FestspielchefSalzburg ist sein Schicksalsort: Markus Hinterhäuser ist 60

Immer wieder Salzburg: Seit 2017 leitet Markus Hinterhäuser die Salzburger Festspiele. Für den Pianisten, seit 30. März 60 Jahre alt, war es ein Heimkehr. Eine, die er heuer mit "Passion, Ekstase und Leidenschaft" begehen will.

PK - WIENER FESTWOCHEN 2016: HINTERHAeUSER
Markus Hinterhäuser feiert heute seinen 60er © APA/HERBERT NEUBAUER
 

Seit dem Vorjahr steht Markus Hinterhäuser an der Spitze der Salzburger Festspiele - jener Kulturinstitution, die seine Karriere seit vielen Jahren und in wechselnden Funktionen immer wieder prägte. Nach der hochgelobten ersten Festivalausgabe 2017 wird der zweite Streich des Intendanten nun mit Spannung erwartet. Zuvor feierte Markus Hinterhäuser aber noch seinen 60. Geburtstag.

Geboren wurde der spätere Pianist und Festivalmacher am 30. März 1958 in La Spezia. Nach dem Klavierstudium in Wien, Salzburg sowie in Meisterkursen reüssierte er bald als Solist und Liedbegleiter in den bedeutendsten Konzertsälen der Welt. Sein besonderes Engagement galt stets der zeitgenössischen Musik, insbesondere für Größen wie Morton Feldman, György Ligeti oder Galina Ustwolskaja. Gerade die Liebe zum Werk von Ustwolskaja ist bei Hinterhäuser nie erkaltet. So wird der Intendant am 22. Juli bei seinen Festspielen in zwei Konzerten der 2006 verstorbenen Komponistin die Ehre erweisen.

Das Zeitgenössische förderte Hinterhäuser auch bereits in jungen Jahren in Salzburg, verantwortete er doch von 1993 bis 2001 zusammen mit Tomas Zierhofer-Kin unter der Intendanz von Gerard Mortier die Neue-Musik-Schiene "Zeitfluss", die große Beachtung fand. Die "Zeitfluss"-Festivals boten ein Spektrum von Klassikern der zeitgenössischen Musik bis zu den Einstürzenden Neubauten. Unter dem Titel "zeit_zone" setzten Hinterhäuser und Zierhofer-Kin 2002 bis 2004 ihre Arbeit im Rahmen der Wiener Festwochen fort, wobei hier ein stärkeres Gewicht auf (Musik-)Theater und künstlerische Zwischenbereiche gelegt wurde.

2006 kehrte Hinterhäuser dann das erste Mal wieder zu den Salzburger Festspielen zurück, als er zum Konzertchef berufen wurde. Die erfolgreiche Programmierung der wichtigen Konzertsparte, bei der er etwa in der Reihe "Kontinente" Akzente setzte und klassische Musik mit moderner Musik verschränkte, machten Hinterhäuser nach Ansicht vieler zum Favoriten auf die Nachfolge von Intendant Jürgen Flimm.

Es kam jedoch anders. Als 2009 Alexander Pereira als Intendant ab Herbst 2011 bestellt und klar wurde, dass Schauspiel- und Konzertleiter auch künftig nicht im Direktorium vertreten sein würden, zog Hinterhäuser die Konsequenzen und gab bekannt, "unter den ihm angebotenen Rahmenbedingungen den Salzburger Festspielen nach 2011 als Konzertchef nicht mehr zur Verfügung zu stehen". Der vorzeitige Abgang Flimms brachte Hinterhäuser dann doch unversehens für ein Jahr an die Spitze, wobei er die Pläne großteils von Flimm übernehmen musste. Dessen ungeachtet, wurde dem Kulturmanager nicht zuletzt wegen seiner fachlichen Kompetenz allseits Lob zuteil.

Dennoch folgte ein Intermezzo in Wien, wo Hinterhäuser ab 2014 als Intendant der Wiener Festwochen die Bundeshauptstadt großflächig bespielte. Die drei Saisonen unter seiner Führung waren gekennzeichnet von einer verhältnismäßig hohen Zahl an Eigenproduktionen im musikalischen Bereich und einem etwas holprigen Start, verließ doch Schauspielchefin Frie Leysen die Festwochen alsbald wieder, worauf man auf wechselnde Kuratoren setzte. Am Anfang habe "der Motor etwas gestottert, das gebe ich zu, aber dann hat es sich wunderbar gefügt", so die persönliche Bilanz Hinterhäusers.

Nach den drei Jahren an der Festwochen-Spitze erfolgte dann wieder der Wechsel zum Schicksalsort Salzburg - und diesmal nicht nur interimistisch. Schon mit seiner ersten Festspielausgabe 2017 machte Markus Hinterhäuser an der Salzach deutlich: Hier ist jemand gekommen um zu bleiben. Die gezeigten Arbeiten polarisierten und provozierten ebenso enthusiastische Zustimmung wie vehemente Kritik. Kalt ließen die Premieren das Publikum jedoch nie. Unter dem Übermotto "Strategien der Macht" paarte man im Musikbereich erste Qualität mit inhaltlicher und szenischer Offenheit. Da wurde viel gewagt und so manches gewonnen. Das von Bettina Hering verantwortete Theaterprogramm war von fünf Neuproduktionen geprägt, die auf zeitgenössische Stücke verzichteten - und nicht zuletzt von der kurzfristigen Neugestaltung des "Jedermann" durch Michael Sturminger, die bis zum 100-Jahr-Jubiläum von Stück und Festspielen 2020 zu sehen sein wird.

Vor diesem Großjubiläum steht jetzt aber erst einmal die heurige Festspielausgabe unter dem im Vergleich zum Vorjahr emotionaleren Motto "Passion, Ekstase und Leidenschaft" an. Mit der "Zauberflöte", "Salome", der "Pique Dame" als Ersatz für die abgesagte Wiederaufnahme der "Aida", "Poppea" und "The Bassarids" gibt es fünf Opernneuinszenierungen, das Schauspiel zeigt unter anderem zwei Romandramatisierungen und die "Penthesilea" sowie "Die Perser". An der Salzach bleibt es also spannend.

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