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Heinisch-Hosek: Schluss mit Schwangerschaft auf Probe

Nach Deutschland will Frauenministerin auch in Österreich Gentests bei Embryonen vor Einpflanzung in die Gebärmutter erlauben. Sie hofft auf parteiübergreifenden Konsens.

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Ethisches Minenfeld betritt Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. "So schnell wie möglich" will Heinisch-Hosek nun auch in Österreich die Präimplantationsdiagnostik (PID) - eine Untersuchung der Embryonen im Reagenzglas bei der künstlichen Befruchtung - zulassen. Frauen soll damit erspart werden, schwer geschädigte Embryonen eingepflanzt zu bekommen, die sie in der Schwangerschaft wieder verlieren oder aber wegen schweren Gendefekten bis zur Geburt abtreiben können. Es sei doch, argumentieren Frauenärzte seit Langem, ein Widerspruch, "dass jemand schwanger werden soll, um dann ganz legal abbrechen zu können, wenn er doch die Möglichkeit hat, vorher die Diagnostik zu bekommen, damit dieses traumatisierende Ereignis des Abbruchs erst gar nicht eintritt".

Gegner warnen

Gegner der Gentests im Reagenzglas warnen allerdings vor "Designerkindern" und der Gefahr, dass bei einer Zulassung der PID dann in lebenswertes und lebensunwertes Leben eingeteilt würde und Behinderte immer stärker diskriminiert würden. "Bei jeder technischen Methode gibt es den sinnvollen Gebrauch und den Missbrauch. Das fängt beim Brotmesser an. Es wird aber deshalb keiner auf die Idee kommen, das Brotmesser zu verbieten", begründete jener deutsche Arzt seinen Kampf gegen das Verbot der PID, der schließlich in Deutschland eine Gesetzesänderung bewirkte. Er hat bei einer Frau mit schwerer Erbkrankheit Embryonen vor der Einpflanzung untersucht und jene ohne Erbdefekt eingepflanzt. Anschließend zeigte er sich an, um eine Gesetzesänderung zu bewirken.

Nach monatelangen heftigen emotional geführten Debatten hat der Bundestag in Deutschland im Juni Gentests vor dem Einpflanzen in den Mutterleib mit Auflagen erlaubt. Mütter mit schwerwiegender Erbkrankheit dürfen künftig Gentests durchführen lassen und müssen sich nicht mehr schwer geschädigte Embryonen einpflanzen lassen. Bislang durfte in Deutschland - wie in Österreich - auch nicht im Reagenzglas geprüft werden, ob ein Embryo überhaupt eine Überlebenschance hat.

Heinisch-Hosek will nun auch in Österreich nicht länger das Verbot akzeptieren und mit einer politischen Enquete den Start für eine Gesetzesänderung setzen: "Die Schwangerschaft auf Probe muss weg. Da möchte ich die Gentests so schnell wie möglich. Ich kann mir vorstellen, dass ein Konsens vorhanden sein wird, um unnötiges Leid für Frauen zu verhindern."

Unterstützung bekommt sie von der Vorsitzenden der Bioethikkommission des Kanzleramtes, Christiane Druml. Die Empfehlung der Kommission soll in den nächsten Wochen erfolgen. "Ich kann der Meinung der Kommission nicht vorgreifen, aber persönlich halte ich es für unverantwortlich und nicht akzeptabel, Frauen dieses Leid durchmachen zu lassen, obwohl es durch die PID verhindert werden könnte."

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