Konzertkritik 10styriarte: Mit Revoluzzerherzblut

Der Franzose Jérémie Rhorer zeigte bei Beethovens 3. und 6. Symphonie am Pult des Concentus Musicus Wien, dass er mit den Besonderheiten des Originalklangs vertraut ist. Von Michael Tschida

Jérémie Rhorer dirigierte zwei mal im Stefaniensaal © styriarte/Werner Kmetitsch
 

Beethoven verstehen zu wollen, das hieße, „mit Triefaugen in die Sonne zu blicken“, wusste schon Gustav Mahler. Das gilt vor allem für dessen Symphonien, in denen er noch ein paar Lux zulegte. Und im Besonderen für die „Eroica“, diese Sonderration an formalen Kühnheiten. Aber sogar die „Pastorale“ scheint nur idyllisch, hatte es doch der Bonner in Wien, der in dem Opus 68 aus 1808 tondichtend „Bäume mehr liebte als Menschen“, nicht bloß in den Gewitterszenen auch ordentlich donnern lassen.

Beide Symphonien schnürte nun Jérémie Rhorer am Freitag (und Samstag) zum Doppelpack – als einer von drei Einspringern für Nikolaus Harnoncourt im mächtigen, prächtigen Gesamtzyklus. Mit Originalklang ist Rhorer bestens vertraut, wie er bei seinem Debüt in Graz bewies. Der 43-Jährige, als zuweilen auch rescher Feuerkopf bekannt, legte mit dem Concentus Musicus Wien zunächst die 6. Symphonie („Pastorale“) überraschend rund und weich an, ohne dafür die Klangtransparenz zu opfern.

In der 3. Symphonie („Eroica“) wiederum, deren Widmung an Napoleon Beethoven nach dessen Mutation vom Volkshelden zum Tyrannen „wüthend“ zerrissen hatte, ließ der Franzose das Revoluzzerherzblut pochen und gestaltete den Trauermarsch eindringlich. Ganz so wie zuletzt Karina Canellakis als Ersatz am Pult konnte Rhorer aber nicht überzeugen, dafür gab es ein paar kleine Wackelkontakte zu viel mit dem Concentus, der in der Großbesetzung trotz enormen Brios auch nicht so kompakt und souverän wirkte wie sonst. Aber wie auch der Jubel zeigte: Sommersonnig hell strahlte es im vollen Stefaniensaal allemal.

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