Venedigs Löwen sind vergebenMärchenhaft: Goldener Löwe für Guillermo del Toros "The Shape of Water"

Guillermo del Toros "The Shape of Water" wird in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. In dem märchenhaften Thriller verliebt sich eine stumme junge Frau in ein rätselhaftes Wesen aus dem Amazonas.

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Goldener Löwe für Guillermo del Toro © APA/AFP/FILIPPO MONTEFORTE
 

Fast ein Start-Ziel-Sieg: Guillermo del Toros "The Shape of Water", ein Märchen aus dem Kalten Krieg, gewinnt in Venedig den Goldenen Löwen als bester Film. In dem Film verliebt sich Sally Hawkins als stumme junge Frau in einen Fischmenschen, der zu Versuchszwecken in einem militärischen Labor gefangen gehalten wird. Den Preis widmete del Toro, Mexikos erster Venedig-Sieger, Lateinamerikas Filmemachern: „Ich bin 52, wiege 150 Kilo und habe zehn Filme gemacht. Ich sage euch, lasst euch von niemandem erzählen, was alles nicht geht. Glaubt an das, was ihr tut, so wie ich an meine Monster glaube“, so der Regisseur, der mit Filmen wie „Pans Labyrinth“ und „Pacific Rim“ bekannt wurde. 

 

"The Shape of Water": Sally Hawkins
"The Shape of Water": Sally Hawkins verliebt sich in einen Fischmenschen Foto © Biennale di Venezia

Mit dem großen Preis der Jury und einem Silbernen Löwen wurde Samuel Maoz für sein Militärdrama "Foxtrot" geehrt. Es ist schon sein zweiter Löwe: 2009 erhielt er den Goldenen Löwen für sein Spielfilmdebüt "Lebanon". Der Silberne Löwen für die beste Regie ging an Xavier Legrande und sein Scheidungsdrama "Jusqu'à la garde". Auch den „Löwen der Zukunft“ für den besten Debütfilm erhielt Legrande, der bei der Preisübergabe tränenüberströmt auf die Bühne trat.

Bester Darsteller wurde Kamel El Basha für das libanesische Gerichtsdrama "The Insult": "Ich hatte einen kleineren Preis erwartet. Ich weiß gar nicht, wie ich das nach Palästina transportieren soll", bedankte sich der Theaterschauspieler, der für "The Insult" das erste Mal vor der Kamera gestanden war. Beste Schauspielerin wurde Charlotte Rampling mit dem Drama "Hannah". Sehr emotional dankte sie ihrer Künstlerischen Heimat: "Italien verdanke ich alles. Dem Land und Regisseuren wie Cavani, Visconti und nun Andrea Pallaoro."

 

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Ganz schön fröhlich: Charlotte Rampling mit der Coppa Volpi für die beste Darstellerin Foto © APA/AFP/FILIPPO MONTEFORTE

Den Preis für das beste Drehbuch erhielt der Ire Martin McDonagh für das Rachedrama "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" mit Frances McDormand und Woody Harrelson. Der Spezialpreis der Jury ging an das Aborigine-Western "Sweet Country" des Australiers Warwick Thornton: "Träume werden normalerweise nicht wahr, aber meiner ist es geworden“, stellte er lapidar fest.

Als bester Nachwuchsdarsteller wurde der 18 Jahre alte Charlie Plummer für seine berührende Leistung in „Lean on Pete“ mit dem Marcello Mastroianni-Preis geehrt. "Ich hoffe sehr, in seine Fußstapfen treten zu können", freute sich der junge Schauspieler. Bester Film in der Nebenreihe „Orizzonti“ wurde Susanna Nicchiarellis „Nico, 1988“ über die letzten Jahre der „Velvet Underground“-Sängerin.

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"The Shape of Water"

Eine junge Frau verliebt sich in ein flossenbewehrtes Wasserwesen. Und das mitten im Kalten Krieg. Guillermo del Toros mit dem Goldenen Löwen bedachter, märchenhafter, unheimlicher Film ist eine Parabel über Außenseitertum und Diskriminierung.

Biennale

Großer Preis der Jury

Samuel Maoz erhielt den Großen Preis der Jury. Der Silberne Löwe ist seine zweite venezianische Trophäe. Vor "Foxtrot" wurde er bereits einmal geehrt - 2009 mit dem Goldenen Löwen für seinen Debütfilm "Lebanon".

APA/AFP/TIZIANA FABI

"Foxtrot"

"Foxtrot" erzählt von einer militärischen Eskalation auf einem entlegenen Außenposten. Israels Verteidigungsministerium kritisierte den Film: Er helfe den Feindes des Landes. Maoz' Konter: "Kritik ist das wichtigste Instrument, um die Gesellschaft besser zu machen."

Biennale

Silberner Löwe, beste Regie

Gleich zwei Löwen gab es für Xavier Legrands "Jusqu'à la garde". Silber für die beste Regie und den "Zukunftslöwen" für das beste Debüt.

AP

"Jusqu'à la garde"

Der Film erzählt vom bitteren Sorgerechtsstreit eines Paares in Scheidung - ausgetragen auf dem Rücken des gemeinsamen Kindes.

Biennale

Beste Darstellerin

Coppa Volpi für Charlotte Rampling als beste Darstellerin. "Italien verdanke ich alles, das Land hat mich immer künstlerisch inspiriert", sagte sie auf der Bühne.

APA/AFP/TIZIANA FABI

"Hannah"

Im Drama "Hannah" des jungen Italieners Andrea Pallaoro muss sie sich mit einem plötzlichen Verlust auseinandersetzen, nachdem ihr Mann verhaftet worden ist.

Biennale

Bester Darsteller

Kamel El Basha erhielt die Coppa Volpi als bester Schauspieler in "The Insult".

AP

"The Insult"

In dem von vielen Kritikern vorab zu den Löwen-Favoriten gezählten libanesischen Drama eskaliert eine belanglose Beleidigung zu einem Gerichtsstreit mit schwerwiegenden Folgen.

Biennale

Bestes Drehbuch

Der Ire Martin McDonagh wurde für "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" mit dem Preis für das beste Drehbuch bedacht. Er führte bei dem Film auch Regie.

AP

"Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"

Frances McDormand spielt darin eine Frau, die auf der Suche nach dem Mörder ihrer Tochter ziemlich resolut vorgeht. Auch dieser Film zählte für etliche Kritiker zu den Favoriten des stark besetzten Festivals.

Biennale

Spezialpreis der Jury

Der Australier Warwick Thornton erhielt für "Sweet Country" den Spezialpreis der Jury.

APA/AFP/TIZIANA FABI

"Sweet Country"

Der Film erzählt im Westernstil und aus der Sicht der Aborigines von der Auseinandersetzung mit westlichen Missionaren.

Biennale/Mark Roger

Bester Nachwuchsdarsteller

Der 18 Jahre alte Charlie Plummer erhielt den Marcello-Mastroianni-Preis als bester Nachwuchsdarsteller in "Lean on Pete".

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"Lean on Pete"

In Andrew Haighs Film spielt er mit großem Einfühlungsvermögen einen jungen Burschen, der im Leben keinen Halt findet, bis er sich mit einem ausrangierten Rennpferd anfreundet.

Biennale/Scott Patrick Green

Bester Orizzonti-Film

In der Nebenreihe "Orizzonti" wurde Susanna Nicchiarelli für "Nico, 1988" geehrt.

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"Nico, 1988"

Der Film beschreibt die letzten Lebensjahre der legendären "Velvet Underground"-Sängerin Nico.

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Beste Virtual Reality

Regieveteran John Landis übergibt den Preis für den besten Virtual-Reality-Film an Eugene YK Chung und sein Werk "Arden's Wake". Die Preise in dieser Kategorie wurden heuer zum ersten Mal vergeben.

AP

"Arden's Wake"

Den Animationsfilm sieht man mittels Spezialbrille, die es erlaubt, gänzlich in die virtuelle Welt der Erzählung einzutauchen. Für viele Experten dürfte die Technologie bald den 3D-Film ablösen. Wenn das stimmt, zeigte sich das älteste Filmfestival der Welt in seiner 74. Ausgabe wieder einmal als zukunftsweisend.

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Dass es das älteste Filmfestival der Welt noch immer schafft, höchst zeitgenössisch zu agieren, zeigte der erste Preis, der an diesem Abend vergeben wurde: Er ging an Gina Kims Drama "Bloodless" - für die beste Story, die mit den Mitteln der Virtual Reality erzählt wurde. Zum besten VR-Film wurde Eugene YK Chungs „Arden's Wake“ gekürt.

Es war Festivaldirektor Alberto Barberas erklärtes Anliegen, dieser neuen Kinoform in Venedig eine prominente Präsentationsmöglichkeit zu geben. Entsprechend enthusiastisch reagierten die Preisträger, darunter auch Laurie Anderson, die mit Hsin Chien Huang und dem gemeinsamen Film "La camera insabbiata" für die "beste VR Experience" in Venedig gesorgt hatte: "Danke, dass sich das Festival dieser neuen Kunstform annimmt", ließ die abwesende Künstlerin den Anwesenden ausrichten.

Und die Nichtgewinner dieser stark besetzten Festspiele? Sind schon längst neu orientiert. Die Karawane hoffnungsvoller Oscar-Anwärter ist nach Toronto weitergezogen. George Clooney stellte seinen Venedig-Film „Suburbicon“ dieser Tage in Toronto vor, auch dessen Hauptdarsteller Matt Damon rührt mittlerweile in Kanada die Werbetrommel für gleich zwei Filme, die er auch am Lido vorgestellt hat: nebst für Clooneys Rassismus-Satire auch für Alexander Paynes „Downsizing“ mit Christoph Waltz. 

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