Musikszene

Die Hamburger Elphilharmonie läuft heute vom Stapel

Erst extremes Bauabenteuer, jetzt imposante Krone der Stadt: Heute wird die Elbphilharmonie in Hamburg eröffnet.

Wird heute feierlich eingeweiht: die Hamburger Elphilharmonie © ORF
 

Ein bisschen sieht sie so aus, als hätte sich eine Nachfahrin von Kiki Kogelnik statt an „Venetian Heads“ an einem „Hamburgian House“ aus Glas erprobt. Aber die Elbphilharmonie mit ihrem Kronendach entstammt ja den Köpfen des renommierten Basler Architekturbüros Herzog & De Meuron.

Fertiggestellt? Letzten Oktober statt wie geplant 2010. Kostenpunkt? 865 statt ursprünglich errechneter 77 Millionen Euro. Doch trotz dieses zeitlich und finanziell völlig aus den Fugen geratenen Bauabenteuers haben die Hamburger nicht nur endlich ihr neues Wahrzeichen. Sondern sie sind - mit Achselzucken über die exorbitante Kostenentwicklung - auch noch mächtig stolz auf den imposanten Koloss an der Spitze der Hafencity; nur beim Richtfest bebrüllten einige Demonstranten das Gebäude als „Schandmal für die Reichen“.

Gut Ding braucht Weile: Erste Einblicke in die Elbphilharmonie

Es ist das Herzstück der Elbphilharmonie: der große Konzertsaal. Und er soll einer der besten Konzertsäle der Welt sein. Akustiker Yasuhisa Toyota ...

 

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... soll auch ganze Arbeit geleistet haben. Mit seinen 2.150 Plätzen ist der Saal nach dem Weinberg-Prinzip gebaut, mit einer Bühne in der Mitte, die von terrassenförmigen Publikumsrängen umgeben ist. Die erste Probe im Großen Konzertsaal der Hamburger Elbphilharmonie war für Dirigent Thomas Hengelbrock und sein Orchester ein einzigartiges Erlebnis.

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"Wir wussten sofort, mit dem ersten Paukenschlag: Das wird fantastisch", sagte Thomas Hengelbrock, Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters, der Wochenzeitung "Die Zeit". Es seien "jedem im Raum die Tränen heruntergelaufen, wirklich jedem". Der Konzertsaal "schwebt" aus Schallschutzgründen auf 362 Stahlfederpaketen und ist vom restlichen Gebäude entkoppelt, damit keine Geräusche vom Hafen in den Saal dringen können.

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So manch anderem sind jedoch ob der Bauzeit und der Kostenexplosion die Tränen gekommen. Neuneinhalb Jahre hat es bis zur Schlüsselübergabe gedauert, die ...

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... Baukosten sind von ursprünglich erwarteten 77 Millionen auf 789 Millionen Euro gestiegen. 

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Die Eröffnungskonzerte in dem neuen Konzerthaus am Hafen sind für den 11. und 12. Jänner 2017 vorgesehen.

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Fast jedes Detail ist einzigartig und wurde so noch nie gebaut - angefangen von der Wandverkleidung, der sogenannten Weißen Haut, bis zur gläsernen Fassade.

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Akustiker Yasuhisa Toyota gilt als einer der besten seines Fachs: Der Japaner hat auch die spektakuläre Weiße Haut erfunden - 10.000 individuell 3D-gefräste Gipsfaserplatten, die den Schall an jeder Stelle des Saals bestmöglich brechen sollen.

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"Ich glaube, der Saal wird einer der besten der Welt werden." Eine Garantie könne er dafür aber nicht geben. "Bei einem solchen Projekt gibt es keine 100-Prozent-Garantie und keinen 100-Prozent-Schutz", sagte Toyota in einer früheren Phase des Projekts.

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Neben dem Konzertsaal gibt es noch ein Luxushotel mit 250 Zimmern und 45 Eigentumswohnungen. Weiters ...

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... weiters gibt es auch noch eine öffentliche Aussichtsplattform in 37 Metern Höhe.

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"Wir haben uns eine Überlagerung von drei Modellen vorgestellt: das griechische Theater, die Stadion-Architektur und eine Art Zelt wie bei Wagner in Bayreuth", sagte Architekt Jacques Herzog im Februar bei der Präsentation der Weißen Haut.

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Das Multifunktionshaus mit dem 2100 Zuhörer fassenden Konzertsaal im Kern ist 110 Meter hoch (zum Vergleich: Die UNO-City in Wien misst 120 Meter). Auf den Sockel des ehemaligen Kaispeichers wurde ein gläserner Aufbau in Form einer Wasserwelle respektive eines Quarzkristalls gesetzt. Die „Elphi“, wie der Kosename des in vielerlei Hinsicht herausragenden Baujuwels längst lautet, ist das Leitprojekt auf dem Areal der Hamburger Hafencity: Im Rahmen des größten Stadtentwicklungsprojekts in Europa sollen dort bis Mitte der 2020er-Jahre Wohneinheiten für bis zu 12.000 Personen und Arbeitsplätze für bis zu 45.000 Menschen entstehen.

Stapellauf

Nun läuft die „Elphi“ also offiziell vom Stapel: Der Wiener Christoph Lieben-Seutter (52), seit 2007 nervenstarker Generalintendant des Hauses und letzten Juni bis 2021 verlängert, lädt heute in den großen Saal, wo das für den Bau umbenannte NDR Elbphilharmonie Orchester unter seinem Chefdirigenten Thomas Hengelbrock ein illustres Programm spielt, zu dem etwa Wolfgang Rihms Auftragswerk „Reminiszenz“ zählt. Tags darauf steht die Inauguration des kleinen Saales mit seinen gut 500 Plätzen an, wo das Haus-Ensemble Resonanz unter anderem das neue Werk „Release“ des Grazers Georg Friedrich Haas auspackt.

Die Eröffnung im TV

Schwerpunkt zur Eröffnung der Elbphilharmonie auf NDR (18 bis 0 Uhr); Eröffnungskonzert live (ORF III, 20.15 Uhr).

Info: www.elbphilharmonie.de

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Die Elbphilharmonie ist alles

Neptun ist in Hamburg der Elbe entstiegen und hat seiner Geliebten die Krone geschenkt.
Ein Schiff der Künste hebt sich nun in den Himmel empor.
Die Kühnheit des Nordens hat sich mit der Leidenschaft des Südens vereinigt.
Ein Feuerwerk aus tausend Stimmen hat die Elbphilharmonie erfüllt.
Alle Wege der Kunst-zu Wasser und zu Lande- führen nun nach Hamburg.
Viele Klippen und Eisberge mussten umschifft werden, um das Bauwerk zu vollenden.
Niemand spricht mehr von Kosten und Mühen, die Elbphilharmonie ist alles!
Nun ist die Reise zu Ende, und Kunstgeschichte wird geschrieben werden-in Hamburg, der Kunstmetropole des Nordens.

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