Helnwein in BleiburgMalen gegen das bleierne Schweigen

Mit seinen irritierenden Bildern rührte er einst an Tabus der Nachkriegsgesellschaft. Im Bleiburger Werner-Berg-Museum fand Gottfried Helnwein ein kongeniales Vis-à-vis.

Gottfried Helnwein KIND - Werner Berg Museum Bleiburg Mai 2017
Gottfried Helnwein (68) vor seiner „Anbetung der Könige“ aus dem Jahr 2005 © (c) Markus Traussnig
 

Weil seine Bilder nicht dem „gesunden Volksempfinden“ entsprachen, wurde eine Kölner Ausstellung von Werner Berg 1935 polizeilich geschlossen. Nicht viel besser erging es Jahrzehnte später Gottfried Helnwein, dessen hyperrealistische Darstellung von Schmerz und Gewalt etliche Zeitgenossen „schockierte“. Die Folge waren Ausstellungsboykotts, Beschlagnahmungen sowie die Verhinderung von Helnweins Berufung an die Wiener Kunstakademie, wo ihn sein Lehrer Rudolf Hausner gerne als Nachfolger gesehen hätte.

Video-Interview: Gottfried Helnwein eröffnet Ausstellung in Bleiburg

Den Wahl-Kärntner aus dem Wuppertal und den Wahl-Iren aus Wien verbindet aber nicht nur ein skandalträchtiger Schaffensbeginn, sondern auch die lebenslange Beschäftigung mit dem Thema Kind: für beide Sinnbild für den Ursprung, aber auch für bedrohte Unschuld und Reinheit. In Bleiburg wird dies in zwei parallelen Ausstellungen auf faszinierende Weise deutlich.

Ausstellung: Helnwein in Bleiburg

Gottfried Helnwein schaute höchstpersönlich in Bleiburg vorbei und führte unter großem Medienandrang höchstpersönlich durch die Ausstellung.

(c) Markus Traussnig

Es handelt sich dabei um eine Doppelausstellung Gottfried Helnwein/Werner Berg zum Thema "Kind".

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Mit dabei auch Johann Kresnik. Der Regisseur hat Helnwein nach Bleiburg gebracht. Weil es „der Johann Kresnik geschafft hat, Kind zu bleiben“, funktioniere die Zusammenarbeit zwischen dem Regie-Berserker aus Bleiburg und dem Schock-Maler aus Wien so gut.

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Bei der Führung mit dabei waren auch Werner-Berg-Enkel Harald Scheicher und Arthur Ottowitz, Direktor des Museums

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Helnwein vor einer seiner Arbeiten

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„Auch die Kinder des Werner Berg sind nicht so lieblich, ja oft sehr melancholisch und in sich gekehrt“, verweist Kurator Harald Scheicher auf die zahlreichen Kinderbildnisse seines Großvaters, die er im Dachgeschoß des Werner-Berg-Museums versammelt hat. Eines stammt aus dem Jahr 1935 und zeigt ein kleines Mädchen („Theresa“) auf dem Totenbett. Es trägt noch die primitivistische Handschrift des aufstrebenden Expressionisten, der sich erst unter dem Eindruck nationalsozialistischer Repression mäßigen sollte, etwa beim Doppelporträt „Ursi und Klara“ (1940), das zwei seiner Töchter zeigt.

Auch Gottfried Helnwein macht in den ersten beiden Geschoßen des Museums mit einigen seiner vier Kinder bekannt. Meist tragen sie Uniformen, haben eine Waffe in der Hand und bluten aus klaffenden Wunden – wie die unzähligen Kindersoldaten unserer Zeit. Sie schlagen zugleich eine Brücke zu den düsteren Erfahrungen des „entarteten Künstlers“ Werner Berg und den Schrecken einer Zeit, die allzu lange verharmlost wurden. 1979 hatte der Wiener Psychiater Heinrich Gross in einem „Kurier“-Interview ausgeplaudert, dass er seinen Schützlingen keine Todesspritzen verabreicht habe, sondern „nur“ Gift ins Essen mischen ließ, worauf diese friedlich eingeschlafen seien. Helnwein reagierte mit einem sarkastischen Beitrag im „Profil“ und einem Aquarell, das ein über seinem Essen zusammengebrochenes Kind zeigt. Es ist in der Ausstellung ebenso zu sehen wie andere Meilensteine der helnweinschen Malerei, etwa sein berühmtes Plattencover für die Scorpions, das den vom katholischen Barock geprägten Märtyrer-Künstler mit bandagiertem vor Augen führt.

Helnwein in Bleiburg: Erste Impressionen

Nach der Retrospektive in der Albertina/Wien im Jahre 2013 stellt die Helnwein-Ausstellung im Werner Berg Museum Bleiburg/Pliberk ab 20. Mai die nächste Großausstellung des Künstlers, dessen hyperrealistische Bilder zu den Ikonen der Gegenwartskunst gezählt werden dürfen, in Österreich dar.

(c) Kleine Zeitung Helmuth Weichselb (Weichselbraun Helmuth Weixxx Helmuth Weichselbraun / Kleine Z)

Im Werner Berg Museum treffen die Werke von Helnwein auf die Werke von Werner Berg.

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Die Ausstellung im Museum wird durch eine raumgreifende Installation Gottfried Helnweins am Bleiburger Hauptplatz ergänzt und erweitert – circa 10 Hausfassaden werden zu vom Künstler gestalteten großflächigen Bildträgern.

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Der Bleiburger Hauptplatz wird so zum "Ausstellungsraum".

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Als Gegenwelt zur dumpfen Verdrängung in seiner Heimat bot sich dem bekennenden „Donaldisten“ schon früh die Utopie von Entenhausen an, deren scheinbare Trivialiät er fortan mit NS-Motiven verband: etwa in der Darstellung Hitlers mit einer diabolisch grinsenden Mickey Mouse. Das großformatige Gemälde ist eines von rund 70 privaten Leihgaben der Schau, deren Zustandekommen vor allem dem Bleiburger Regisseur Hans Kresnik (für ihn gestaltete Helnwein etliche Bühnenbilder) zu verdanken ist. Andere der bis zu 200.000 Euro teuren Gemälde paraphrasieren kunstgeschichtliche Größen wie Caravaggio, dessen surreale Lichtregie etwa in der „Anbetung der Könige“, einer Versammlung von SS-Mannen um ihren braunen „Erlöser“, wiederkehrt.

Die mehr als vier Jahrzehnte umfassende Retrospektive, die jüngsten Arbeiten riechen noch ganz frisch nach Farbe, enthält auch albtraumhafte Zeichnungen im Stile Kubins sowie zahlreiche Fotos des Aktionskünstlers, der im opulenten Katalog mit den Worten zitiert wird: „Man muss als Künstler auch bereit sein, in die Unterwelt hinabzusteigen, bereit sein, der Finsternis, dem Abgründigen, dem Tod ins Auge zu blicken.“

Zur Ausstellung

Gottfried Helnwein: „Kind“. Werner Berg: Kinder“. Werner-Berg-Museum Bleiburg; bis 29.10. 2017.
Öffnungszeiten: Di bis So von 10 bis 18 Uhr.
Eintritt: zwischen 3 und 9 Euro.
Eröffnung: Samstag, 20. Mai, 19 Uhr. Der Künstler ist anwesend. Musik: Karlheinz Miklin (sax).
Nähere Infos: www.wernerberg.museum

Für Gottfried Helnwein hat sich das Wagnis gelohnt. Der Wiener Albertina bescherte der 68-Jährige erst unlängst den größten Kassenerfolg, den je ein lebender Künstler in diesem Haus erzielte. 250.000 Besucher könnten es auch in Bleiburg werden, wenn man jene Passanten dazurechnet, die sich bis Ende Oktober von den riesigen Helnwein-Transparenten am Hauptplatz des Südkärntner Städtchens verunsichern und sensibilisieren lassen.

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