Ex-Bunnylake-SängerinOrgeln und Chöre für Teresa Rotschopf: "Ich muss auf mich vertrauen"

Ex-Bunny-Lake-Sängerin veröffentlicht mit "Messiah" ihr erstes Soloalbum: sich Zeit zu nehmen hatte "sich luxuriös angefühlt".

INTERVIEW: TERESA ROTSCHOPF
Teresa Rotschopf © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Als Suzy on the Rocks war sie die Stimme von Bunny Lake, nun braucht es für Teresa Rotschopf keinen Künstlernamen mehr: Die österreichische Sängerin legt mit "Messiah" ihr erstes Soloalbum vor, durchzogen von sakralen Chören, dunkler Elektronik und vielfältigen Arrangements. Eine aufwendige Angelegenheit, die Zeit und vor allem Geduld brauchte: "Es war nicht leicht, das Album loszulassen."

Patrick Pulsinger als Produzent, 18 Musiker an diversen Instrumenten, die renommierte Fotografin Elfie Semotan für das Cover: Es waren zahlreiche Köpfe, die Rotschopf zur Unterstützung heranziehen konnte. Und doch liefen stets alle Fäden bei ihr zusammen, seit vor mehr als sechs Jahren der erste Song "Love" entstanden ist. Nach dem Ende von Bunny Lake war schnell der Wunsch einer eigenen Platte geboren, aber die Entstehung der nun neun Stücke zog sich in die Länge - auch, weil Rotschopf seitdem Mutter von zwei Söhnen wurde und einige Zeit im Ausland lebte.

"Ich habe sehr lange daran gefeilt", sagt sie nun im APA-Interview über "Messiah". "Es war einerseits total super, diese Zeit zu haben und aus dem Druck auszusteigen. Das hat sich luxuriös angefühlt. Andererseits gab es Phasen, in denen ich mir dachte: Puh, schön langsam könnte es fertig werden, wann bringe ich es denn heraus?" Verändert habe sich die Platte vom grundsätzlichen Gestus her allerdings nicht. "Ich wusste schnell, in welche Richtung es geht. Es hat einfach so lange gebraucht, bis das ausgehirnt war", lacht Rotschopf.

Zusammengeführt hat sie jedenfalls vieles: Ist der Opener "Love" eine reduzierte, dunkel schimmernde Synthie-Großtat, geht es bei "Thieves of the Sun" deutlich freundlicher zur Sache. Andererseits erzeugt das direkt darauffolgende "Open" wieder eine düstere Stimmung, nicht zuletzt dank der Zeilen: "I am open, my flesh is red, you can see through me." Spätestens dann weiß man: "Messiah" ist eine höchst persönliche Angelegenheit für die Musikerin. "Aber ich bewege mich in einem emotionalen Land, das wir alle kennen. Ich möchte schon, dass sich die Musik auch auf der textlichen Ebene anderen Personen öffnen kann."

Will erforscht werden

Als Hörer muss man jedenfalls Aufmerksamkeit mitbringen, brauchen die Stücke doch einige Zeit, um sich zu entfalten. "Ich habe keine Lust, Songs zu schreiben, in denen man ab Sekunde 14 weiß, wohin die Reise geht", bekräftigt Rotschopf. "Dieses Ausreizen von gewissen Dingen, von Sounds, aber auch Zeit und Instrumenten, hat mich interessiert. Es zahlt sich definitiv aus, wenn man das erforscht." Und dabei sei nicht zuletzt Pulsinger der ideale Partner gewesen. "Uns beide hat es dort interessiert, wo es ein bisschen schräg wird, wo es sich ein bisschen reibt." Kann man dabei auch mal zu weit gehen? "Nein", lacht Rotschopf, "kann man nicht."

Das bedeutet aber keineswegs, dass sich "Messiah" nur Avantgarde-Fans erschließt. Trotz obskurer Einfälle und nicht alltäglicher Abzweigungen ist der Musikerin eine Platte geglückt, die schnell eine ganz eigene Atmosphäre aufbaut und in den Bann zieht. Ein wesentlicher Bestandteil davon sind die Chöre, die nicht zuletzt auf ihre Kindheit im Salzburger Lungau verweisen. Kirchenmusik sei ihre "musikalische Sozialisierung" gewesen. "Orgeln und Chöre waren der erste Begriff von Musik für mich", erinnert sich Rotschopf. "Das hat sich festgesetzt. Man muss es auch gar nicht bewerten. Es war ein befreiender Prozess, das noch einmal aufzugreifen und für mich selbst umzumünzen. Also nicht die Orgel in der Kirche zu lassen, sondern sie herauszuholen und einen Breakbeat darunter zu setzen."

Ein weiterer Ankerpunkt ist ihre Stimme, die sich in vielerlei Hinsicht verändert zu Bunny-Lake-Zeiten präsentiert. "Als ich das erste Mal so tief gesungen habe, war ich zunächst fast verunsichert. Warum mache ich das so? Aber dann war es schlüssig", erläutert Rotschopf. "Es ging mir auch um diese Erwartungen: Eine Frau soll immer lieb klingen, ihre Stimme muss ins Ohr gehen. Also dachte ich mir: Warum soll ich nicht, als blonde Frau mit rotem Lippenstift, einfach ganz tief singen? Das hat ja nicht nur mit einer stimmlichen Tiefe zu tun, sondern auch etwas Körperliches."

Einschränkungen waren für sie ohnehin kein Thema. "Das war die große Lehre im Entstehungsprozess: Ich muss auf mich vertrauen. Das muss alles von mir kommen, es ist ja mein Album. Habe ich das Bedürfnis, dann kann ich auch jodeln und dazu Dudelsack spielen", schmunzelt sie. "Aber natürlich: Dieses Vertrauen auf sich selbst ist mit Sicherheit ein Reifungsprozess." Schließlich habe sie zwischendurch - nicht nur ob der langen Zeitspanne - schon gezweifelt, "was das überhaupt soll". Aber: "Ich habe mich nicht beirren lassen. Das im künstlerischen Prozess noch einmal so manifestiert zu sehen, war eigentlich das Schönste." Am Dienstag präsentiert Rotschopf "Messiah" live im Wiener Radiokulturhaus.

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