Bogdan RoscicPlagiatsverfahren gegen künftigen Staatsopern-Direktor eingestellt

Bogdan Roscic kann aufatmen. Die Universität Wien hat festgestellt, dass in der Dissertation des künftigen Staatsoperndirektors für die Arbeit keine relevanten Plagiate feststellbar sind: Es sei "keine Täuschungsabsicht erkennbar".

Dr. Bogdan Roscic leitet die Staatsoper ab 2020 © APA/Herbet Neubauer
 

Die Universität Wien hat das Plagiatsverfahren gegen den designierten Staatsopern-Chef Bogdan Roscic eingestellt. In seiner Dissertation vorhandene Textgleichheiten mit einer anderen Doktorarbeit seien "weder in quantitativer noch in qualitativer Hinsicht für die Arbeit relevant", hieß es in einer Aussendung der Uni. Roscic kann seinen Doktor-Titel damit behalten.

"Eine Täuschungsabsicht zur Erschleichung eines akademischen Grades ist nicht erkennbar", betont die Hochschule weiters. Im März war eine Plagiatsanzeige eingebracht worden. Vorwurf damals: Roscic habe fünf Seiten in der Einleitung aus der Dissertation eines anderen Autors übernommen und nicht entsprechend gekennzeichnet. Daraufhin leitete die Universität ein Prüfungsverfahren ein und ließ die Dissertation "Gesellschaftstheorie als Kritische Theorie des Subjekts. Zur Gesellschaftstheorie Th. W. Adornos" aus dem Jahr 1988 von externen Gutachtern unter die Lupe nehmen.

Die übernommenen Passagen befinden sich in der Einleitung und nehmen kein wesentliches quantitatives Ausmaß der Dissertation ein.

Aus dem Befund der Universität Wien

Diese mussten einerseits klären, ob in der Dissertation weitere nicht gekennzeichnete Textgleichheiten vorhanden sind, die vorliegenden Textgleichheiten ein quantitativ wesentliches Plagiat darstellen oder das Plagiat im Kern die wissenschaftliche Aussage betrifft. Ausschlaggebend dabei sind die "wissenschaftliche Konvention über den Umgang mit fremden Quellen" der Zeit der Verfassung der Dissertation.

Prüfungsergebnis: Die Gutachter konnten keine weiteren unzulässigen Textgleichheiten feststellen. "Die übernommenen Passagen befinden sich in der Einleitung und nehmen kein wesentliches quantitatives Ausmaß der Dissertation ein", so die Universität. Die vorhandenen Textgleichheiten seien als "werkfremd" qualifiziert worden: Sie stünden nicht im Zusammenhang mit der weiteren Dissertation und würden auch sonst nichts zur Arbeit beitragen. Die Gutachter kamen sogar zur Einschätzung, dass diese Passagen "der Qualität der Arbeit eher schaden als nutzen würden": "Werkfremde Passagen, die für die Erkenntnisse der Arbeit nicht hilfreich, sondern sogar irrelevant und damit entbehrlich sind, können demnach nicht werkprägend sein."

Die Aussendung der Universität im Wortlaut

Im Frühjahr wurde an der Universität Wien eine Plagiatsanzeige gegen Dr. Bogdan Roscic eingebracht, mit Hinweisen auf Textgleichheiten in der Einleitung der Dissertation. Daraufhin leitete die Universität Wien ein Plagiatsprüfungsverfahren ein und ließ die Dissertation aus dem Jahr 1988 von externen Gutachtern prüfen. Im Ergebnis steht nun fest: Die in der Dissertation vorhandenen Textgleichheiten mit einer anderen Dissertation sind weder in quantitativer noch in qualitativer Hinsicht für die Arbeit relevant. Eine Täuschungsabsicht zur Erschleichung eines akademischen Grades ist nicht erkennbar. Das Verfahren wird eingestellt, der akademische Grad nicht aberkannt.

Im März 2017 wurde beim Studienpräses der Universität Wien eine Plagiatsanzeige gegen Bogdan Roscic eingebracht, er habe in seiner Dissertation "Gesellschaftstheorie als Kritische Theorie des Subjekts. Zur Gesellschaftstheorie Th. W. Adornos" aus dem Jahr 1988 fünf Seiten in der Einleitung aus der Dissertation eines anderen Autors übernommen und nicht entsprechend gekennzeichnet. Nach einer ersten Prüfung wurde ein Verfahren zur Klärung, ob ein Plagiat vorliegt und der akademische Grad aberkannt werden muss, eingeleitet.

Als Grundlage für die Entscheidung, ob ein wissenschaftliches Fehlverhalten vorliegt, das zu einer Aberkennung des akademischen Grades führt, dienen Gutachten von ausgewiesenen fachlichen Experten, die aus Vorschlägen der Österreichischen Akademie für wissenschaftliche Integrität ÖAWI ausgewählt wurden. Zentrale Frage für die Gutachter war, ob in der Dissertation weitere nicht gekennzeichnete Textgleichheiten vorhanden sind und ob die bekannten Textgleichheiten ein quantitativ wesentliches Plagiat oder ein solches Plagiat darstellen, das im Kern die wissenschaftliche Aussage betrifft. Ausschlaggebend für die Prüfung der Arbeit, die vor beinahe drei Jahrzehnten verfasst wurde, sind die wissenschaftliche Konvention über den Umgang mit fremden Quellen der späten 1980er Jahre. Die Universität Wien hat die Beurteilung einer wissenschaftlichen Arbeit für nichtig zu erklären, wenn die Beurteilung erschlichen wurde.

Von den Gutachtern konnten keine weiteren unzulässigen Textgleichheiten festgestellt werden. Die übernommenen Passagen befinden sich in der Einleitung und nehmen kein wesentliches quantitatives Ausmaß der Dissertation ein. Die vorhandenen Textgleichheiten wurden von den Gutachtern als "werkfremd" qualifiziert: Sie stehen nicht im Zusammenhang mit der weiteren Dissertation und tragen auch sonst nichts zur Arbeit bei. Die Gutachter kommen zur Einschätzung, dass diese Passagen der Qualität der Arbeit eher schaden als nutzen würden. Werkfremde Passagen, die für die Erkenntnisse der Arbeit nicht hilfreich, sondern sogar irrelevant und damit entbehrlich sind, können demnach nicht werkprägend sein.

Die für die Aberkennung eines akademischen Grades notwendige Täuschungsabsicht war somit nicht erkennbar. Daher entschied die Universität Wien das Verfahren einzustellen und den akademischen Grad nicht abzuerkennen.

In der vorliegenden Konstellation aus nicht hinreichend gekennzeichneten werkfremden Passagen, die für die Dissertation weder quantitativ noch inhaltlich relevante Textteile darstellen, sowie einer nicht erkennbaren Täuschungsabsicht liegt kein wissenschaftliches Fehlverhalten vor, das die Aberkennung des vor knapp 30 Jahren verliehenen Doktortitels von Bogdan Roscic gerechtfertigt hätte.

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