Interview

"Wer etwas Negatives findet, bekommt ein Problem"

"Thank you for calling": Klaus Scheidsteger hat einen Film darüber gemacht, wie Gefahren der Handytelefonie angeblich vertuscht werden.

Thank you for calling
Thank you for calling © Filmladen
 

Herr Scheidsteger, ich erreiche Sie am Handy - Sie sind also noch immer Handybenutzer?

KLAUS SCHEIDSTEGER: Ja, natürlich. Ich ja bin nicht gegen das Handy, nur für einen besseren Umgang und für Verbraucheraufklärung. Aber: Ich benutze mein Handy mit Headset.

Filmladen  Klaus Scheidsteger, Filmemacher
Klaus Scheidsteger, FilmemacherFoto © Filmladen

Was war Anstoß für den Film?

SCHEIDSTEGER: Bei der Recherche für einen anderen Film kam ich in Kontakt mit dem Wissenschaftler George Carlo, der im Auftrag der Mobilindustrie forschte und besorgniserregende Dinge fand, die dann vertuscht werden sollten. Nachdem ich ihn einige Zeit begleitet habe, habe ich immer mehr Widersprüchlichkeiten und Lobbyismus der Industrie gesehen. Das Thema hat mich nicht mehr losgelassen.

Ich will keine negative Stimmung machen, sondern Zusammenhänge aufzeigen, die den Menschen vorenthalten werden. 

Klaus Scheidsteger

Was ist die Kernaussage Ihres Films?

SCHEIDSTEGER: Ich will keine negative Stimmung machen, sondern Zusammenhänge aufzeigen, die den Menschen vorenthalten werden. Die Botschaft soll sein: Es braucht einen vernünftigen Dialog über mögliche Gefahren.

Hatten Sie Probleme, diesen Film zu machen? Schließlich beschreiben Sie ja, welchen Einfluss die Mobilfunkindustrie geltend macht.

SCHEIDSTEGER: Nein, ich wurde nicht bedroht, aber ich war auch vorsichtig, habe keine Förderungen beantragt. Nach den ersten Vorführungen gab es aber einen kleinen Shitstorm und Stimmungsmache gegen mich.

Info zum Film

In "Thank you for calling" geht der Regisseur Scheidsteger den Gesundheitsrisiken der Mobiltelefonie nach und zeigt, was verschleiert wird.

Der Film startet am 19. Februar in den Kinos. Am 23. 2. ist Klaus Scheidsteger mit dem Krebsmediziner Wilhelm Mosgöller für eine Diskussion im Kino Geidorf in Graz. Filmstart: 19.30 Uhr.

Und wie wirkt die Industrie auf die Forschung ein?

SCHEIDSTEGER: Es gibt die Cowboy-Methode und die subtile Methode, beides habe ich bei Wissenschaftlern gesehen. Ein Forscher, der etwas Negatives in Bezug auf Handys findet, bekommt ein Problem - das ist das Muster. Es gibt zum Beispiel einen Forscher in Schweden, der seine handy-kritischen Ergebnisse an die Regierung geschickt hat, in der Folge wurden ihm die Forschungsgelder gestrichen. Ich kenne eine ganze Liste von Forschern, die jetzt ohne Labor und Gelder dastehen.

Forscher haben einen Warnhinweis gefunden, der weitergegeben werden sollte. 

Klaus Scheidsteger

Ist es für Sie bewiesen, dass Handystrahlung gefährlich ist?

SCHEIDSTEGER: Forscher haben einen Warnhinweis gefunden, der weitergegeben werden sollte. Durch Handytelefonie passiert etwas in den Zellen, das gilt vor allem für Menschen, die stundenlang telefonieren. Man muss den sorglosen Umgang überdenken: Die Technik ist auf den Markt gekommen, ohne Nachweis, ob sie Probleme machen könnte.

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