styriarte-Konzertkritiken 16/17/18Der Klang hat viele Sprachen

Von Leipzig über Magdeburg bis nach Buenos Aires: Die styriarte bot wunderbare musikalische (Zeit-)Reisen.

Cembalist Stefan Gottfried und sein Concentus Musicus, die auch heute (11. Juli) bei der styriarte musizieren © styriarte/Schöttl
 
BACH PUR
Dass Bach, der übrigens in seiner Jugend Fecht- und Tanzunterricht erhielt, auch eine tänzerische Seite hatte, führte der Concentus Musicus Wien, der nach Harnoncourt und ganz in dessen Sinne von Stefan Gottfried gemeinsam mit Erich Höbarth und Andrea Bischof geleitet wird, nun im Grazer Stephaniensaal vorbildlich vor.
Eröffnet wurde „Bach pur“ mit der Ouverture Nr. 1 in C, die mit wunderbaren Bläsersoli und den von Gottfried angekündigten „schwebenden“ Menuetten beeindruckte. Das Cembalokonzert in d gelang Gottfried empfindsam, virtuos und (dank eines 16-Fuß-Registers im 2,80 Meter langen Instrument) mit der von Bach geforderten „Gravität“. Höbarth berührte im Violinkonzert in a mit Eleganz, Ausdruck und wunderbar lyrischem Ton. Einen Klassikohrwurm wie die „Air“ aus der Ouverture Nr. 3 in D – exzellent interpretiert – live zu hören, war ein ganz spezielles Vergnügen. Eva Schulz

Hörfunk: 4. August, 19.30 Uhr, Ö 1.
Wassermusik. Der Concentus Musicus Wien spielt Händel und Telemann. Lesung: Michael Dangl. Heute, 11. Juli, 20 Uhr, List-Halle, Graz. Tel. (0316) 825 000

Tango Nuevo mit dem Trio um Marcelo Nisinman Foto © styriarte/Kleinburger

TANGO NUEVO
Tango hören im Teil eins, Tango schauen im Teil zwei. Marcelo Nisinman wurde offenbar ins Bandoneon hineingeboren, geht aber heute als Komponist und Arrangeur hörbar eigenwillig mit der „Música Porteña“, dem traditionellen Tango, um. Wer meint, das Genre habe sich ja ohnehin immer weiterentwickelt, fand hier ein lebendiges Beispiel. Der aus Buenos Aires stammende heutige Wahlschweizer begeisterte als Solist. Im Verbund mit dem fabelhaften italienischen Gitarristen Alberto Mesirca und dem überaus engagierten, aus Slowenien stammenden Bassisten Zoran Marković servierte Nisinman aber auch im Trio ein Dutzend nicht immer ganz homogener Hörbeispiele. Jedoch überwog eine vornehmlich im Piano angesiedelte Feinsinnigkeit, die in der großen (und vollen) List-Halle allerdings an die akustischen Grenzen stieß.
Ganz anders dann im herbeigezauberten „Ballroom“ hinter der Bühne, wo das ausgezeichnete KUG-Quartett mit dem seltsamen Namen „Los Capo Altros“ zum Tanz aufspielte. Was freudigen und optisch ansprechenden Zuspruch fand. Walther Neumann

Hörfunk: 14. Juli, 19.30 Uhr, Ö 1.

Musica ad Rhenum mit Michael Dangl Foto © styriarte/Kleinburger

TELEMANN.SOAP
Ein Pasticcio aus Musik und Texten von Georg Philipp Telemann gab in der List-Halle Einblick in das Leben und Schaffen des Barockmeisters. Michael Dangl lieh Telemann seine Stimme und las, eingebettet in die Musik, Auszüge aus dessen Autobiographie. Der Salzburger Schauspieler und Autor berichtete in so manch heiterer Geschichte, wie der junge Magdeburger trotz anderweitiger Pläne doch noch zum Musikus wurde. Mit präsenter Stimme wusste er anschaulich zu erzählen und betonte geschickt die Selbstironie des Komponisten.
„Gib jedem Instrument das, was es leiden kann, so hat der Spieler Lust, du hast Vergnügen dran.“ Wie Telemann für jedes Instrument eine eigene Tonsprache schuf, vermittelte das niederländische Ensemble Musica ad Rhenum in verschiedenen kammermusikalischen Besetzungen gekonnt. Jed Wentz war in der Kommunikation mit seinen aufmerksamen Mitmusikern Job ter Haar (Cello) und Michael Borgstede (Cembalo) zurückhaltend, sein Spiel auf der Traversflöte war makellos. Mit ihrer Violine konnte Cynthia Freivogel der Fantasia XII so manch ungeahnte Emotion entlocken. Katharina Hogrefe

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