Kritik"Der Spieler" von Sergej Prokofjew in der Staatsoper

Nicht nur an der Börse, auch an der Staatsoper regiert die Casino-Mentalität, wenn Sergej Prokofjews "Der Spieler" seine Runden dreht. Schließlich stellt Regisseurin Karoline Gruber die Protagonisten auf ein gigantisches Ringelspiel - alles dreht sich um die eigene Achse, ist ständig in Bewegung und tritt im Kern doch auf der Stelle.

Sergej Prokofjews "Der Spieler" in der Wiener Staatsoper © Staatsoper/ Michael Poehn
 

Am Ende der Premiere stand am Mittwoch tosender Applaus.Dies lag wohl nicht zuletzt daran, dass eine Prokofjew-Inszenierung in der Staatsoper alles andere als Standardrepertoire ist. Im Gegenteil, stellt "Der Spieler" doch die erste Eigenproduktion einer Oper des Komponisten im Haus überhaupt dar. Das Warten ist dem Werk aber scheinbar eingeschrieben, war Prokofjew doch zarte 26 Jahre alt, als er das Werk 1917 abschloss. Und doch dauerte es in den russischen Revolutionswirren bis zur Uraufführung noch bis 1929 - dann allerdings in Brüssel.

Basierend auf Dostojewskis gleichnamigem, autobiografisch gefärbten Roman, versammelt Prokofjew in seinem selbst verfassten Libretto an dem fiktiven Ort Roulettenburg zahlreiche ins Trudeln geratene Figuren, die vornehmlich ihre Sucht nach dem Glücksspiel, ihre Geldgeilheit eint. Gier ist schlecht, Liebe ist gut, verliert aber gegen das Geld. Und das ist schlecht. So die letztlich einfache Moral.

Dieses Geschehen wird in der Staatsoper gerahmt von einem gigantischen, zerbrochenen Spiegel - die Selbstwahrnehmung der Figuren, die Reflexion im ureigenen Sinne ist also ausgesetzt. Abseits der Hauptcharaktere sind die meisten Protagonisten weiß geschminkt, übersteigerte Archetypen im Assoziationsfeld zwischen "Grand Budapest Hotel", Fellini-Kino und Commedia dell'Arte. Dieser groteske Zug verstärkt sich über die Akte hinweg und kulminiert nach anfänglich zu zögerlicher Andeutung schließlich im furiosen Finalakt.

Insgesamt steigert sich Karoline Grubers Inszenierung über den Abend hinweg deutlich. Die Regisseurin formt die Charaktere letztlich als Prototypen verschiedener Verliererschablonen. Dennoch bietet sie ungeachtet aller Personenführung im begrenzten Bereich des Bühnenrands primär Rampentheater, hält die Sänger überwiegend im Vordergrund und nutzt die Tiefe des Bühnenbildes nur selten.

Am besten nutzt diese Vorgabe Hausdebütant Dmitry Ulyanov, der als General die Sängerriege anführt und mit schneidendem Bass mühelos das Orchester überstrahlt. Ihm zur Seite offenbarte auch Elena Guseva als Stieftochter Polina bei ihrem ersten Einsatz in der Staatsoper einen kräftigen, überraschend weit ausladenden Sopran für die Partie, während Publikumsliebling Linda Watson als alte Babulenka mit Charme und ihrem gewohnt dramatischen Sopran das Trio komplettiert. Einzig Misha Didyk müht sich als Alexej immer wieder mit den Registerwechseln in die tiefen Passagen, kämpft in der tiefen Lage damit, über das Orchester zu kommen.

Auf die Sänger nimmt Simone Young im Graben mit dem Staatsopernorchester allerdings auch oftmals nur wenig Rücksicht. Über zu lange Passagen hinweg dient die Musik primär der Stützung des Konversationsgesangs, als dass man die pulsierende Motorik in den freieren Passagen nicht mit voller Verve auskosten würde. Young gibt sich ganz der rauschhaften Musik hin, streicht die ständige Bewegung der Partitur heraus. Schließlich hält das Karussell der Gier niemals an.

 

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Lodengrün
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Ich finde es stets herrlich

wenn ein Kritiker sich über den Dirigenten ausläßt. Kennt man Simone Young, ihre Qualität, ihre Gabe die Musik in Farben zu lesen, dann kann man über den Kritiker nur schmunzeln. Janowitz sagte über die Spezies: "Das ist wie wenn ein kleiner Hund sich am Stephansdom ausläßt". Und Wolfgang Wagner verglich Kritiker mit Eunuchen: "Beide wissen sie es wie es geht nur sie können es nicht".

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