Unser FaktencheckDarknet-Mörder: Das steckt hinter dem Horror-Tatort

Im vergangenen Jahr hat der Tatort immer wieder das Internet thematisiert, meist stark übertrieben. Doch Autoren des Kieler Tatorts blieben (fast) am Boden der Realität.

Der Kieler Tatort geht Hackern auf die Spur © ORF
 

Ein im Darknet bestellter Mörder und ein Staatsanwalt, der durch eine Kryptowährung korrumpiert wird. Bei Tatort-Autoren ist es gerade im Trend, das Internet in seinen verschiedenen Facetten zu thematisieren. Die bisherigen Versuche glichen allerdings eher Science-Fiction-Romanen aus den 1980ern und hatten mit der Realität wenig zu tun.

David Wnendt und Thomas Wendrich, die Macher des Kieler Tatorts von Sonntagabend, ließen allerdings nicht zu, dass die Fantasie mit ihnen durchgeht. Sie haben recherchiert und bilden die Realität gut ab. Doch auch sie konnten der Versuchung nicht ganz widerstehen und griffen zu einem Zitat aus dem Science-Fiction-Klassiker "2001 Odyssee im Weltraum". Ein Überblick:

Darknet

Der Leiter der LKA-Abteilung Cybercrime wird von einem Täter in Wolfsmaske hingerichtet und die Kommissare Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) treffen den Rest der Abteilung: Zwei archetypische Nerds, die - ein weiteres Klischee - auch noch Chauvinisten sind und der IT-Spezialistin Brand nichts zutrauen. Schnell wird klar, dass der Killer im sogenannten Darknet bestellt wurde.

Und bei der Erklärung des Begriffes Darknet wird Borowski zur Comic-Figur. Inspiriert von Second-Life fliegen die Nerds und Borowski über einen Eisberg und erklären den Aufbau der vernetzten Welt sehr gut: Das bekannte Internet, das darunterliegende Deep-Web voller Datenbanken, die das Internet erst möglich machen und das Darknet, jene Ecke, in der man anonym nahezu alles bekommen kann, auch einen Berufskiller. Der Türöffner ist das Tor-Netzwerk

Tor

Das Tor-Netzwerk ist ein sogenanntes Peer-2-Peer-Netzwerk. Bevor ein Kontakt zu einem Internetserver geöffnet wird, stellt der sogenannten Tor-Browser Verbindungen zu anderen Rechnern her, auf denen die Tor-Software läuft. Die Übertragung läuft verschlüsselt über diese Rechner und kann von Behörden nicht nachverfolgt werden. Das behaupten zumindest die Benutzer der Software.

Es gibt aber ein Problem mit Tor: Das Netzwerk wurde von der US-Armee, konkret von der Navy, entwickelt. Die Weiterentwicklung wird zu 60 Prozent von der US-Regierung bezahlt. Echte Profis verlassen sich daher nicht alleine auf Tor, sondern schalten auch noch ein VPN (Virtual Private Network) davor, eine weitere Methode d die Identität zu verschleiern. Dadurch wird das Netz leider wirklich langsam.

Bitcoin

Hinter dem Attentat steckt der Staatsanwalt, denn der Leiter der LKA-Abteilung Cybercrime hat etwas entdeckt: In einem unbeobachteten Moment hat der Staatsanwalt einen Zettel mit einer Adresse einer Bitcoin-Wallet aus dem Jahr 2013 mitgehen lassen. Solche Wallets sind nichts anderes als eine Brieftasche für Kryptowährungen und Bitcoin ist das populärste Cyber-Geld. Das Motiv des Staatsanwalts ist ganz klar: Gier. Denn seit 2013 hat sich der Wert der Bitcoins verzehnfacht. Brand nimmt den Zettel mit der Adresse an sich, schläft aber im Auto von Borowski ein, nachdem sie den Staatsanwalt mit einer Bärenfalle getötet hat. Borowski versteht nichts von Bitcoin, nimmt den Zettel, wickelt seinen Kaugummi hinein und wirft ihn aus dem Fenster.

Es stimmt: Bitcoin ist die Währung im Darknet. Doch in einem haben die Autoren unrecht: Sie beschreiben Bitcoin als eine Währung, mit der man anonym einkaufen kann. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Denn das besondere an Kryptowährungen ist die sogenannte Blockchain. Sie ist transparent und kann von jedem eingesehen werden. In der Blockchain ist jede einzelne Transaktion seit Entstehung dieser Bitcoin in Form eines Codes gespeichert. Wer diesen Code speichert, kann ganz bequem den weiteren Weg der Bitcoin verfolgen. Das wissen inzwischen auch die Behörden.

Der Drucker-Code

Ein ausgedrucktes Bild führt die Ermittler zum bestellten Killer. Denn der Drucker hat einen geheimen Code hinterlassen. Wer hier an Fantasie denkt, ist im Irrtum. Jeder Drucker hinterlässt eine Signatur, ebenso wie viele Kameras. Fotografen versehen ihre Bilder mit unsichtbaren Wasserzeichen, um nicht honorierte Veröffentlichungen im Internet ausfindig zu machen.

Sabine

Auch das Internet-of-Things wird im Kieler Tatort thematisiert. Doch hier halten es die Autoren nicht so genau mit dem Stand der Technik. Es geht ihnen eher darum, die Technologie auf die Schaufel zu nehmen.

Wie Apples Siri kann das neue Smartphone von Borowski mittels Sprache gesteuert werden. Er nennt den digitalen Assistenten "Sabine". Sie ist ganz schön schlagfertig und hat einen Hang zur Ironie. Soweit sind die heutigen digitalen Assistenten von Apple, Google oder Amazon aber noch lange nicht. Genervt von Sabine, will sich Borowski von seinem Smartphone trennen. Bevor es aus dem Fenster fliegt, wiederholt Sabine den berühmten Dialog zwischen "Hal" und "Dave" aus dem Film "2001: Odyssee im Weltraum".

Sibel Kekilli geht

Bevor der Staatsanwaltschaft von ihr getötet wird, bietet er Sarah Brandt noch die Leitung der LKA-Abteilung Cybercrime an. Borowski nimmt ihre Arbeit inzwischen als selbstverständlich an, es kommt kein Wort des Lobs. Nur der LKA-Leiter gratuliert Brandt am Ende zu ihrer Arbeit, obwohl er sie zu Beginn der Episode noch zum Kaffeeholen schicken wollte.

Die Autoren bereiten hier bereits den Ausstieg von Sibel Kekilli vor. Im Mai wird mit "Borowski und das Fest des Nordens" der letzte Tatort mit der deutsch-türkischen Schauspielerin ausgestrahlt. Seit 2010 war sie dann in 14 Folgen zu sehen. Kekilli will sich künftig auf andere Projekte konzentrieren.

Kommentare (2)

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trespe
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"Unbedingt ansehen!"

Ich bin dieser Empfehlung der Kleinen gefolgt. Nie wieder! Der Krimi war keine Satire, sondern ein großer Schmarrn. Die Handlung mag flott gewesen sein und die Bilder gut, aber es war auch schwer verständliche Fantasy. Fern jeder Realität: Im TV-Krimi kriechen Ermittler ohne Körper- und Atemschutz zur Quelle der Maden! Das sollte wohl nur unglaublich grausig wirken ...

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joe1406
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Richtig - starker Krimi

Aber heftiger Fehler im Artikel: Bitcoin ist keineswegs nur eine Währung im Darknet. Im Gegenteil - große Finanzinstutiute, Kredikartenfirmen usw. setzen ganz massiv in der Zukunft auf diesen "Bezahlvorgang". Nicht so sehr wegen Bitcoin an sich, sondern wegen der Technik die dahinter steht und wodurch man weiteres Personal "einsparen" kann. Die Weiterentwicklung von Bitcoin ist Ethereum. Ether bietet technisch noch weitere Möglichkeiten - man kann z,B. komplette Verträge, Geschäftsbedingungen usw. in der blockchain abbilden. Richtig - sowohl bei Bitcoin als auch bei Ether verläuft alles transparent und für jeden nachvollziehbar. Die Personen hinter der Transaktion kann man aber nicht "ausfindig" machen. Es wird erst offiziell wenn Bitcoin oder Ether auf das normale Bankkonto eingewechselt werden. Der Kurs von Ether ist übrigens in den letzten Wochen um über 200% gestiegen. ABER: technisch wirklich ausgereift ist das alles noch nicht - im Vorjahr sind Millionen Ether einfach "verschwunden".

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