Im Sommer vor zehn Jahren kam ein von Steven Spielberg produzierter Film in die Kinos, der auf einer erfolgreichen amerikanisch-japanischen Spielzeugreihe basiert: Die "Transformers" (so auch der Titel des Films von 2007) sind außerirdische Roboter, die sich zu jeder Zeit und überall in Furcht einflößende Kampfmaschinen verwandeln können.

Auf die Leinwand gezaubert wurde das laut-bunte und an den Kinokassen sehr erfolgreiche Actionspektakel neben Spielberg von Regisseur Michael Bay. Bay gilt als Actionfilm-Ikone; in seinem Portfolio weiß der gebürtige Kalifornier Blockbuster wie "Armageddon" und "Pearl Harbor". Auch bei den bisher drei folgenden Teilen (2009, 2011 und 2014) saß Bay auf dem Regiestuhl. Nun schickt sich ein fünfter "Transformers" an, weltweit an den Kinokassen zu reüssieren. Ein letztes Mal, so heißt es, unter der Ägide von Michael Bay. In "Transformers: The Last Knight", der am morgigen Donnerstag in den österreichischen Kinos startet, agieren Darsteller wie Mark Wahlberg und Stanley Tucci. Erstmals dabei: Schauspielerlegende Anthony Hopkins ("Das Schweigen der Lämmer").

Wie in so vielen US-Großproduktionen geht es auch in der Weiterführung der "Transformers"-Reihe um nicht weniger als die Rettung der Erde. Eine finale Schlacht zwischen den Robotermaschinen und der Menschheit steht kurz bevor. Verhindert werden aber soll der Weltuntergang durch eine so entschlossene wie höchst skurrile Allianz: Da ist der von Mark Wahlberg schon in "Transformers 4" verkörperte Ingenieur Cade Yeager.

Sukzessive wächst dieser Yeager im neuen "Transformers" hinein in die Rolle des Weltenretters - unterstützt von einer aparten, vom legendären Zauberer Merlin abstammenden Oxford-Professorin für Geschichte (die Britin Laura Haddock), einem so süßen wie couragierten 14-jährigen Mädchen namens Izabella, dem gelbschwarzen Roboter Bumblebee (deutsch: Hummel) sowie einem distinguierten englischen Land-Adligen (gespielt von Anthony Hopkins). Ein rätselhaftes Artefakt, die legendären Ritter der Tafelrunde, Stonehenge und viele mythische Verweise mehr spielen in dieser turbulenten und nicht immer ganz nachvollziehbaren Geschichte eine Rolle.

Keiner der bisher veröffentlichten vier Filme war kürzer als 140 Minuten; diesmal sind es rund 150 Spielfilm-Minuten, die Bay kredenzt. Eine halbe Stunde weniger hätte es auch getan, richtig lang aber wird einem die Zeit bei Michael Bay, der erneut virtuos von Bild zu Bild, von Einstellung zu Einstellung springt, nie. Es gibt wunderbar inszenierte Kampfchoreografien, so fließend und leicht, dass man glatt vergisst, dass es hunderte Tonnen schwere Metallroboter sind, die hier agieren. Einige der zahlreichen visuellen Effekte sind von avantgardistischer Qualität.

Mehr noch als im vor drei Jahren veröffentlichten vierten Teil ("Age of Extinction") sind es diesmal auch die darstellerischen Leistungen, die zum Gelingen des Films beitragen. Mark Wahlbergs zwar braun gebrannter, jedoch ziemlich zerzauster texanischer Erfinder ist noch einnehmender und glaubwürdiger als im Vorgängerfilm. Sir Anthony Hopkins' starker Auftritt sorgt zudem für ein Maß an britischer Noblesse. Stets an seiner Seite ist im Film ein Roboter-Butler, der zu den charmantesten Figuren der bunten Maschinenwelt gehört. Erneut wunderbar ist die flankierende Musik von Steve Jablonsky, die zur rechten Zeit auch mal für Gänsehaut sorgt.

Der fünfte Teil der "Transformers"-Reihe ist Action-Kino in Extremform: Der Film ist laut und schnell, großartig und enervierend. Darin viele Szenen, die dazu angetan sind, Zuschauern Schweißperlen auf die Stirn zu treiben. Teils muss man an die Hochgeschwindigkeits-Action der "Fast & Furious"-Reihe denken; teils aber auch an den von vielen Seiten gelobten und mit mehreren Oscars bedachten "Mad Max: Fury Road" aus dem Jahr 2015. Wer mit ähnlich gelagerten Spektakel-Filmen etwas anfangen kann, der ist hier goldrichtig, alle anderen sollten vorsichtig sein.

"Ich mache Filme", so hat Bay einmal selbst gesagt, "für Jungs im Teenageralter." Bay aber, darüber sollte man sich bei aller Rauschhaftigkeit seines Kinos nicht täuschen, gebietet auch über Fähigkeiten, die anderen Action-Regisseuren kaum zur Verfügung stehen: Ein ums andere Mal scheint der Amerikaner im neuen "Transformers" Naturgesetze außer Kraft zu setzen. Man weiß dann wirklich nicht mehr, wo oben und unten ist und ob solche Kategorien hier überhaupt noch eine Rolle spielen.

Und der vom Regisseur beschworene Weltuntergang, der fühlt sich in solchen Momenten erschreckend real an. Sollte dies tatsächlich, wie angekündigt, Michael Bays letzter Auftritt im "Transformers"-Universum sein, so handelt es sich um einen würdigen Abschied. Die Serie aber soll auch ohne ihn fortgeführt werden. Für Sommer 2018 bereits ist ein Ableger der Reihe vorgesehen.