Facebook-FastenAufwachen, drei Minuten, Smartphone!

Das Ende der digitalen Dauerschleife? Nein, aber der Versuch einer Entschleunigung. Von 46 Tagen ohne Facebook, WhatsApp und Instagram.

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FAKTEN, FAKTEN, FAKTEN (23. Februar 2018)

Ich bin gerührt. Nicht nur von den SMS, die mir liebe Menschen während meines WhatsApp-Entzugs schicken, sondern auch von fürsorglichen Kolleginnen und Kollegen, die mich zurzeit besonders regelmäßig mit aufgespürten Statistiken rund um das meinem Fastenthema eng verwandte "Digital Detox" versorgen.

Ein paar besonders feine Zahlen möchte ich an dieser Stelle weitergeben. Marketagent.com hat etwa 1000 Österreicher befragt und kam dabei zu folgenden Ergebnissen: 

  • Zwei Drittel können sich ein Leben ohne ihr Smartphone gar nicht mehr vorstellen.
  • Im Mittel dauert es zehn Minuten, bis Menschen nach dem Aufwachen das erste Mal zum Smartphone greifen. Bei den 14- 29-Jährigen sind es ganze drei Minuten
  • Vier von zehn Befragten haben bereits einmal während des Autofahrens eine Handy-Nachricht verschickt. 
  • Knapp 78 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher empfinden es mittlerweile wichtig, "bewusste Smartphone-Pausen einzulegen".

Abschließend: Der Stuttgarter Reiseveranstalter "Travel To Life" will "als einer der ersten Unternehmen in Deutschland eine Handy-freie Reise im Programm" haben. Der Entzug wird nun also bereits zum Marketing-Instrument.

SIEBEN SCHÖNE TAGE (20. Februar 2018)

Mittlerweile ist Tag Sieben angebrochen und das erste Wochenende ohne Facebook, WhatsApp und Instagram überlebt. Eines vorweg: So schlimm ist's gar nicht, wenngleich im Moment erstmals ein Gefühl an Bedeutung gewinnt, das mir sagt, außergewöhnlich wichtige Dinge zu verpassen. Insgesamt hat sich meine Bildschirmzeit bis dato übrigens nicht reduziert. Dafür gelingt ein gefühlt ewig vorgenommenes Vorhaben plötzlich weit besser: längere, komplexere, Texte am Smartphone zu lesen.  

Wie dem auch sei. Positiv hervorzuheben sind allemal die durchwegs aufmunternden Reaktionen auf die Auszeit. Und ein geschätzter Kollege, der mich per E-Mail höflichst darauf aufmerksam machte, dass meine Auszeit eigentlich länger als die angekündigten 40 Tage dauert. Da ich ja - im Gegensatz zum religiösen Fasten - auch an den Wochenenden abstinent leben will. 

Ich verspreche: auch die 46 Tage schaff ich. Und wer Tage lieber digital zählen will, dem sei dieser simple Rechner empfohlen.

DER BEGINN | TEIL 2 (15. Februar 2018)

"Ich hab's getan"

Ich hab's getan. Es ist passiert. Das blaue Logo, angetippst - und das schon am zweiten Entzugs-Tag. Die ganze Geschichte geht so: Wie beschrieben, hab ich sicherheitshalber die Smartphone-Apps von Facebook, WhatsApp und Instagram auf einen Platz verschoben, den ich für gewöhnlich ignoriere. Was dazu führte, dass ich in einem gedankenlosen Moment heute tatsächlich JamSnap startete, also jene Anwendung, die sich nun am langmonatigen Facebook-Platz befindet. So weit, so problemlos. 

Aber dann wischte ich - ein paar Stunden später und wieder vom Unterbewusstsein getrieben - über den Bildschirm und kam auf jenen Screen, wo Apples Siri-App-Vorschläge gelistet sind. Automatisch steht Facebook hier auf der Eins. Ich seh's und tipp, die App beginnt sich zu öffnen, Panik macht sich breit. Gerade noch gelingt dem nervösen Finger das Schließen, bevor der News-Feed zu füttern beginnt. Durchschnaufen!    

Und: So deaktiviert ihr die App-Vorschläge von Siri.

DER BEGINN (14. Februar 2018)

"Vom Verschieben und Vermessen"

Alle Benachrichtungen am Smartphone sind deaktiviert, dazu die so oft angetappsten Apps sicherheitshalber vom gewöhnten Bildschirm-Platz verschoben. Gleichzeitig folgte der Versuch einer Vermessung. Zeigen sollte er, wie fortgeschritten eigentlich die Verbundenheit mit diesem Herrn Zuckerberg ist. Zur Annäherung an Antworten eignet sich die App "Moment", die Bildschirmzeiten exakt dokumentiert.

Die eigene und beschämende Auswertung der vergangenen Wochen: Jeden Tag wird das Smartphone-Display im Schnitt zwei Stunden bestaunt und dabei gut 60 mal entsperrt. Trotz der eher schlanken Statur müsste ich damit wohl als "Heavy User" im Schwergewichtskampf antreten – somal die Bildschirmzeit am Arbeitslaptop freilich gar nicht dazugezählt ist. Erhellende, wahlweise ernüchternde, Daten finden sich auch in den Smartphone-Einstellungen unter "Batterienutzung". Dort wird penibel aufgelistet, welche Anwendungen den Akku in welchem Maße aussaugen.

In meinem Fall finden sich in den Top-6 – richtig geraten – Facebook, WhatsApp und Instagram. Gemeinsam beansprucht das Trio Infernal nahezu ein Drittel des Kraftspeichers. Die Hoffnung liegt nahe, dass sich der Handyakku in den folgenden 39 Tagen im Gleichschritt mit dem körpereigenen erholt.

Die Statistiken zum Start
Die Statistiken zum Start Foto © KK

DIE AUSGANGSLAGE (13. Februar 2018)

"Der Datenschutz-Tag"

Erst diese Woche musste es wieder ein Gericht feststellen: Facebook schert sich wenig um den Datenschutz. Ortsdaten von Nutzern, die per Voreinstellung aufgezeichnet werden, und die automatische Weitergabe des Chronik-Links an Suchmaschinen: beides nicht rechtens, befindet das Landgericht Berlin.

Es war gewissermaßen die letzte Bestätigung eines länger gefassten Plans: Facebook-Fasten, die Suche nach einem Weg weg von Mark Zuckerberg. Und weil zum für gewöhnlich gut informierten Konzern des New Yorkers längst viel mehr als das eine Netzwerk gehört, wurde der ursprüngliche Plan noch ausgeweitet. 40 volle Tage ohne Facebook, Instagram und WhatsApp sollen es nun sein. Vor allem Letzteres macht den Entzug von der Droge Zuckerberg vermutlich besonders schmerzhaft.

Insgesamt geht es um keine Verteufelung. Eher um den Versuch einer eigenen Entschleunigung. Das Ziel: Zumindest eine Zeit lang den Wettlauf mit sich selbst aussetzen, auf nervöses Fingerzucken möglichst verzichten und das Lechzen nach Likes ad acta legen.

Ob die Idee tatsächlich in die soziale Isolation führt oder doch eher als erfüllender Befreiungsschlag taugt? Ob der Rückfall nach der Entwöhnung besonders heftig ausfallen wird? Das weiß zum jetzigen Zeitpunkt wohl nicht einmal Mark Zuckerberg.

 

Kommentare (2)

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schetzgo
0
2
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Sehr schwer auferlegtes Programm

Viel Kraft zum Durchhalten, ich denke nicht, das Sie es schaffen!

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Tom_Wildon84
3
3
Lesenswert?

Was daran ist bitte so schwer?

Ich bin jetzt bald 34 Jahre alt und schaffe es auch ohne Facebook, Instagram, Twitter usw...

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