Salzburger Festspiele"Lulu": Raubtier und kleines Mädchen zugleich

Es könnte der Theater-Höhepunkt der Salzburger Festspiele werden. Die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari inszeniert Frank Wedekinds "Lulu". Erstmals spricht sie über ihre Intententionen.

Inszeniert "Lulu": Athina Rachel Tsangari © KK
 

Lulu nur als Femme fatale darzustellen ist Athina Rachel Tsangari zu altmodisch und zu oberflächlich: "Ich empfinde, dass sie sowohl ein Raubtier ist als auch ein kleines Mädchen, das unbedingt von jemandem geliebt werden will", sagt die Regisseurin.  Die Premiere des Wedekind-Stücks findet am 17. August auf der Perner-Insel statt.

"Wir möchten noch tiefergehen! Wir haben drei Lulus auf der Bühne." Wie das Trio Anna Drexler, Isolda Dychauk und Ariane Labed ihre Idee konkret umsetzen wird, will die griechische Filmregisseurin, die mit ihrem bisher letzten Film "Chevalier" 2015 beim Filmfestival Locarno und der Viennale und 2016 auch in den österreichischen Kino präsent war, nicht im Detail verraten. "So wie ein GPS drei Punkte benötigt, um einen Ort zu bestimmen, erstellen die drei Lulus eine Vermessung jener Männer, die sie aufspießt, zerlegt, wiederbelebt und verwandelt", schildert Tsangari in einem von den Festspielen veröffentlichten Text den konzeptiven Ansatz für ihr Theaterdebüt. "Lulu ist Begehren, Horror, Gier, Sittenlosigkeit, Verletzbarkeit, Widerstandskraft, Freiheit, Zerstörung. Sie ist alles und nichts."

Wuttke musste absagen

Die Proben zu Wedekinds "Monstretragödie" laufen seit zweieinhalb Wochen - für die Regisseurin "eine fantastische und zugleich nervenaufreibende Erfahrung". Erst gestern habe sie das gesamte Ensemble zur Verfügung gehabt, außerdem musste Martin Wuttke die Rolle als Dr. Schöning aus gesundheitlichen Gründen niederlegen und wurde durch Steven Scharf ersetzt. Sie habe bereits das Gefühl, wenig Zeit zu haben mit dem Ensemble, in den Kern des Stückes vorzudringen, erzählt die seit ihrem 18. Lebensjahr in den USA lebende Regisseurin.  heute im Gespräch mit Schauspielchefin Bettina Hering.

Der Text sei eine echte Herausforderung, sperrig und schwierig: "Es ist ein geheimnisvolles Stück. Ich denke, Wedekind selbst wollte aber von den Figuren gar nicht mehr preisgeben." Das Geheimnisumwitterte wolle sie in ihrer Inszenierung auch bewahren. "Alle Figuren tragen etwas Manisch-Depressives oder Bipolares in sich. Es geht um Begierde - aber keine der Figuren hat eine andere Begierde oder einen anderen tiefen Wunsch als den nach dem Tod und nach Selbstzerstörung. Das betrifft nicht nur Lulu, sondern auch ihre Männer."

Athina Rachel Tsangari ist nicht die einzige Filmregisseurin, die heuer bei den Salzburger Festspielen inszeniert. Die Iranerin Shirin Neshat gibt mit Verdis "Aida" ihr Operndebüt. Gemeinsam halten Neshat und Tsangari am 6. August eine von vier "Schauspiel-Recherchen" im Stefan Zweig Centre ab und sprechen mit Filmmuseumsleiter Alexander Horwath über Unterschiede zwischen Film- und Bühnenkunst.

(Frank Wedekind "Lulu. Eine Monstretragödie", Regie: Athina Rachel Tsangari. Salzburger Festspiele, Perner-Insel, Hallein, Premiere: 17. August, 19.30 Uhr, Weitere Aufführungen: 19., 20., 22., 24., 25., 27. und 28. August. Karten unter 0662/8045500,

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