Gut gemacht und gut gemeint
Der Tag der Arbeit war auch der Tag der Newcomer. Die dritte Runde des Bandwettberwebs im Orpheum bot musikalischem und weniger musikalischem Nachwuchs wieder die Chance, sich zu beweisen.

Foto © KLZ | Marija KanizajPublikumssieger Red Tragedy
Die Crew um Vojo Radkovic hatte am 1. Mai mitnichten frei. Somit war alles angerichtet für die nächste Riege junger Wilder. Nach einem wenig bewegenden Start in den Abend haben sich Red Tragedy mit der Startnummer zwei in die Ohren von Publikum und Jury gespielt. Mit Rock 'n' Roll – sofern er kraftvoll genug ist – kann man auch nicht viel verkehrt machen. Aufgepeppt mit einem guten Schuss Punk mundete die Vorspeise also, auch wenn beim Doppeln der Vocals nicht immer alles glatt ging. Die Publikumswertung hob sie ins Finale.
Die junge Truppe Atari Lauter machte ihre Sache gut, konnte das Niveau aber nicht halten. Bei Teatime In Las Vegas bereitete vor allem der äußerst lebendige Bassist Freude. Auch die Dame am Schlagzeug leistete ganze Arbeit, sollte aber auf den unterstützenden Gesang verzichten, solange sie trommelt.
Nuz aus Eisenstadt fielen mit glitzernden Hüten und goldenen Hosen auf. Sänger Juan – er stammt ursprünglich aus Mexiko – gibt optisch einen gestandenen Frontman ab, singen zählt jedoch nicht zu seinen Stärken. Wenn rauere Töne angeschlagen werden, muss man melodiöse Ansätze nicht zur Gänze aus dem Gesang verbannen. Generell wirkten die Herren recht gestresst, es wird wohl am Adrenalin gelegen haben. Dennoch war die Jury überzeugt. Man darf wohl, unter Berücksichtigung der teils blassen Konkurrenz, von einem verdienten Aufstieg sprechen.
Von Wahnsinn und Genie
Das Singer/Songwirter-Duo Seth Nash und Luna präsentierte dann den Bauchfleck des Abends. Dass sich Luna mitsamt Keys beinahe in Luft auflöste war noch ein Segen, wenn man sich die Duett-Passagen ins Gedächtnis zurück peitscht. Die inbrünstige Darbietung des Jungen mit der Gitarre ist wohl mit grob verzerrter Selbstwahrnehmung zu erklären. Sogar die stets wohlwollende Jury konnte diesmal nur die rote Karte zeigen. Juror Reinhard Strauss sprach von einer katastrophalen Performance, gestand dem Duo aber auch ein Mindestmaß an Potential zu.
Tagessiegerin Coy wischte die kakophonen Rückstände im Ohr dann mit guter Laune, Selbstvertrauen und einer grandiosen stimmlichen Leistung weg. Die Powerfrau organisiert Charity-Veranstaltungen im ganzen Land und hat ihre Seele der Musik verschrieben. Um das zu vermitteln, müsste sie es aber nicht extra in ihren Texten erwähnen. Dankeschön.
Treebone Tail überraschten mit einem Beatboxer in ihrer ansonsten klassischen Besetzung. Der wurde jedoch mitsamt Effektgerät vom furiosen Schlagzeuger hinweg gefegt. Dem Gitarristen und Sänger sei gesagt: Nur weil man sich in diversen Genres bedient, kreiert man noch lange keinen eigenen Stil.
Saya Swop zeigten dann nochmals auf. Die sympathische Sängerin humpelte mit Krücken auf die Bühne, ihre Stimme bedurfte keiner Stütze. Mit verhältnismäßig breiter Palette und grundsolider musikalischer Basis überzeugten sie nicht nur das Publikum, sondern auch Veranstalter Vojo, der die Band mit einer außerplanmäßigen Freifahrt ins Finale belohnte. Die unwahrscheinlich unoriginellen Recourse aus Deutschland hätte zu Hause bleiben können.


