DIE BEWEGTE JUGEND

Die bewegte Jugend



Die Generation Z, das sind die eingeborenen Digitalen. Das Smartphone ist für sie kein technisches Endgerät, sondern ein Körperteil, kybernetische Verlängerung des Arms. So gesehen ist die Tochter, 20, eine würdige Z-lerin. Sie könnte seit Jahren einen Führerschein haben, hat aber keinen. Sie definiert weder Status noch Individualität über das rosa Ding. Das irritiert den Vater, der seinen Schein drei Wochen nach der Matura in der Tasche hatte, als Teil des Erwachsenenpaketes und Vehikel für Aufbruch und Emanzipation. Die Tochter findet das albern. Ihr Selbstsein holt sie sich auch so, dazu benötige sie keinen Gang zur BH. Wenn sie mobil sein will und die Großeltern in Kärnten besucht, organisiert sie sich über Facebook die Gemeinschaftsfahrt, zu jeder Zeit und um den Bruchteil des Buspreises. Eine Art studentisches Freihandelsabkommen in Sachen Mobilität. Größe und PS-Stärke sind ihr nicht wichtig, der digital kommunizierte Vertrauensindex der Lenker schon. Zum Coldplay-Konzert nach Wien reist sie mit dem Flixbus, die Wege ans Ziel bahnt sie sich über das Smartphone, und ganz am Ende der Optionenskala kommt das Carsharing mit dem Vater. Dann noch lieber der öde Führerschein und der eigene Besitz des Autos. Später. Vielleicht.
Typisch Generation Z, würden die Trendforscher sagen. Die Jungen umgeben sich mit einer dematerialisierten Welt. Sie müssen nicht besitzen, um was zu kriegen. Sie nützen die Möglichkeiten „für ein akutes Jetzt“, wie die Autorin Valerie Fritsch in ihrem Essay über das Unterwegssein schreibt. Das Haben wird für die Heranwachsenden etwas Genossenschaftliches. Anerkennung leitet sich von anderen Parametern ab: vom Wissen, von Werten oder vom Vernetztsein.
Was heißt das für das Auto und die Branche? Ihre Köpfe rauchen mehr als ihre Motoren. Die Hersteller verbraten viel Geld, um die Welt der jungen Digitalen zu verstehen und aus den Umbrüchen zu lernen. Mobilität bleibt ein Grundbedürfnis, eng verwoben mit dem Verlangen nach Freiheit, aber die Art und Weise, wie sie gelebt und organisiert wird, ändert sich radikal. Diesem Wandel, befeuert von den Jungen, spüren wir in diesem Magazin nach. Das Automobil wird, zunächst in den Städten, elektrisch angetrieben werden. Es wird sich an die urbanen Peripherien zurückziehen und mit digitaler, künstlicher Intelligenz aufladen. Es wird uns das Steuer aus der Hand nehmen, und die Jungen werden in zwanzig Jahren die Älteren ungläubig fragen, wie es sein konnte, dass man früher von Klagenfurt nach Salzburg fuhr und zwei Stunden lang stupide die Hände am Lenkrad festklammerte. Das Kopfschütteln wird so heftig sein wie das der heutigen Z-ler, wenn sie von ihren Eltern erzählt bekommen, dass man vor nicht allzu langer Zeit zu Hause sein musste, um einen Anruf entgegenzunehmen. Vorausgesetzt, die Nachbarn blockierten nicht den Viertelanschluss.
Viel Vergnügen mit der Lektüre!

Ihr

Hubert Patterer, Chefredakteur
E-Mail:redaktion@kleinezeitung.at




DAS TEAM DIESER MOBILITÄTSAUSGABE



Die Lenker: Gerhard Nöhrer, Didi Hubmann. Die Streckenführung: Erich Repe, Matthias Kirbisser, Robert Szekely. Am Gaspedal: Birgit Pichler, Karin Riess. Bordkasse: Harald Käfer.



Das ist die Generation Z:



Das ist die Generation Z: Sie ist in die digitale Welt hineingeboren worden. Statt dem Panini-Album favorisiert sie die Selfie-Galerie auf Instagram – überhaupt kommuniziert sie lieber über Fotos und Videos. Sie legt großen Wert auf Familie und Freunde sowie die Trennung zwischen Beruflichem und Privatem. Karriere ist nicht unbedingt das höchste Lebensziel. Sie ist sehr kritisch gegenüber Versprechungen von Unternehmen bzw. dem Staat, legt Wert auf die Umwelt und holt sich ihre Informationen über Kanäle, die sie selbst ausgewählt hat.


Wichtigste Werte:
FAMILIE*
* sagen 77,7 % der Mädchen und 63,5 % der Burschen


Text: Didi Hubmann

Vom Hippomobile zum Gespensterauto



GEDANKENMOBILE. Die alte und die neue Freiheit in der Mobilität: Literatin Valerie Fritsch analysiert dabei Rausch, Unsinn, Übermut und warum sie keinen Führerschein hat.

Zur Person.
Valerie Fritsch (geb. 1989) ist „Schriftstellerin, Photokünstlerin und Reisende. Sie lebt in Graz, sofern sie nicht walziert.“ Sie absolvierte ein Studium an der Akademie für angewandte Fotografie, arbeitet als Schriftstellerin und Fotokünstlerin. Für ihre Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet.

Zur Geschichte des Automobils: Das ist eine Geschichte abenteuerlicher Experimente und fixer Ideen, in der es nichts gab, was man nicht ausprobiert hätte. Über die Jahrhunderte erfand man erst das Rad, später Segelwagen, die mit vom Wind geblähten Tüchern die Ufer entlangfuhren, langsame Gebilde betrieben von Uhrwerken, angeblich sich selbst bewegende Zaubermaschinen, die von kleinen Buben versteckt im Inneren angetrieben wurden, Explosionsmotoren mit Schießpulver als Brennstoff, elektrische Gefährte, Dampfwagen und Hippomobile. Es war ein langer Weg, eine wunderliche Evolution der Fahrzeuge, bis Verbrennungsmotoren das Auto von einer Idee weniger Spinner zur alltäglichen Antriebskraft der meisten werden ließ.

Fotos: Jasmin Schuller

Die Generation Z duldet keine Schranken



VORDENKER. Johann Jungwirth revolutioniert den gesamten VW-Konzern: Der ehemalige Apple-Topmanager wechselte nach Deutschland, um hier seine Vision der Mobilität von morgen zu realisieren. Er weiß schon heute, wie wir in Zukunft fahren werden – und wie die Generation Z unsere Mobilität verändert.




Zur Person.
Johann Jungwirth (44) ist Chief Digital Officer des VW-Konzerns, eine neue Managementposition. Er arbeitete für Mercedes, wurde für einen Topjob von Apple abgeworben (Direktor Mac, spezielle Projekte) – ehe er zum Volks­wagen-Konzern ging.


Unaufhaltsam verändert sich unsere Mobilität, die Generation Z gilt als Treiber der Veränderungen. Die großen Autohersteller hören auf die erste Generation, die ausschließlich in einer digitalen Welt aufgewachsen ist. Verstehen Sie, was sie will?
JOHANN JUNGWIRTH: Die Generation Z wächst eher in Frieden auf, und mit vielen Freiheiten. Sie hinterfragt viel mehr, auch den Status quo, und sie ist viel freier in dem Sinne, sich zu bewegen. Sie denkt weniger lokal, sondern vielmehr global. Und ich erlebe die Generation Z sehr viel mehr fokussiert auf Nachhaltigkeit und den Planeten Erde. Sie fragt sich: Wie kann man die Erde beschützen, auch für die nächsten Generationen bewahren? Und sie legt auch viel mehr Wert auf Gesundheit und schaut darauf: Wo kommt der Strom für die E-Mobilität her? Ist der sauber? Und arbeitet das Unternehmen, mit dem ich mobil bin, nachhaltig? Ist es ein Unternehmen, das die richtigen Werte hat?
Text: Didi Hubmann Fotos: Oliver Wolf

#Turbo Tweets



AUTO-QUARTETT 3.0. Sieben Schüler, vier Autos, klare Antworten.



Kein Interesse an Autos? Fahrrad statt Führerschein? Fährt die Generation Z wirklich mehr auf Mobiltelefon als auf Mobilität ab? Wir haben sieben Schüler des Wirtschaftskundlichen Bundesrealgymnasiums Graz im Alter zwischen 14 und 16 Jahren auf vier aktuelle Modelle losgelassen. Ein Elektroauto, ein Hybrid im angesagten Crossover-Format, ein kleiner Roadster und ein waschechter Sportwagen sind angetreten, um sich dem gnadenlosen Urteil der Jury zu stellen. Die Jugend von heute ist schließlich die Kundschaft von morgen. Und die hat doch ganz neuartige Ansprüche, oder? Schlagen Ampere Pferdestärken? Sind selbstfahrende Autos der richtige Weg? Oder bleibt etwa doch alles beim Alten? Worauf der Nachwuchs wirklich abfährt.
Protokoll: Karin Riess, Roland Scharf; Fotos: Oliver Wolf

Alle anderen sind nur Autos



RETRO-RITTER. Während die Welt immer digitaler wird, liebt es Sebastian Wimmer analog. Auch seine Autos.



Zum MGB GT.
Der britische Sportwagenklassiker wurde zwischen 1962 und 1980 gebaut. Zunächst war er nur als Roadster auf dem Markt, bevor 1965 die Coupé-Version mit großer Heckklappe aufgelegt wurde. Der MGB wurde stets von ­einem Vierzylinder mit 1,8 Liter Hubraum und 95 PS angetrieben. Von Cabrio und GT wurden insgesamt 524.352 Stück gebaut.

Und da war es auch schon um ihn geschehen. Fünf oder sechs Jahre war Sebastian Wimmer alt, als sich eine nicht unwesentliche Weiche stellte, mit einem lauten, metallenen Klacken auf dem eisernen Schienenstrang seines Lebens einrastete. Fünf oder sechs Jahre, so genau kann er sich nicht mehr erinnern.
Aber an die Drachen, die laut brüllend an ihm vorbeistampften, wütend schnaubend, tief Luft holend den Stoderzinken hinaufstoben. Deren blecherne Rüstungen im Sonnenlicht blitzten. Deren Duft er tief in sich aufsog und der sich so selbstverständlich in sein Gedächtnis einprägte wie der von frisch gebackenen Keksen zur Weihnachtszeit oder gerade gemähtem, taunassem Gras. So genau weiß er es noch, als wäre es gestern gewesen.
Dabei ist es jetzt schon 15 Jahre her, dass Sebastian und sein Vater in der Steiermark am Straßenrand standen und dabei zusahen, wie das Starterfeld der Ennstal-Classic an ihnen vorbeibrauste. „Das hat mich damals schwer beeindruckt“, sagt er, während der dunkelgrüne Lack seines MGB GT die Strahlen der Herbstsonne einfängt. Er leuchtet wie die Augen des inzwischen 21-Jährigen, wenn er stolz auf sein Coupé Baujahr 1972 blickt.
Sein erstes eigenes Auto hat der Oberösterreicher schon besessen, als er noch gar keinen Führerschein hatte. „Es war meine erste offizielle Fahrt, als ich den Volvo nach Hause geholt habe“, erinnert er sich an den großen Tag. Und es war natürlich nicht irgendein Volvo, sondern ein 480 Turbo – ein Youngtimer reinsten Wassers.



Text: Karin Riess Fotos: Oliver Wolf

Die Frisur der nächsten Saison



SEEFAHRER. Farben, Felgen, Fahrwerk – aber Schnellfahren? Darüber ist die Tuningszene von heute hinweg. Was die Jugend dennoch am Frisieren fasziniert.



Die Frisur der nächsten Saison.
Zum VW Golf GTI 220 PS, Gewindefahrwerk, gelochte Bremsscheiben, 19-Zoll-Räder, Spoiler und Spiegelkappen aus Carbon, Heckdiffusor, Sportauspuff, Folierung in Lichtgrau.

Zum BMW 420d 184 PS, Luftfahrwerk, getönte Rücklichter, Heckdiffusor, Spiegelkappen und Spoilerlippe aus Carbon, 20-Zoll-Räder, Sport­auspuff, Folierung in Kardinalrot.


Nächstes Jahr liegt er am See.
„Das kostet aber eine Stange Geld.“ Laurenz Patocka schmiedet Pläne für den kommenden Sommer – aber nicht, was den Urlaub betrifft. Sondern über den Umbau bei seinem GTI bis zum nächsten Wörthersee-Treffen. Gewindefahrwerk raus, Luftfahrwerk rein: Schon kann der Golf auf Knopfdruck abgesenkt werden, bis er fast auf dem Boden liegt.
„Das ist schon lässig. Wenn du parkst, lässt du ihn einfach ganz hinunter“, kommentiert Lukas Kilian. Er ist ein guter Bekannter von Laurenz. Man kennt sich von diversen Facebookgruppen, und sein 4er-BMW kauert knapp über dem Boden, als sich die beiden zum Stelldichein auf dem Parkplatz von Bloomfield in den Wiesen im niederösterreichischen Leobersdorf treffen, um über ihr Hobby zu erzählen.

Text: Roland Scharf Fotos: Oliver Wolf

Appfahrt in die Zukunft



WEGWEISER. Das Rad dreht sich immer schneller. Der Druck steigt, die Anforderungen an die verbleibende Zeit ebenfalls. Aber wie bahnt sich die Generation Z ihren Weg durch Großstadtdschungel und diverse Landstriche?



Für viele, die sich ihren Weg ohne eigenes Auto suchen, ist die Zukunft grün. Zumindest der Farbe wegen. Seit 2013 gibt es die Marke Flixbus. Die Gründung des Start-up-Unternehmens dreier junger Männer aus München ging mit der deutschlandweiten Liberalisierung des Fernbusgesetzes einher. Davor war es nicht erlaubt, Busstrecken als Alternative zum Bahnnetz anzubieten. Dabei ist der aufstrebende Busmarkt gar keine Konkurrenz. Spricht man mit Fahrgästen, führt fast jeder Reisende als Grund seiner Entscheidung die günstigen Preisbedingungen an. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Fahrgast in der Vergangenheit Bahn gefahren ist. Flixbus generiert völlig neue Kunden. Die große Ideologie sucht man bei vielen Kunden oftmals vergeblich. Von Graz nach Wien trifft man vor allem Kurzentschlossene, gebucht wird meist über App und Handy.
Text: Julian Melichar

Wenn es sein muss, gehen wir in eine andere Richtung



DIE ZWEI. Niemand weiß in Österreich über zwei Räder mehr als Stefan Pierer und Gerald Kiska. Ein Gespräch.




ZU DEN PERSONEN.
Gerald Kiska (58) absolvierte die Hochschule für Gestaltung in Linz, arbeitete bei Porsche und Idea. Er gründete Kiska Design und den Studiengang Industrial Design an der FH Joanneum in Graz. Kiska und der Aufstieg von KTM sind untrennbar verbunden. In seinem Designstudio in Anif arbeitet er für internationale Kunden, man betreibt Büros in China, den USA etc.

Stefan Pierer (60) studierte an der Montanuni Leoben Betriebs- und Energiewirt­schaft. 1987 gründete er die KTM Indus­tries-Beteiligungsgruppe, in der er als Aktionär und Vorstand tätig ist. Seit 1992 Vorstand der KTM AG. KTM stieg unter seiner Führung zum größten Motorradhersteller Europas auf. Pierer ist Leitstimme der österreichischen Industrie.


Tatsache ist: Die Generation Z gibt das Tempo für die Mobilität der Zukunft vor. Tickt diese Generation in Sachen Mobilität tatsächlich anders?
STEFAN PIERER: Wir sehen große Unterschiede zwischen Stadt und Land. Am Land ist nach wie vor Mobilität die Teilnahme an der sozialen Community. Dort sehe ich den sogenannten Fortbewegungserlaubnisschein noch nicht so hinterfragt wie in der Stadt. Dort heißt es: Wozu braucht man einen Führerschein, wenn man nur in der Stadt lebt? Viele Junge, die in der Stadt leben, musst du zum Führerschein drängen.
Interview: Gerhard Nöhrer, Didi Hubmann

Das Auto bekommt eine Sprachsteuerung



DIGITALISIERUNG. Managerin Sabine Scheunert erklärt, warum die Sprachsteuerung mit der Generation Z kommt und wie sich Daimler gerade neu erfindet.




ZUR PERSON.
Sabine Scheunert studierte Wirtschaftsmathematik und Europäische Unternehmensführung. Nach Stationen bei BMW und PSA Peugeot Citroën übernahm sie den Posten „Vice President Digital & IT Marketing/Sales Mercedes-Benz“ – die neue digitale Einheit von Mercedes-Benz Cars.

Jahrzehntelang war Daimler der Inbegriff konservativer Klassik in der Autobranche. Heute lässt Sabine Scheu­nert, Chefin der neuen digitalen Einheit von Mercedes-Benz Cars, keck wissen: „Sie brauchen natürlich ein digitales Ökosystem rund um das Fahrzeug, und wir haben uns viele Jahre auf die Mercedes-Benz-Kunden konzen­triert. Aber wir können heute mit Mercedes Me auch einen Kunden haben, der keinen Mercedes besitzt.“ Wie tief greifend der Wandel bei Daimler ist, sah man zuletzt in Frankfurt: Während die Autoliebhaber zu ebener Erde die neuesten Modelle bei der Internationalen Automobil-Ausstellung begutachteten, wurde der Wandel in unmittelbarer Nähe sichtbar: Die „Me Convention“, eine Zukunftskonferenz abseits von Motoren und Fahrwerken, wurde von Daimler abgehalten. Es ging in der Konferenz um Digitalisierung genauso wie um Ressourcenschonung, Carsharing, Neurokapitalismus, Auswirkungen neuester Technologien auf das Gehirn oder Cloud-Lösungen. Facebook-Managerin Sheryl Sandberg (Vize von Mark Zuckerberg) war ebenso vor Ort wie Martin Weber, der Finanzchef des Berliner Unternehmens Infarm, der mit Gemüsefarmen für Städte Importe aus dem Ausland abstellen will.

Die Veranstaltung, die nach dem Vorbild der legendären und größten SXSW-Zukunftsmesse der Welt aus den USA kreiert wurde, sollte Entwickler, Quergeister, zukünftige Hoffnungsträger, Start-ups und App-Entwickler anlocken. Das Auto? Nebensache, irgendwie. Sandberg rang Daimler-Chef Dieter Zetsche dabei auch ungewöhnliche Töne ab. Sinngemäß: Man wolle von Facebook sogar lernen.

Text: Didi Hubmann, Fotos: Oliver Wolf

Wie die Jungen die Alten fordern



RICHTUNGSWECHSEL. In der Autobranche bleibt kein Stein auf dem anderen. Manager und Designer versuchen, die nachkommenden Generationen zu verstehen. Das ist zur Überlebensfrage geworden.




Ein Cartoon zur Generation Z verdeutlicht die Herausforderungen der Autoindustrie. Der Vater fragt seinen Sohn: „Wie geht es dir?“ Der Sohn antwortet: „Du kannst es in meinem Blog nachlesen.“ Es gibt zwar keinen klassischen Generationskonflikt, aber: Wie können die Manager und die Designer die nachfolgenden Generationen so verstehen, dass diese auch in Zukunft noch Autos kaufen wollen? Jaguar-Chefdesigner Ian Callum – man produziert ja auch in Graz – hat der Marke ein neues Gesicht gegeben und sagt: „Auch im Zeichen von On-demand-Services und Carsharing-Systemen wird es einen Bedarf an luxuriösen und aufregenden Erlebnissen geben – und ebenso für genussvolles Fahren. Die Menschen werden immer noch stilvoll und komfortabel reisen wollen. Zugleich wird das zunehmende Carsharing die Möglichkeiten erweitern, das Erlebnis, das ein Jaguar bieten kann, zu erfahren. Auch dann, wenn die Menschen keinen eigenen mehr besitzen wollen.“
Akio Toyoda, Toyota- und Lexus-Chef, bringt es überhaupt kurz und revolutionär auf den Punkt: „Wenn es keinen Spaß macht, dann ist es kein Auto.“ Opel-Designchef Mark Adams hat in seinen Designs einen klaren Blick auf das Wesentliche – und bringt das Thema Vertrauen aufs Tapet: Die Marke solle zwar den nächsten, selbstbewussten Schritt auf dem Weg in die Zukunft gehen, „aber zugleich zeigen wir, dass wir unserem Design treu bleiben – darauf können die Menschen vertrauen“. Und: „Das Auto ist dramatisch, skulptural und steckt voller Innovationen.“

Text: Didi Hubmann

Maschinen brauchen Moral



ANALYSE. Warum nicht die Generation Z, sondern vor allem alte Menschen autonom (mit-)fahren werden – und wie die Maschine Auto von uns Moral lernt.



ZUR PERSON
Ulrich Eberl hat bei Daimler und 20 Jahre lang bei ­Siemens (Leitung Kommunikation/Forschung Zukunfts­trends) gearbeitet. Als Wissen­schafts- und Technikjournalist hat er das Buch „Smarte Maschinen – wie Künstliche Intelligenz unser Leben verändert“ verfasst.

Trotz aller Fokussierung auf die Generation Z: Für Ulrich Eberl sind es auch die alten Menschen, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten den Umstieg in die autonome Mobilität vorantreiben werden. „Stellen Sie sich vor“, sagt er, „weltweit kriegen wir bis 2050 über eineinhalb Milliarden Menschen über 65.“ Das sei eine Verdreifachung im Vergleich zu heute. Bis 2060 werde jeder achte Mensch in Mitteleuropa über 80 sein, jeder dritte über 65 und die Zahl der über 100-Jährigen werde sich verzehnfachen. „Die wollen ja auch noch alle mobil sein und nicht unbedingt den öffentlichen Nahverkehr nutzen, weil dieser unbequem ist. Für diese älteren Menschen ist es ja noch viel genialer als für die jungen, autonome Elektrotaxis zu benutzen. Etwa eines, das die Sitze aus dem Auto ausfahren kann, damit ich bequem einsteigen kann. Und dann sage ich einfach, wohin ich will. Die Jungen können auch den öffentlichen Nahverkehr nutzen, denn der wird wohl kostengüns­tiger sein.“
Eberl weiß, wovon er spricht. Sein ganzes Leben hat er sich mit der Zukunft der Mobilität befasst. Er war in seinen Jobs bei Daimler und Siemens mit diesen Themenfeldern konfrontiert und hat zuletzt als Wissenschafts- und Technik- journalist mit seinem Buch „Smarte Maschinen – wie Künstliche Intelligenz unser Leben verändert“ für ein gewaltiges Echo gesorgt.

Text: Didi Hubmann

Du hast noch ein Smartphone? Du armer Kerl!



ZWIEGESPRÄCH. Zwei Generationen von Trendforschern, ein Blick in die Zukunft: Matthias und Tristan Horx über neue Urbanität, alte Käfer, autonomes Fahren und die Entmystifizierung des Automobils.



Zur Person
Matthias Horx (62) ist Publizist, Trend-und Zukunftsforscher. 1998 gründete er die Zukunftsinstitut GmbH mit Sitz in Wien und Frankfurt.

Tristan Horx (24) studierte Sozial- und Kulturanthropologie und beschäftigt sich in der Trendforschung ­unter anderem mit den Bereichen Digitalisierung und Generationenwandel.


Zwar wird das Auto heute noch als individuelles Mobilitätssymbol gesehen – die Rolle könnte aber bald vorbei sein. Wird das Auto dann als Spielzeug für einige wenige überleben?
TRISTAN H.: Ich glaube, es wird immer einen gewissen Prozentsatz an Jugendlichen geben, die davon träumen. Mobilitätsbedürfnisse sind individuell. Deshalb ist die Entwicklung zur Polymobilität – zumindest im urbanen Raum – etwas Sinnvolles.MATTHIAS H.: Die Städte unterliegen einem Trend, den man Kopenhagenisierung nennt. Das kommt aus den skandinavischen Großstädten, in denen das Auto langsam an die Peripherie gedrängt wird. Die Stadt braucht den Platz für Kultur, Begegnung, Lebensqualität, Natur, wenn sie sich verdichtet. Die städtische Mobilität wird einmal so beschrieben sein: ein Viertel Auto, ein Viertel Fahrrad, ein Viertel Fußgänger, ein Viertel öffentlicher Nahverkehr. Heute sind wir immer noch bei zwei Drittel Auto.


Text: Birgit Pichler, Fotos: Oliver Wolf

So sehe ich mein Auto



AUSBLICK. Wie stellen sich Kinder jenes perfekte Fahrzeug vor, das sie selbst lenken wollen? Sieben Kinderreporter der Kleinen Kinderzeitung malen ihr Auto der Zukunft.




Tatsächlich sind hier der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Mit Seifenlauge angetrieben, durch seitliche, spezielle Reifen flugtauglich, wahlweise fahrerlos gelenkt, mit Solarzellen auf dem Dach zur Energiegewinnung oder inklusive Schlafplatz im Kofferraum: Bei der Fragestellung „Wie stellst du dir das Fahrzeug vor, mit dem du – wenn du selbst einmal den Führerschein hast –, fahren möchtest?“ kamen sieben Kinderreporter der Kleinen Kinderzeitung so richtig in Fahrt. Sie entwarfen ihre ganz persönliche Mobilität von morgen. Mit an Bord waren insgesamt sieben Kinder aus ganz unterschiedlichen Altersgruppen, um ein möglichst breites Spektrum aus der Generation Z zu erfassen: Anna-Lena (12), Alina (10), Gerrit (6), Markus (13), Philip (9), Raphael (6) und Viki (12) griffen eifrig zu den Stiften, ließen ihrer Kreativität freien Lauf und brachten die Ideen in Form von Zeichnungen zu Papier. Was fast alle Kreationen auf vier oder manchmal mehr Rädern eint: Den Kindern war es wichtig, bei ihrem ganz persönlichen Fahrzeugentwurf für die Zukunft auch Aspekte wie alternative Energieformen, Sparsamkeit oder Nachhaltigkeit einfließen zu lassen.



Text: Martina Stix
Cover
Generation Z
Valerie
Jungwirth
Schulstory
Student
Tuner
Flixbus
Pierer Kiska
Mercedes
Design
ARS Elecrontica
Horx und Sohn
Kinderskizzen
Impressum

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