Nach Abberufung"Wiener Zeitung"-Chefredakteur Göweil: "War ein schwerer Fehler"

Der Chefredakteur der "Wiener Zeitung", Reinhard Göweil, ist am Freitagabend überraschend seiner Position enthoben worden. Vorwurf der sexuellen Belästigung.

ARCHIVBILD: 'WIENER ZEITUNG'-CHEFREDAKTEUR WEGEN 'VERTRAUENSVERLUSTES' ABBERUFEN
Reinhard Göweil © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Die Wiener Zeitung GmbH habe sich gezwungen gesehen, Reinhard Göweil "wegen eines anlassbedingten Vertrauensverlustes mit sofortiger Wirkung" von der Funktion als Chefredakteur abzuberufen und das Dienstverhältnis mit ihm zu beenden, teilte Geschäftsführer Wolfgang Riedler mit. Bis auf Weiteres übernehmen die stellvertretenden Chefredakteure die Leitung der Redaktion, hieß es in der Aussendung.

Gegen Göweil besteht der Vorwurf der sexuellen Belästigung. Eine Journalistin behauptet, er habe ihr in einer schriftlichen Nachricht sexuelle Avancen gemacht und das damit verbunden, dass er möglicherweise einen Job zu vergeben habe. In der "Presse" nahm Göweil am Samstag ausführlich zu den Vorwürfen Stellung. Den vorgebrachten Schriftverkehr auf Facebook habe es tatsächlich gegeben. "Dass das ein schwerer persönlicher Fehler von mir war, das ist mir klar. Ich will da auch nichts beschönigen. Aber was da jetzt daraus gemacht wird, ist für mich schwierig zu verstehen", erklärt Göweil. Dieser "kurze, blöde Chat ist im Jänner passiert, warum das jetzt aufpoppt, ist mir ein Rätsel."

"Ich habe eine Trottel-Facebook-Nachricht geschrieben"

Ihm sei wichtig zu betonen, dass er sich bei der Kollegin sofort in diesem Chat für seine verbale Entgleisung entschuldigt und seither nichts mehr von ihr gehört habe. Die Kollegin sei zu diesem Zeitpunkt nicht seine Mitarbeiterin gewesen. "Ich habe eine Trottel-Facebook-Nachricht geschickt und mich danach entschuldigt." Trotzdem werde er auf jeden Fall rechtlich gegen die Abberufung als Chefredakteur vorgehen und noch heute eine Stellungnahme dazu in den sozialen Netzwerken abgeben. Zudem betont er: "Wer immer diesen Chat-Verlauf nachlesen möchte, möge sich bei mir melden", sagte Göweil zur "Presse". Auch die Journalistin Hanna Herbst berichtete auf ihrer Facebook-Seite über den Vorfall.

Auf Facebook sprach Göweil zunächst von einem "bloßen Vorwand" für die Abberufung. "Es wurde kein dienstlicher Vorwurf gemacht. Im kommenden Prozess wird diese Begründung wohl nachgeliefert werden müssen."

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Göweil war 2009 als Nachfolger von Andreas Unterberger Chefredakteur der "Wiener Zeitung" geworden. Mit Jänner 2014 wurde sein Vertrag um fünf Jahre verlängert. Herausgeberin ist die Republik Österreich, in deren Alleineigentum die Gesellschaft steht; verwaltet werden die Anteile vom Bundeskanzleramt.

Der Schritt sei in Abstimmung mit der Eigentümerseite erfolgt und habe die Rückendeckung der Organe des Unternehmens, also des Aufsichtsrates, erklärte Geschäftsführer Riedler telefonisch gegenüber der APA. "Es war keine alleinige Entscheidung der Geschäftsführung", so Riedler. Es handle sich um eine fristlose Kündigung aus arbeitsrechtlichen Gründen, anderen Behauptungen trete man entschieden entgegen.

Die "Wiener Zeitung" wurde laut Eigenangaben im Jahre 1703 unter dem Namen "Wiennerisches Diarium" gegründet und 1780 in "Wiener Zeitung" umbenannt. Die Wiener Tageszeitung gilt als die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt.

Kommentare (3)

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teacup
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Entschuldigungen heben Konsequenzen nicht auf

Wie Herr Göweil schon sagte "da gibt es nichts schönzureden". Dann darf er sich nicht wundern, wenn er aufgrund der Beweislage seinen Posten verliert. Manchmal reicht eine Entschuldigung nicht.

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hermannsteinacher
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KULTUR?

Und was ist daran Kultur?

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Buero
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Es war notwendig

Die Angelegenheit zu veröffentlichen, weil sich Herr Göweil feig hinter dem politischen Umbruch verstecken wollte und Nebelgranaten zündete. Und nstürlich hat das Opfer das Recht, anonym zu bleiben. Was ohnedies nicht gelingen kann.

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