#Respekt, Folge 3: Wie Fakes wirkenFälschungen als sagenhafter Angriff auf die Wahrheit

Mit bewusst gefälschten Nachrichten wird politisch, sozial, ökonomisch Stimmung gemacht. Wie Fake News für zwielichtige Interessen genutzt werden – und wurden.

Fake News: Wie sie entstehen und wie man die Verbreitung steuern kann © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Es war einmal ein Mädchen. 13 Jahre alt, aus Berlin, Probleme in der Schule und Angst, dies den Eltern zu erzählen. Eines Tages kam Lisa nach der Schule nicht nach Hause, am Tag darauf tauchte sie wieder auf. So weit, so gewöhnlich. Das Mädchen behalf sich mit einer Lüge: Drei Unbekannte hätten sie entführt, die ganze Nacht festgehalten und vergewaltigt. Südländer. In Folge kam es etwa zu zu Demonstrationen und zu einem Angriff auf ein Asylheim. Lisa übernachtete eigentlich bei einem Freund. Fake News sind mächtig.

 


Fake News! Ein Begriff, der sich spätestens seit Donald Trump in die Hirnrinde der Allgemeinheit eingebrannt hat. „Ich rate dazu, diesen Begriff, so weit es geht, zu vermeiden. Ich selbst kenne ihn erst seit dem Vorjahr. Wir haben viele gute Begriffe für Falschmeldungen aller Art. Hoax, Fake, urbane Legenden, Enten, bewusste Desinformation“, betont Andre Wolf. Er ist Teil des Teams von Mimikama. Die Gruppe hat sich darauf spezialisiert, Falschmeldungen zu untersuchen und zu widerlegen. Bis zu 150 Meldungen erhält Mimikama. Pro Tag. Den Fall Lisa bezeichnet Wolf als Hybrid-Fake: Aus einem echten Erlebnis wird eine falsche Meldung konstruiert – oder extrem tendenziös darüber berichtet.

Wie entstehen Fake News?

Im Grunde kann jeder Fake News produzieren, eine Schlagzeile erfinden, Bilder in einen völlig falschen Kontext stellen und/oder falsche Quellen angeben. Wer auf höchstmögliche Verbreitung abzielt, konzentriert sich dabei auf Reizthemen wie Flüchtlinge, aktuelle Wahlen, Missbrauch, Krieg oder Prominente. Es gibt kommerzielle Webseiten, die Fake News produzieren, Parteien, die versuchen, Nachrichten zu beeinflussen, aber auch Privatpersonen, die Fake-Meldungen verbreiten.


Es war einmal eine Gruppe von Redakteuren, die über Protokolle der Weisen von Zion schrieb. Sie erzählen von einem Treffen jüdischer Weltverschwörer – was die Londoner „Times“ bereits 1921 als Fälschung entlarvt hatte. In der Zwischenkriegszeit verbreitete sich dieses antisemitische Pamphlet dennoch – auch heute glauben manche Kreise an deren Wahrhaftigkeit. Fake News sind beharrlich.


Verschwörungstheorien sind oft in sich schlüssig und wappnen sich gegen ihre Widerlegung. Wolf verweist auf die satirische „Bielefeldverschwörung“. Demnach existiert Bielefeld nicht, und jeder, der anderes behauptet, hat eine Gehirnwäsche hinter sich. Wolf schildert: „Kürzlich hat uns ein Blog angegriffen, weil wir uns einem Artikel zur vermeintlichen Inexistenz von Masernviren gewidmet haben.“ Auf einen Kleinkrieg mit Verschwörungstheoretikern lässt sich Mimikama nicht ein. Allerdings kämpft das Team mit Drohungen und Verleumdungen. Einmal stand der Verfassungsschutz im Büro und suchte ein Waffenlager.
Es war einmal Edgar Allan Poe. Er veröffentlichte 1844 in der „New York Sun“ eine Geschichte über Monck Mason, der mit einem Gasballon in 75 Stunden den Atlantik überquerte. Viele Zeitungen druckten die Geschichte ab. Bloß: Sie war komplett erfunden. Fake News sind schwer durchschaubar.

Zuerst denken, dann klicken! 

Motto von Mimikama, Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch


Manchmal gehen auch seriöse Medien auf den Leim. Facebook, Twitter und Co. bergen neue Gefahren, schildert Wolf: „Medien versuchen mitzuhalten. Aber Twitter wird immer schneller bleiben.“ Mit der Digitalisierung hat sich nicht nur die Zahl der Falschmeldungen vervielfacht. Sogenannte Bots – also Programme – versuchen, Relevanz vorzutäuschen. Der deutsche Journalist Peter Welchering befasst mit diesem Phänomen. Im US-Wahlkampf, so Welchering, betrieb Trumps Schwiegersohn Jared Kushner „politisches digitales Direktmarketing.“ Er habe Leaks (veröffentlichte geheime Informationen) genutzt, und daraus eine Falschmeldung konstruiert. Mit Datenanalysen hat Kushner deren Empfänger ermittelt. Dann kamen „Social Bots“ ins Spiel: Sie liken, retweeten und kommentieren Meldungen. Facebook glaubt so, die Nachricht sei wichtig und verbreitet sie. „Manchmal meinen sogar Journalisten, eine Nachricht mit vielen Likes sei automatisch relevant“, erläutert Welchering.

Auch in Europa wird mit Bots gearbeitet. „Botswatch“ stellte fest, dass bei der jüngsten Wahl in Schleswig-Holstein um 18.35 Uhr 722 Social-Bots zur Wahl gepostet hatten. 16,85 Prozent aller Tweets mit dem Hashtag stammten von Robotern.


Es war einmal eine spanische Frau, die 28 Jahre lang vorgetäuscht hat, blind zu sein. Was für eine Story! Viele schrieben ab, Ö24 etwa: „Gegenüber dem spanischen Nachrichtenportal ,Hay Noticia‘ rechtfertigte sich Jimenez folgendermaßen: ‚Ich wollte einfach keine Menschen mehr sehen und stehen bleiben, um sie zu grüßen. Ich war nie sehr sozial.‘“ Mimikama machte sich schlau, und voilà: Hay Noticia ist eine Satireseite. Fake News sind verlockend.

Kann man die Verbreitung von Fake News steuern?

Im Onlinezeitalter ist es deutlich leichter geworden, Fake News zu verbreiten. Vor allem die sozialen Medien wie Facebook oder Twitter werden dazu genutzt. Je mehr Klicks eine Nachricht hat, desto stärker wird ihre Relevanz bewertet, was zum Beispiel auf Facebook mit noch mehr Reichweite belohnt wird. Dies kann mit Fake
Profilen beeinflusst werden, die käuflich und automatisch steuerbar sind.


Darum geht es vielen Portalen: Klicks, Klicks, Klicks. Welchering erläutert: „Falschmeldungen skandalisieren, emotionalisieren und wir möchten wissen, wie es weitergeht.“ Je nach Aktualität ändern sich Inhalt und Verbreitung. In Zeiten fehlender politischer Dispute erfreuen sich Kettenbriefe guter Konjunktur. 2015 wurde der Ton rauer, viele Falschmeldungen mit Flüchtlingen machten die Runde. Mittlerweile stehe der Islam im Vordergrund, sagt Wolf. Eine Taktik: Jahrealte Meldungen werden ohne Datum erneut gepostet.


Fake News: alte Phänomene unter neuen Vorzeichen. Auch die Gesellschaft muss sich anpassen. Einerseits die Medien, wie Welchering fordert: „Journalisten müssen auch auf Twitter und Facebook die Quelle hinterfragen.“ Und Wolf nimmt die Schulen in die Pflicht: „Dort muss Medienkompetenz gelehrt werden: Wie kann ich Quellen überprüfen? Welche sind zuverlässig?“


Whatsapp für Kettenbriefe, Facebook für Flugblätter, Blogs für Desinformation. Falschnachrichten hat es unter Herodot gegeben, im Römischen Reich, im Mittelalter. Edgar Allan Poe, Zion, Verschwörungen, Massenvernichtungswaffen, um in den Irakkrieg einzumarschieren. Die Austria Presse Agentur (APA) entstand nach einer Falschmeldung über die Schlacht von Magenta im Juni 1859. Mimikama wurde vor sieben Jahren geboren, als der Gründer auf eine Abofalle bei „Farmville“ reinfiel. Fake News gab es, gibt es, und wenn sie nicht gestorben sind, dann fälschen sie auch morgen.

#Respekt

#Respekt ist ein Gemeinschaftsprojekt der Kleinen
Zeitung mit den Bundesländerzeitungen Oberösterreichische Nachrichten, Salzburger Nachrichten, Tiroler Tageszeitung,
Vorarlberger Nachrichten und Presse. Die Serie thematisiert den eskalierenden Umgangston im Netz und skizziert Strategien zur Verbesserung.

Kommentare (54)

Kommentieren
Church-Hill
2
1
Lesenswert?

Den Satz "Das interessiert mich einen Sch..., was sich gehört..."

habe ich in den sechziger und siebziger Jahren sehr oft gehört, und zwar von Leuten, die heute zum Teil in einflussreichen Positionen sitzen und nun ihrerseits den Anderen ihre Meinung aufzwingen wollen. - Im Grunde ist das öde.

Antworten
neverthesame
0
1
Lesenswert?

werden sie doch konkret!

Wen genau meinen sie denn da, der vor gut 47 Jahren pubertierte und heute was zu sagen hat?
bzw. : wenn sie pubertäre Opposition (mehr kann das vor fast 50 jahren nicht gewesen sein) als politisch relevant einstufen, darf man ihre politische Urteilskraft getrost als infantil einschätzen.

Antworten
hermannsteinacher
5
2
Lesenswert?

Fake News

Wie stupide die KLEINE ZEITUNG heute gegen die wertvollen Nahrungsmittel Butter und Palmöl hetzt, geht auf keine Kuhhaut!

Antworten
alfons3
5
3
Lesenswert?

Fake News

Wen wundert es, dass derartige, mitunter abartige Neuigkeiten in den Medien auftauchen? Die sogenannten Journalisten saugen sich, wenn sie keine relevanten Neuigkeiten parat haben, irgendwas aus den Fingern, garnieren den Blödsinn mit nicht beweisbaren Aussagen irgendwelcher Experten und verkaufen den ganzen Schrott als unumstößliche Wahrheit. Es gibt unzählige Beweise, dass es meist die Printmedien sind die als Initiatoren derartiger Lügengeschichten gelten können. Mal mehr, mal weniger, aber immer doch. Ich Leser täglich 3 namhafte Tageszeitungen und nur selten kommen mir Artikel unter, die dasselbe schreiben und auch meinen.
Uns Abonnenten geht es wie allen Österreichern bei den politischen Parteien- wir werden belogen und betrogen dass sich die Balken biegen, aber dagegen tun können wir so gut wie nichts. Bei den Zeitungen können wir höchstens noch das Abo kündigen.

Antworten
Marcuskleine
3
6
Lesenswert?

Ich würde schätzen

... dass der weitaus größere Anteil an Falschmeldungen aus dem Internet kommt und sich dann, z.B. über Facebook, verbreitet; M.E.n. ist nur ein kleiner Teil der Falschmeldungen durch die Redaktion einer Zeitung verursacht worden oder durchgerutscht.
Die angeblichen "Besitzer der Wahrheit", also z.B. die segensbringende FPÖ, hat in ihrem Netzauftritt (z.B. Facebook) mit großer Regelmäßigkeit Falschmeldungen lanciert oder aufgegriffen. Jene Leute sind es, die dann aber oft Zeter und Mordio gegen die vermeintliche "Lügenpresse" rufen!

Antworten
prince0357
5
6
Lesenswert?

Hass?!

"Hate" wird leider aus dem Englischen unrefklektiert im Deutschen mit Hass übersetzt, obschon allein Übersetzungsmaschinen im Internet mehrere Möglichkeiten aufzeigen, wie dies der folgende Link zeigt
http://dict.leo.org/german-english/hate:
Hass, Hetze, Drohung, etc bzw.
Verben:
auf den Tod nicht ausstehen können,
spinnefeind sein,
wie die Pest hassen,
nicht riechen können .....

Außerdem ist insbesondere die angloamerikanische Rechtskultur Grund und Ursache für die "Pervertierung" bzw. Vergewaltigung der Sprache, da die angloamerikanische Rechtssprechung auf dem "Case Law" basiert und nicht wie die europäische Gesetzgebung, welche aus dem paraphierten römischen Recht kommt.

Dies sollte bedacht werden, wenn Kampagnen wie diese hier lanciert werden.

Antworten
hermannsteinacher
1
6
Lesenswert?

Das Problem ist schon in Lukas 14,26 - zumindest was die Übersetzung aus dem Griechischen betrifft - bekannt:

"Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und die Mutter und die Kinder und die Brüder und die Schwestern, dazuauch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein."
Heute versucht man "miseo, misein" (misos=Hass), also "hassen" (Vulgata lat. "odi, odisse") anders zu übersetzen. Ob es damit richtiger wird, ist die große Frage

Antworten
hermannsteinacher
1
5
Lesenswert?

"misein"

hassen,
mit Hass verfolgen,
verabscheuen,
nicht wollen

"odi"
hassen,
verschmähen

Antworten
prince0357
3
1
Lesenswert?

Misein

Verabscheuen, verschmähen, nicht wollen oder nicht mögen...
Arsch im Deutschen ein Schimpfwort im Englischen bezeichnet Ars den Hintern.

Antworten
hermannsteinacher
3
2
Lesenswert?

Englisch

arse = Arsch

Antworten
hermannsteinacher
2
4
Lesenswert?

Ars

bedeutet im Lateinischen:

Geschick, Geschicklichkeit, Fertigkeit;
erworbenes Können, Handwerk, Gewerbe;
Kunst, Wissenschaft, wissenschaftliches System,;
Methode, Theorie, Lehrbuch; Kunstwerk; Kunstwert; Göttin der Kunst;
Eigenschaft, Verhalten, Art;
Künstelei, Künstlichkeit, künstliches Wesen;
Im Plural auch:
Mittel, Wege, Art und Weise; Listen, Kunstgriffe.

Antworten
ChihuahuaWelpe55
2
6
Lesenswert?

Eine Verpflichtung der Medien

Diese Kampagne ist, so scheint es mir, nicht alleine nur in der Kleinen Zeitung zu finden, sondern stellte, wie ich erst kürzlich festgestellt habe, auch ein Themenschwerpunkt in einer Abendwissenssendung in einem namhaften deutschen Medienunternehmen dar. Eine Absprache zwischen dem Unternehmen und der Kleinen Zeitung bezweifle ich jedoch. Soviel dazu.

Das Problem der fehlgeleiteten Information oder sogenannten Lügen in Medien sind aus meiner Sicht leider jedoch Hausgemacht und sind in der Geschichte sehr gut unter dem Namen "Propaganda" bekannt. Diese sind einseitige Informationen, welche lediglich den Sinn und Zweck verfolgen, andere Staaten oder eine ganze Volksgruppe in ein falsches Licht zu rücken oder sogar noch die eigene Volksmeinung zu lenken und das Volk zu verbinden. Bemerkenswert ist jedoch, dass dieses Werkzeug auch heute noch angewandt wird, wo die Menschen glaubten, sie seien von Lügen verschont geblieben. Am drastischsten ist dieses Phänomen der Lügen in den Medien zwischen dem Westenmächten (allen voran die USA und Europa) und den Ostenmächten (Russland, frühere UDSSR Staaten) besonders heute erkennbar. Wer im russischen Staatsfernsehen in den Nachrichten die Nachrichten aus dem Westen vergleicht, wird sich sprichwörtlich "auf den Schädel" greifen, wie kindlich sich BEIDE Seiten verhalten.

Weshalb nun die Menschen von den Medien weg treibt ist und bleibt der verantwortungslose Umgang mit den Meinungen der Menschen.

Antworten
ChihuahuaWelpe55
2
4
Lesenswert?

2/2

Als Mensch, dem Diversifikation bereits in der Werbung eingebläut wird, kann nun fast nicht anders, als sich kritisch mit den Nachrichten zu befassen. Das sich nun kritische Stimmen durch Lügen weiter hervor tun, und vor allem die Anonymität des Netzes sie schützen, ist natürlich schlecht. Das jedoch alle Quellen durch solche Infokampagnen wie hier, als Lügen abgestempelt werden, finde ich, ist der Kleinen Zeitung nicht würdig. Solche Artikel, wie sie auch verlinkt sind, welche die Lügen mit Fakten wiederlegen, sollte in Zukunft die Hauptaufgabe der Medien werden!

Was ich mir daher von den modernen Medien wünsche ist, dass sie sich mit dem Grund der Lügen und dem Hintergrund der Person und ihre Ziele befassen und diese wiederlegen. Das daraus wieder kritische Berichte und versuchte Wiederlegungen der kritisierten Personen gegenüber den Medien entstehen, sollten wiederum ernst genommen werden und wiederum versucht werden zu widerlegt, bis sich daraus die Wahrheit ergibt!

Antworten
paulrandig
9
9
Lesenswert?

Digitales Vermummungsverbot

Hat schon einmal jemand darüber nachgedacht, dass es eigentlich ironisch ist, wenn z.B. digital ganzkörpervermummte Poster gegen Burkas hetzen?
Warum kann man nicht im Netz genauso wie im öffentlichen Leben ein Vermummungsverbot in bestimmten Bereichen erlassen?
Vielleicht muss das nicht einmal der Gesetzgeber tun. Es könnte genügen, wenn Qualitätsmedien ihre Foren nur mehr Usern mit Klarnamen öffnen. Vielleicht regelt sich dadurch das Niveau von selbst? Ich kann mir sogar vorstellen, dass zwar etliche User verschwinden werden, dass aber andere, die bis dahin angewidert geschwiegen haben, beginnen mitzudiskutieren, wenn einmal eine gewisse Diskussionskultur herrscht.

Antworten
Planck
1
8
Lesenswert?

Irrtum.

Die Vermummten sind natürlich bekannt.
Stellen Sie sich's vor wie Telefonnummern. Die Technik muss wissen, wen sie mit wem verbindet, sogar bei den Viertelanschlüssen, die Telekom hab sie selig ;-)
Klarnamen sind aus vielen Gründen ein Risiko.
Da draußen sind viele Irre unterwegs, glauben Sie es oder lassen Sie es. Leute, die Ihnen niemals auffallen, aber mitlesen und Ihnen möglicherweise Reifen zerstechen, aus welchen Gründen auch immer.
Ein Name ist so gut wie jeder andere, die Telefonnummer (IP-Adresse) ist sowieso eindeutig.
Deswegen denke ich, es wäre gescheit, alle verbalen Übergriffe stehen zu lassen (i. e. NICHT zu löschen), um der Justiz Gelegenheit zu geben, den Dingen gegebenenfalls auf den Grund zu gehen.
Und gleichzeitig der "vierten Macht" die Möglichkeit zu eröffnen, zu kontrollieren, ob das auch geschieht.
Das erfordert allerdings noch viel mehr Aufmerksamkeit innerhalb der Medien; die haben ja schon Schwierigkeiten, die Rechtschreibfehler ihrer medienkundlichen Lehrlinge abzufangen, wie sollen die Verantwortung übernehmen, die noch viel weiter reicht, zumal ich nicht sehe, dass sie das auch wollen.

Antworten
paulrandig
2
2
Lesenswert?

Planck

Ja, die IP KANN eindeutig sein. Für den Moment des Postens.
Die Übergriffe stehen zu lassen ist genau das Problem, das im Artikel über Trolle angesprochen wird: Es vergiftet und vermüllt das Forum. Dadurch können Destruktoren Diskussionen abwürgen. Und um bei den gesellschaftlichen Analogien zu bleiben: Es ist etwa so, als hätte mich jemand beleidigt und anstatt das regeln zu können renne ich in alle Ewigkeit mit der Beleidigung herum, die in leuchtenden Buchstaben über meinem Hirn steht.
Ihr Szenario mit dem Reifenzerstechen ist extrem. Das könnte mir auch passieren, wenn ich auf einer Bühne ein Lied singe, irgendwo einen Vortrag halte oder meinetwegen im Fernsehen auftrete. Alles schon gemacht - nix passiert.
Ich stehe zu dem, was ich sage, wer ich bin und bemühe mich meine Meinungen so zu formulieren, dass sie anregen, aber nicht provozieren.
Deppen gibt's immer und überall. Ich habe einfach die Erfahrung gemacht, dass offen zur Schau gestellte Verletzbarkeit kaum zu mehr Aggression führt - im Gegenteil. Ich signalisiere damit wohl auch, dass ich es mir leisten kann verletzbar zu sein, weil ich mich notfalls gut zu verteidigen weiß.

Antworten
Planck
1
3
Lesenswert?

Naja.

Es gibt ja mittlerweile schon ausgeklügeltere Forensysteme, in denen man Benutzer ignorieren kann, sodass deren Beiträge nicht mehr angezeigt werden. Stehen lassen müsste man sie, um den Beweis einer Straftat erbringen zu können, was wichtig wäre, weil nach meiner Erfahrung Menschen (jedenfalls die, die sowieso zu Übergriffen neigen) etwas NICHT nicht tun, weil sie moralisch davon überzeugt sind, dass man es nicht tut, sondern ausschließlich aus Angst vor Strafe.
Und was die Namen betrifft: Es hindert Sie ja eh niemand, Ihren Namen zu plakatieren, aus welchen Gründen auch immer Sie das tun wollen. Aber jemanden dazu zwingen zu wollen, hielte ich für abwegig.
Das Profil hat's übrigens versucht. Was schätzen Sie, wieviele durchnummerierte Peter Michael Lingens die da plötzlich hatten? *g

Antworten
paulrandig
0
2
Lesenswert?

Plank

Wenn der Forenbetreiber ohnehin mitloggt (ID etc.), ist das Paket Datum-Zeit-ID-Username-Text als ganzes gesichert. Da muss es nicht ewig in der Öffentlichkeit stehen. Screenshots helfen auch noch um es zu beweisen (und ja - mir ist die Möglichkeit der Manipulation bewusst, aber auch die Möglichkeiten eine solche aufzudecken).
Das mit dem verpflichtenden Klarnamen ließe sich diskutieren.
Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, dass User mit geprüftem(!) Klarnamen Zugang zu sensibleren Foren bekommen könnten, wo es jetzt kein Forum gibt. Oder/und dass sie in allgemeinen Foren als "Geprüfte Identität" gekennzeichnet werden können und dadurch einen seriöseren Status erlangen.

Antworten
Planck
1
1
Lesenswert?

Ja, schon klar.
Aber in dem Fall müsste der Forenbetreiber von sich aus tätig werden und seine Verantwortung insoweit ausdehnen, dass er eben nicht nur löscht, sondern Posts gegebenenfalls der Strafverfolgung zur Verfügung stellt, respektive selbst anzeigt.
Dafür braucht man aber qualifiziertes Moderatorenpersonal.
Ich sehe beim besten Willen nicht, wo man das herkriegt, zumal gute Leute Geld auch noch kosten ;-)
Wenn Sie gern zertifizierter Benutzer wären, bitte sehr. Ich möchte das bitte nicht sein müssen *g

Antworten
robauer
10
9
Lesenswert?

Wenn die Kleine Zeitung

diese Initiative ernst nimmt, sollte sie als erstes alle ihre Online-Foren liquidieren und schließen. Wird doch nur Stumpfsinn verzapft und Hass geschürt.

Antworten
paulrandig
3
9
Lesenswert?

robauer

Genau. Wenn uns etwas nicht gefällt - Weg Damit!

Sprung in der Plastikhülle? - Wegschmeißen!
Erster Streit mit der neuen Freundin? - Andere suchen!
Probleme mit Flüchtlingen? - Alle abschieben!
Mangelnde Netiquette? - Foren schließen!

Haben wir schon völlig verlernt Probleme in die Hand zu nehmen und zu versuchen etwas zu reparieren, was nicht befriedigend funktioniert?
Sitzen wir nur mehr bequem herum und verteilen Daumen rauf/runter?
Ist die einzige Funktion auf Unbequemes zu reagieren mittlerweile nur mehr "VERBIETEN!" zu schreien?
Haben wir völlig vergessen, was mit "These+Antithese=Synthese" gemeint ist?

Antworten
hermannsteinacher
1
2
Lesenswert?

Hegelianer?

Oder gar "dialektischer Materialist"?

Antworten
ChihuahuaWelpe55
12
1
Lesenswert?

Ad Halbwahrheiten hinsichtlich Islam und Asylpolitik

ganz ehrlich: wenn ein HC Strache gegen den Islam und die Asylpolitk hetzt, kann und würde ich ihn nie und nimmer meine Beachtung schenken, weil ich ihn als "Hetzer" abstempeln würde. Wenn jedoch Islamexperte (also solch ein Mensch aus den eigenen Reihen) in S.T.A.N.D.A.R.D Interviews meinen, der Islam gehöre nicht zu Europa und kritisiert die Asylpolitik scharf, dann glaube ich ihnen das sogar.

Fie Frage, ob das nun Islamophobie oder Ängste schüren ist, würde ich dann nicht stellen, sondern konkret in den entsprechenden Artikeln nachlesen und hinterfragen.

Wir Christen sind zu Recht aber tolerant und verzeihen jede Sünde, weil es uns von Gott aufgetragen wurde.

Antworten
paulrandig
1
8
Lesenswert?

ChihuahuaWelpe55

Also, der letzte Satz ist wohl ein wenig diskussionswürdig.
Erstens haben wir Christen, der Islam und das Judentum denselben Gott.
Zweitens trägt uns unser Gott die selben Gräueltaten auf wie er sie den anderen aufträgt. Bitte das Alte Testament lesen!
Die Idee zur Deeskalation durch Verzeihung hatte erst vor etwa 2.000 Jahren ein Zimmermannssohn aus Palästina, und den haben sie an einen Baum genagelt.
Zu guter Letzt: "zu Recht" tolerant? Welches Recht meinen Sie damit, und worauf fußt es?

Antworten
hermannsteinacher
0
2
Lesenswert?

Unsinn, denn Juden und Muslime haben nur e i n e n Gott ...

und keine Heilige Dreifaltigkeit in drei Göttlichen Personen.

Antworten
ChihuahuaWelpe55
4
0
Lesenswert?

Danke dass sie eine Diskussion entfachen

tatsächlich fusst das neue Testament auf das Alte. Jedoch ist es aus meiner Sicht mit dem Kapitel von der Geburt Jesus abgeschlossen. Jesus als der Messias verkörpert die Vergebung. Wenn wir also die 4 Evangelien als solche war nehmen und auch befolgen, dann wäre uns vergeben. Das Kapitel um die 10 Gebote mit der Heiligung des Sabbats, also des tatsächlichen Samstag, den unsere Gesellschaft als den Konsum-Samstag erkoren hat, ist für mich nach wie vor ein innerliches Konfliktthema.

Btw der Zimmermannssohn ist nicht aus Palestina sondern aus Galliläa, welches im heutigen Israel liegt.

Gut, wir sind sollten uns an das Gebot der Liebe halten, ein Recht ergibt sich daraus freilich nicht.

Antworten
 
Kommentare 1-26 von 54

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.