Premierenkritik"Der Zarewitsch" in der Badener Sommerarena

Als zweite Sommerproduktion der Bühne Baden und als erste Regiearbeit des neuen Intendanten Michael Lakner ist am Freitagabend in der Sommerarena "Der Zarewitsch" von Franz Lehar zur Premiere gelangt - für Lakner "der größte musiktheatralische Wurf des Komponisten". So richtig wollte der entsprechende Funkenschlag allerdings nicht gelingen.

 

Das 1927 entstandene Werk stellt eine eher opernhafte Operette mit tragischem Ausgang dar: Der Zarewitsch muss aus Staatsräson seine Liebe zur Tänzerin Sonja opfern. Melodien wie das "Wolgalied", "Warum hat jeder Frühling, ach, nur einen Mai" oder "Einer wird kommen" sind wohl Evergreens, doch brauchen sie für ihre Wirkung viel Emotion, Schmelz und vielleicht auch Schmalz.

All dies ist in Baden nur rudimentär vorhanden. Jevgenij Taruntsov in der Titelrolle plagt sich noch in der Höhe, Maya Boog ist eine kühl lodernde Sonja. Da bringen die aus dem Leiblakaien (Thomas Malik) und seiner eifersüchtigen Mascha (Melanie Schneider) sowie dem italienischen Paar Bordulo (Artur Ortens) und Lina (Gabriele Kridl) sich ergebenden Buffo-Konstellationen mehr dramaturgische Vitalität ein.

Das Orchester der Bühne Baden unter der Leitung von Oliver Ostermann spielt relativ laut und überdeckt damit so manche heikle sängerische Passage. Der Chor macht seine Sache gut. Eher ein düsteres Sowjet-Vestibül denn zaristische Pracht evoziert das ziemlich eintönige Bühnenbild, erst vor dem Finale zeigt sich ein Prospekt aufs offene Meer. Eine Öffnung, die nur von kurzer Dauer ist, denn Abschied und Krönung folgen unausweichlich. Die folkloristischen Choreografien von Michael Kropf lockern den doch fast dreistündigen Abend etwas auf.

Kommentare (1)

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BadnerBub
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Lesenswert?

Leider falsch.

Nun darf jeder Krítiker Geschmackssachen verreißen, wie er mag, aber rein faktisch muss ich korrigieren:
* Bei aller Kritik ist die Höhe das, was bei Jevgenij Taruntsov wirklich sicher sitzt.
* Das "düstere Sowjet-Vestibül" hat als "goldenes Gefängnis" (Original-Text!) seine Berechtigung.
* "Erst vor dem Finale" ist der überwiegende Großteil des dritten Aktes.
* Gut zweieinhalb Stunden (inkl. fast halbstündiger Pause) sind kein "doch fast dreistündiger Abend", sonder knackig kurz.

Dazu mein persönlicher Eindruck:
Emotionen sind in der Inszenierung und bei den Sängern sehr wohl vorhanden; "kühl lodernd" trifft auf Maya Boog gerade nicht zu, eher "leidenschaftlich" (zu einer großartigen gesanglichen Leistung).
Das Orchester spielt fein abgesetzt, "relativ laut" natürlich in den Forte-Stellen – Dynamik halt.
Und Lehárs Musik enthält nicht "wohl Evergreens", sondern tatsächlich.
Schade um den verlorenen Abend – für den Kritiker!

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