Filmfestival TorontoChristoph Waltz über "Downsizing": "Ich wollte klein sein"

Österreichischer spielt serbischen Partyhengst in Alexander Paynes neuer Satire: "Warum kann ein Film nicht relevant und unterhaltsam zugleich sein?"

Christoph Waltz in Toronto
Christoph Waltz in Toronto © Chris Pizzello
 

In der Sozialsatire "Downsizing" von US-Regisseur Alexander Payne (56) lassen sich Menschen schrumpfen, um ein besseres Leben zu führen. Der österreichische Oscar-Preisträger Christoph Waltz (60) mimt darin einen unredlichen Lebemann. "Ich wollte einfach klein sein", scherzte er vor versammelter Presse am Sonntag in Toronto: "Ich finde die Idee, 2.000 Zigarren aus einer zu machen, einladend."

"Wenn sie diese lächerliche Prämisse akzeptieren, ist es wirklich wunderbar", sagte Matt Damon über Paynes ("About Schmidt") siebente Regiearbeit "Downsizing" vor versammelter Presse. Der 46-Jährige spielt darin einen Jedermann, der wie so viele andere Amerikaner versucht, in einer harten Wirtschaft sein Auskommen zu finden. Für ihn und seine Frau (Kristen Wiig) scheinen die materiellen Wünsche des Lebens für immer außer Reichweite zu sein, bis sie erkennen, dass Miniaturisierung nicht nur eine Lösung für die Ressourcenknappheit der Welt ist, sondern auch ein Weg, um reich zu werden. Also lässt sich Matt Damon auf knapp 13 Zentimeter kleinmachen. Der Traum von einer Miniwelt, in der man zum Millionär wird, weil kleine Sachen billiger sind, platzt jedoch schnell.

Christoph Waltz spielt darin einen serbischen Partyhengst, der gemeinsam mit Udo Kier (72) damit sein Geld verdient, illegal aus einer Zigarre aus der "großen" Welt 2.000 kleine zu drehen oder teures Parfüm in Minifläschchen zu verkaufen. Eine Journalistin wollte während der Pressekonferenz von Waltz wissen, ob er bereit wäre, auch einmal andere Rollen außer "Bösewichte" zu spielen, woraufhin der Wiener sichtlich genervt antwortete: "Ich will nicht unhöflich sein, aber der Bösewicht ist ihr Problem, nicht meins."

Weitschweifiges Moralstück

Als ein kanadischer Journalist die gesellschaftskritische Tragikomödie für ihre gelungene Balance zwischen Relevanz und Unterhaltung lobte, konterte Waltz mit einer Gegenfrage: "Warum kann ein Film nicht relevant und unterhaltsam zugleich sein?" Paynes Komödien waren immer auch soziale Porträts, und mit "Downsizing" geht er noch einen Schritt weiter, indem er ein weitschweifiges Moralstück geschaffen hat, das zu globalem Verantwortungsbewusstsein auffordert.

"Filme sind die technologisch fortschrittlichste Art, sich gegenseitig Geschichten zu erzählen", betonte Matt Damon. "Auch mit der Technik jetzt. Der Facebook-Livestream von Philando Castiles letzten Momenten im Auto hat mich für immer verändert, weil ich plötzlich im Auto mit ihm war. Technologie macht uns empathischer trotz dessen, was wir politisch gerade jetzt in meinem Land sehen", so der Darsteller in Anspielung auf den schwarzen US-Bürger Philando Castile, der 2016 von der US-Polizei erschossen wurde. Die Freundin des Getöteten, die mit ihm Auto saß, hatte die Situation nach den Schüssen live in einem Video auf Facebook festgehalten.

Humanistisch und herzlich

Damon würdigte "Downsizing" überdies für sein Einfühlungsvermögen. "Es ist ein sehr humanistischer und herzlicher Film, der für mich sehr optimistisch ist", sagte der Schauspieler. "Als ich das Drehbuch las, musste ich ständig kichern, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass dieser Film von den Studios gemacht werden würde. Er ist so einzigartig und originell und schön. Ich bin so stolz darauf. Es beweist, dass Filme noch nicht tot sind."

"Downsizing" wird von manchen bereits als Oscar-Kandidat gehypt. Einhellig fällt die Stimmung allerdings nicht aus, wenn sich in der Stadt unter Festivalbesuchern und Journalisten umhört. Die einen lieben die Sci-Fi-Sozialsatire für ihr komplexes, ambitioniertes Konzept, die anderen nennen sie einen übervollen, bisweilen langweiligen Mischmasch aus verschiedenen Ideen.

Die Satire, die am 18. Jänner 2018 in den österreichischen Kinos starten soll, steht in Toronto außerdem im Schatten von anderen Filmen wie etwa "Call Me By Your Name", einem Liebesdrama, das von einer leidenschaftlichen Sommeraffäre zwischen einem Teenager (Timothee Chalamet) und einem erwachsenen Mann (Armie Hammer) erzählt. Der diesjährige Gewinner von Venedig, Guillermo del Toros "The Shape of Water", wird noch mit Spannung erwartet. Es bleibt jedenfalls abzuwarten, wer am Sonntag den wichtigsten Preis, den People's Choice Award, mit nach Hause nehmen wird.

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