Wien-Konzert im SeptemberSisters of Mercy wollen es noch immer wissen

Rauchschwaden und Stroboskop-Licht sind zumindest fix. Was jedoch auf der Setlist für das Konzert am 22. September steht, weiß selbst Urgestein Andrew Eldritch noch nicht.

Andrew Eldritch von Sisters of Mercy
Andrew Eldritch von Sisters of Mercy © EPA
 

Andrew Eldritch, letztes verbliebenes Originalmitglied der Sisters Of Mercy, wird gerne als "Godfather Of Goth" bezeichnet. "Das hat mir einen schönen Swimmingpool finanziert", sagte der englische Musiker im Interview mit der Austria Presse Agentur ganz trocken und ohne hörbare Ironie. Am 21. September gastiert seine Band im Wiener Gasometer. "Es wird auch Bühnennebel geben", versprach Eldritch.

Rauchschwaden und Stroboskop-Licht scheinen ja unverzichtbare Essenzen einer Show von Sisters Of Mercy zu sein. "Manchmal erfordern es die Umstände, etwas weniger Nebel einzusetzen", so Eldritch. "Aber wir werden die kommenden Konzerte interessant gestalten. Die nächste Frage lautet sicher, was wir denn bei den Konzerten spielen. Ich weiß es nicht. Wir müssen erst zusammenkommen, um die Tournee zu besprechen."

"Hätten genug Songs für zwei oder drei Alben"

Geht es um Sisters Of Mercy, geht es auch stets um das Enigma, dass die Band seit 1990 kein neues Album veröffentlicht hat. Dabei sprach Eldritch in der Vergangenheit, wenn er überhaupt Interviews gab, von diesbezüglichen Plänen. "Die gab und gibt es ja auch", betonte der 58-Jährige. "Ich denke wirklich öfter über eine neue Platte nach. Aber aus welchen Gründen auch immer, bleibt es beim Nachdenken. Aber das tu ich wirklich. Wir hätten allerdings genug neue Songs für zwei oder drei neue Alben."

Neues Material wird stattdessen bei Konzerten der Band präsentiert. "Meistens funktioniert das ziemlich gut", meinte Eldritch. "Wir publizieren die Texte auf unserer Internetseite, damit die Leute wissen, worüber ich singe. Hoffe ich zumindest... Außerhalb von England legen die Leute generell mehr Wert auf die Songtexte. Ich glaube, weil man härter darüber nachdenken muss, was die Worte bedeuten, wenn es sich nicht um die Muttersprache handelt. Die Leute mögen diese Übung."

 

Bei einem Blick auf die Geschichte der Sisters Of Mercy ist dieser Modus Operandi, unbekannte Songs live vorzustellen, gar nicht abwägig. "So haben wir begonnen", sagte Eldritch. "Dann wurden wir in die Musikindustrie reingezogen - mit Plattenfirmen und dem ganzen Unsinn. Dann sind wir drauf gekommen, dass wir erfolgreich und glücklich ohne den ganzen Unsinn sein können." An Regeln der Unterhaltungsindustrie will man sich daher nicht mehr halten: "Wir machen das seit 25 Jahren nicht mehr mit. Weil wir das nicht müssen."

Aber wie betrachtet der Musiker sein Vermächtnis auf Tonträger? "Ich höre mir alle fünf Jahre die Alben an. Zwei davon mag ich sehr. Die sind wirklich gut", so Eldritch. "Die Snare Drum ist ein bisschen zu laut, aber das war damals angesagt. Egal, was man den Plattenfirmen geliefert hat, da gab es immer jemanden in einer Führungsposition, der meinte zu wissen, wie man die Songs noch besser machen kann - vermutlich als Berechtigung für die Existenz der Plattenfirma. Da hieß es dann immer: 'Macht die Snare Drum lauter!'"

Der Plattenfirma entkommen

Sieben Jahre hat die Band in den Neunzigern "gestreikt", wie Eldritch erzählte. "Erst dann sind wir der Plattenfirma entkommen." Zur Vertragserfüllung hatte er seinerzeit das Projekt SSV-NSMABAAOTWMODAACOTIATW gegründet und ein Album mit gezielt schlechten Aufnahmen abgeliefert. 20 Jahre ist das her. Trotz dieses Jubiläum wird wohl kaum etwas daraus bei der kommenden Tournee zu hören sein: "Äh, nein, vermutlich nicht."

Zurück zum "Godfather Of Goth": Das Image der Sisters Of Mercy scheint Andrew Eldritch ziemlich egal zu sein, beim bisher letzten Auftritt in Wien glich er in einem weißen Kapuzenpulli eher einem Hip-Hopper als einem Darkwave-Finsterling. "Finanziell ist es sehr gut, ein Image zu haben", sagte Eldtrich. "Aber es reflektiert nicht, wie wir uns selbst sehen. Ich glaube allerdings nicht, dass ich jemals in kurzen Hosen auf die Bühne gehen werde."

"Der Brexit ist eine Katastrophe"

Und zu guter Letzt steht bei einem Gespräch mit einem englischen Musiker, der viel Zeit im Ausland verbringt, die Frage nach dem Brexit im Raum. Hat sich Großbritannien damit etwas Gutes getan? "Nein! Das ist ein sehr langer Autounfall. Ich habe dafür gestimmt, in der EU zu bleiben. Jeder, den ich kenne, hat das getan. Die ganze Band, alle Menschen, mit denen ich zu tun haben, haben für den Verbleib gestimmt. Wir stimmen alle damit überein, dass der Brexit eine Katastrophe ist."

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