme beim Auftauchen bei der Dekompression auftreten."

Ein weiteres Problem stellt das im Tabakrauch enthaltene Kohlenmonoxid dar. Dieses bindet sich zum Teil an den Blutfarbstoff Hämoglobin und zwar viel fester und dauerhafter als Sauerstoff. Somit steht ein Teil der roten Blutkörperchen nicht mehr für den Transport von Sauerstoff zur Verfügung, was einen höheren Luftverbrauch und eine geringere Leistungsfähigkeit bedingt.

Starke Raucher haben ein um 90 Prozent erhöhtes Risiko für das Auftreten einer schweren Dekompressionskrankheit.

Taucharzt Gerhard Wallner

Lungenüberblähung

Ein weiteres Problem: Da Rauch die Atemwege reizt, kann der Körper mit einer Verengung der Atemwege reagieren. Diese Verengung kann dazu führen, dass das sich ausdehnende Atemgas beim Aufstieg nicht rasch genug abgeatmet werden kann. Die mögliche Folge: eine Lungenüberblähung.

Erschwerend kommt hinzu, dass Raucher oftmals an einer chronischen Bronchitis leiden und diese führt zu einer Verdickung der Lungenschleimhaut und somit ebenfalls zu einer Verengung.

Zusätzlich kommt es zu einer vermehrten Schleimproduktion und gleichzeitig zu einer Art 'Lähmung' der Flimmerhärchen, die den Schleim eigentlich abtransportieren sollten. Obendrein ist dieser Schleim auch noch besonders zäh und verklebt die Lungenbläschen und Bronchialverästelungen der Lunge.

Die Folge: Atemluft kann zwar in die Lungenbläschen ein-, aber unter Umständen nicht wieder vollständig abströmen. Wallner: "Dies kann vor allem beim Aufstieg gefährlich werden: Das Risiko für einen Lungenriss bzw. ein Barotrauma ist bei Rauchern deutlich erhöht."

Häufigste Todesursachen beim Tauchen

Ertrinken, eine arterielle Gas-Embolie, akutes Herzversagen, Dekompressionskrankheit und Traumata sind die häufigsten Todesursachen beim Tauchen.

70 Prozent macht allein das Ertrinken aus. Die arterielle Gas-Embolie ist die zweithäufigste Ursache dieser tödlich verlaufenden Unfälle mit 14 Prozent.

Die häufigste Ursache für eine Gasembolie ist das sogenannte Barotrauma der Lunge. Dies ist eine vor allem für die Phase des Auftauchens typische Verletzung, bei der Lungenbläschen platzen und Luftblasen in die Blutbahn gelangen können. Das kann zu einem Gefäßverschluss führen - tritt dieser im Gehirn auf, sind die Folgen die eines Schlaganfalls.

"Bei einem Tauchgang bis auf zehn Meter Tiefe hat die Lunge bereits eine Verdoppelung des Luftdrucks zu kompensieren", so Wallner. Jede bestehende Schädigung des Organs steigere die Gefährdung durch ein Barotrauma stark. "So haben starke Raucher ein um fast 90 Prozent erhöhtes Risiko für das Auftreten einer schweren Dekompressionskrankheit im Vergleich zu Nichtrauchern", sagt Wallner.

Zwölf Stunden vor Tauchgang nicht rauchen

Das Rauchen lasse solche akuten und lebensgefährlichen Zwischenfälle deutlich schwerer verlaufen. Tauchsportler mit dem Hang zum Nikotin sollten möglichst zwölf Stunden, zumindest aber ein bis zwei Stunden vor dem Tauchgang nicht zu rauchen und am besten überhaupt erst am Abend nach den Tauchgängen zur Zigarette zu greifen.

Kommentare (1)

Kommentieren
KarlKapper
0
0
Lesenswert?

Sporttaucher sind glücklicherweise...

...gezwungen mind. zu zweit zu tauchen. Da kann man sich gegenseitig helfen. Damit ist das Tauchen kaum gefährlicher als das Überqueren eines Zebrastreifens.

Antworten

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.