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Akademie Graz

Vom Gären und vom Brodeln

1987 gründete Emil Breisach, demnächst 89, die Akademie Graz. Als kulturelles und intellektuelles Forum in der Nachfolge bewährter steirischer Kulturtechniken.

© Privat
 

Schon oft habe er den Tod der Malerei, des Tafelbilds miterlebt, jedenfalls die Prognose dieses Todes gehört. Und jedes Mal habe sie, die Malerei, weitergelebt, durchaus gekräftigt. Emil Breisach, der am 21. März 89 wird, ist absolut sicher, dass die Kunst, in welcher Sparte immer, nicht am Ende ist. Und das Reflektieren darüber auch nicht.

"Das große Abenteuer der Kunst. Assoziationen nach der Moderne" heißen ein Buch und eine Matinée aus Anlass des genannten Geburtstags und des 25-jährigen Bestands jener Einrichtung, die Breisach begründet hat - der Akademie Graz. Er habe damit, so Breisach gestern bei einem Pressegespräch, die Tradition der Steirischen Akademie fortsetzen wollen. Jenes intellektuellen Forums, das in den 1960er-Jahren wesentlich zum kulturellen Aufbruch in der Steiermark beitrug.

"Die Kuratoren melden/ was sein wird/ was sein soll/ In der Gärküche/ der Kunst/ brodeln/ andere Dämpfe", lauten einige Zeilen in Breisachs druckfrisch vorliegender Sammlung von Epigrammen und Gedichten, der achten seit 2003. Sie sprechen vom Vertrauen des Autors auf künstlerische Widerstands- und Regenerierungskraft.

Renaissance

Über eine Moderne nach der Moderne denken im Buch unter anderem Clemens Setz, Dimitré Dinev, Friederike Mayröcker, Friedrich Cerha, Fritz Panzer, Maria Lassnig, Rudolf Burger, Petra Sterry, Peter Strasser und Thomas Macho nach. Für den Bildteil schufen Tobias Pils und Björn Kämmerer neue Arbeiten.

Kreisky-Preisträger Thomas Assheuer ("Die Zeit") schreibt in seinem Vorwort, dass man sich nicht vom Glauben verabschieden müsse, "das Wesen der Kunst liege in der Frage nach der Wahrheit". Erst wenn man sie mehr stelle und nicht mehr darauf brenne, "ästhetische Erfahrungen zu machen", werde es bedenklich.

Beat Furrer kommt zum Schluss, "Auch Renaissancen sind Epochen der Erneuerung". G.R.A.M. befinden "Fadenartige Zellen bilden ein Geflecht aus Vergangenheit, Zeitgenossenschaft und Zukunft". Hubert Schmalix verrät: "Ich arbeite mit eigner Hand. Mit dieser Technik habe ich schon viele schöne Bilder gemalt". Konrad Paul Liessmann diagnostiziert unter dem Titel "Nach der Moderne ist vor der Moderne" eine "Refeudalisierung": "Das muss noch nicht das Schlimmste bedeuten. Einige der schönsten Kunstwerke entstanden als Auftragswerke."

Wenig optimistisch kommentierte gestern Astrid Kury, Breisachs Nachfolgerin an der Akademie-Spitze, den Stand der kulturpolitischen Dinge. Das allgemeine Sparen "gefährdet kulturelle Vielfalt", ein zwangsläufig einsetzender "zerrüttender Wettbewerb" werde das Seine tun: "Die Selbstausbeutung unter den Kulturschaffenden ist jetzt schon sehr groß, eine Verschärfung werden viele nicht durchstehen." Kurys Nachsatz signalisierte indes grimmige Entschlossenheit: "Wir werden mit weniger Geld mehr Programm machen."

Das große Abenteuer der Kunst. Assoziationen nach der Moderne. Mit Thomas Assheuer, Emil Breisach, Johannes Maria Staud, Phace/contemporary music. 25. März, 11 Uhr. Forum Stadtpark Graz. Das gleichnamige Buch erscheint in der edition keiper.

Emil Breisach. Die Schere der Zeit. Bibliothek der Provinz, 84 Seiten, 13 Euro.

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