Jugend und Internet16-Jähriger schreibt Buch über Online-Verhalten Jugendlicher

Eltern können oft nicht verstehen, was macht der jugendliche Nachwuchs bloß rund um die Uhr mit seinem Smartphone? Der 16-jährige Schüler Robert Campe übt sich nun in umgekehrter Aufklärungsarbeit.

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Sei ehrlich, an einem normalen Schultag: Was machst du nach dem Aufstehen als Erstes?

Robert Campe: Ich schaue auf mein Handy. Dafür muss ich es aber zuerst einmal aus dem Flugmodus holen, der gibt mir ein besseres Gefühl wegen der Strahlung. Außerdem ist es angenehm, wenn nicht mitten in der Nacht das Handy vibriert, weil man eine Nachricht bekommen hat. Nach dem Duschen, beim Frühstück, bin ich schon wieder am Handy und schaue, was so los war in der Welt.

Du hast ein Buch über das Online-Verhalten Jugendlicher geschrieben. Wie hat sich das ergeben?

Ich habe bei „Meedia“, einem Journalisten-Online-Magazin, ein Pflichtpraktikum gemacht. Dafür habe ich einen Beitrag darüber verfasst, welche sozialen Netzwerke bei Jugendlichen momentan angesagt sind. Er ist sehr gut angekommen und dann kam die Anfrage des Verlags, ob man nicht ein Buch daraus machen könnte, warum das Internet in Ordnung ist und warum sich Eltern keine Sorgen machen sollten, wenn ihre Kinder oft und viel online sind.

Wie ist es dir beim Schreiben ergangen?

Ich habe das Buch mit meiner Lektorin geschrieben. Ein Großteil ist auf WhatsApp entstanden, weil wir sehr stark darüber kommuniziert haben.

Welche Apps und sozialen Medien nutzt du am meisten?

Facebook nutze ich überhaupt nicht mehr und viele von meinen Freunden haben gar kein Facebook. Die Netzwerke, die ich am meisten nutze, sind einmal Instagram, Snapchat ...

Snapchat ist ja für viele Erwachsene gar nicht verständlich. Bitte erklär noch einmal kurz, wie funktioniert Snapchat?

Snapchat ist auch eine Kommunikationsmöglichkeit, also eine Kommunikations-App. Der Grundgedanke ist, dass man sich Bilder schickt, auf die man kurze Nachrichten schreibt. Diese Bilder löschen sich nach maximal zehn Sekunden wieder. Snapchat ist also nur für den Moment.

Und wo bist du sonst noch unterwegs, wenn du online bist?

Auf WhatsApp und Twitter.

Wie schnell ändert sich bei dir das Interesse an diesen Apps?

Es gibt schon immer wieder ein paar Apps, die für kurze Zeit gehypt werden und die sich dann alle herunterladen. Aber so schnell ändert es sich dann eigentlich auch wieder nicht. Instagram und Snapchat sind bei mir jetzt schon seit ein, zwei Jahren die Apps, die ich am meisten nutze.

Wie lange beschäftigst du dich täglich mit deinem Smartphone?

Das ist eigentlich ganz unterschiedlich. Ich würde aber sagen, dass ich an einem Tag so zwei bis vier Stunden online bin. Ich bin ganz normal ausgestattet mit Elektronik, ich bin kein Internet-Nerd oder Freak, nur weil ich ein Buch darüber geschrieben habe.

Kannst du verstehen, dass sich viele Eltern Sorgen machen, weil sie nicht nachvollziehen können, was ihre Kinder treiben, wenn sie stundenlang auf ihre Smartphones starren?

Ja, das kann ich sogar gut verstehen. Und in den letzten Jahren waren ja auch immer wieder illegales Videostreamen oder Pornografie Thema und deswegen sind ja auch viele Eltern besorgt. Darum erzähle ich in dem Buch auch, was wir den ganzen Tag so mit unserem Handy machen.

Man hört ja auch immer wieder von Jugendlichen, die Opfer von Cybermobbing werden. Gab es solche Fälle schon einmal in deinem Freundeskreis?

Ich persönlich habe da noch nie etwas mitbekommen.

Schränken dich deine Eltern bei deinem Online-Verhalten ein, haben sie Regeln oder Richtlinien aufgestellt?

Meine Mutter spricht mir sehr großes Vertrauen zu, weil sie meint, dass es klar sein muss, dass ich selbst erkenne, was gut ist und was nicht. Zum Beispiel: Dass man nicht sofort jedes Bild posten sollte, das man von sich gemacht hat. Man muss immer bedenken, ob man es in fünf Jahren überhaupt noch möchte, dass solche Fotos von einem existieren. Oder dass man nicht einfach überall seine Adresse angibt. Solche Dinge müssen einem klar sein. Das Internet vergisst nicht.

Buchtipp

Robert Campe wurde 2001 geboren und ist Gymnasiast in Hamburg.
In seinem Buch „What's App, Mama? Warum wir Teenies den ganzen Tag online sind - und warum das okay ist!“ (Eden Books, 14,50 Euro) gewährt der 16-Jährige Einblicke in die Online-Welt der Jugendlichen. 

Wie pflegst du deine Freundschaften?

Es ist schon so, dass man immer wieder einmal jemanden anschreibt. Das ist ja auch das Gute an Snapchat oder WhatsApp, man kann viel, viel einfacher in Kontakt bleiben. Mit meinen besten Freunden chatte ich fast täglich.

Nutzen deine Freunde und du das Smartphone eigentlich auch noch, um zu telefonieren?

Ich telefoniere selten. Eher, wenn ich viel oder lange mit einem Freund diskutieren will. Man will ja nicht die ganze Zeit auf dem Handy herumtippen. Sonst telefoniere ich, damit ein Freund schneller auf mich aufmerksam wird. Fünf Prozent Telefonieren, 95 Prozent Chatten.

Wie sehen Treffen mit deinen Freunden aus?

Wenn man sich mit jemandem alleine trifft, dann ist es eigentlich ein Unding, die ganze Zeit aufs Handy zu schauen. Wenn man in einer Runde zusammensitzt, schaut man dann schon öfter aufs Handy. Aber es ist dann meistens so, dass einer die anderen daran erinnert, dass man das Handy weglegen sollte. Das machen dann aber auch alle und keiner hat etwas dagegen.

Was machst du, wenn du offline bist?

Ich spiele Hallenhockey im Hochleistungsbereich. Das ist einer meiner Tipps, um Jugendliche daran zu hindern, nur noch auf ihr Handy zu starren. Man sollte Sport als Ausgleich betreiben, weil es eine gute Möglichkeit ist, mit anderen Leuten in der realen Welt in Kontakt zu treten.

Führt dein Online-Verhalten daheim zu Konflikten?

Es ist sogar andersherum. Wenn ich mit meiner Mutter rede und sie mit dem Handy beschäftigt ist, dann kommt es vor, dass sie so konzentriert ist und Fragen wie „Wann fahren wir los?“ mit „Ja“ beantwortet. Solche Sachen nerven zwar manchmal, aber man kennt das ja von sich selbst. Bei meinem Vater und meiner Schwester ist es genauso.

Wie alt ist deine Schwester?

Meine Schwester wird jetzt 22.

Nutzt sie ihr Smartphone anders als du, oder?

Ja, es gibt Unterschiede. Sie ist gerade noch in der Generation, die Snapchat benutzt. Sie nutzt es aber eher, um coole Sachen zu teilen. Meine Generation nutzt es aber wirklich, um miteinander zu chatten.

Wie kommuniziert ihr innerhalb der Familie?

Wir haben eine WhatsApp-Gruppe. Vor allem meine Mutter und meine Schwester sind dort aktiv. Gerade, weil meine Schwester nicht mehr zu Hause wohnt, ist WhatsApp praktisch. Mein Vater schreibt auch noch relativ viel rein, ich eher nicht. Ich bin da eher schnell genervt.

Wie lange würdest du es ohne Handy aushalten?

Ohne Handy? Es kommt drauf an. Wenn ich im Urlaub bin, dann ist es kein Ding, wenn man tagsüber kein Internet hat. Man bekommt so viel mehr vom Urlaubsziel mit. Im Alltag ist es aber für mich unvorstellbar, ohne Handy auskommen zu müssen. Als Beispiel: Wenn mein Training ausfallen würde, würde ich es erst erfahren, wenn ich vor verschlossenen Türen stehe.

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