"Wenn wir uns von unseren Träumen leiten lassen, wird der Erfolg all unsere Erwartungen übertreffen", meinte Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele: Die Festspiele würden dem Träumer Max Reinhardt ihr Bestehen verdanken. Die Festspiele machen Salzburg jedes Jahr im Sommer zur Kulturhauptstadt "Österreichs, Europas, der Welt. Entscheiden Sie selbst", so Rabl-Stadler, die sich freute, dass nicht nur Bundespräsident Alexander Van der Bellen anwesend war, sondern auch Alt-Bundespräsident Heinz Fischer sowie ein Großteil der Bundesregierung.

Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) ging der Frage nach, ob "Schönheit in der heutigen Gesellschaft überhaupt noch Platz" hat. Aber: "Schönheit macht uns aus. Sie stiftet Sinn, sie wurzelt tief in uns. Sie bewusst zu erkennen und ihr Stellenwert im Leben zu geben, macht uns menschlich und erhebt uns über andere Lebewesen hinaus."

Was ist Macht?

Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) fragte, was Macht eigentlich ist. "Mit der Macht stellen die Grundfragen des menschlichen Zusammenlebens auf dem Prüfstand", so der Minister: "Macht wirft ein Netz über die Gesellschaft und in dieses Netz sind wir alle ausnahmslos verstrickt." Er sei der Überzeugung, dass wir in einem Zeitalter der Veränderung leben, Internetkonzerne würden zunehmend Macht über unser Handeln gewinnen. Die "digitale Moderne muss keinesfalls eine Dystopie sei, es liegt an uns, die Kraft eines neuen, digitalen Humanismus heraufzubeschwören" - und Kunst wäre dabei ein hilfreicher Weg: "Kunst ist vermittelte Weltbeziehung".

 (v.l.) Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Joachim Gauck mit Daniela Schadt, der ehelamige BP Heinz Fischer mit Ehefrau Margit und Landeshauptmann Wilfried Haslauer
(v.l.) Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Joachim Gauck mit Daniela Schadt, der ehelamige BP Heinz Fischer mit Ehefrau Margit und Landeshauptmann Wilfried Haslauer © APA/NEUMAYR/MMV

Recht und Macht

Ferdinand von Schirach  eröffnete die Festspiele schließlich mit seiner Rede. "Gerade in diesen aufregenden Zeiten müssen wir das Recht gegen die Macht stellen", war die zentrale These. Steht doch heuer in Oper und Theater das Thema "Macht" im Mittelpunkt. Von Schirach erinnerte daran, dass heute die Sozialen Medien ein wichtiger Machtfaktor sei. "Wir wissen heute, dass den englischen Wählern nicht klar, was der Brexit eigentlich bedeutete." Oder: Was tun, wenn die Demokraten einen Tyrannen wählen? Was dann tun? Was gilt, wenn sich die Mehrheit "wie so oft in der Geschichte für das Falsche, das Dunkle entscheidet?" Aber immerhin: "Der Mensch gab sich irgendwann selbst Gesetze." Und Religionsfreiheit. Ethnische Grundregeln. "Immer wieder fallen wir zurück ins Dunkle, aber die Menschenrechte gaben wir uns selbst." Wenn "wir heute bereit sind, das aufzugeben, dann sind wir verloren." Er erinnerte daran, dass Demokratie nicht die "Herrschaft der Besten" meint, sondern die Möglichkeit, eine Regierung auch wieder abzuwählen. "Unsere einzige Sicherheit sind die Verfassungen unserer freien Länder." Man müsse daher gerade heute das "Recht gegen die Macht stellen".

Ferdinand von Schirach während seine Rede
Ferdinand von Schirach während seine Rede © APA/NEUMAYR/MMV

Bundespräsident Alexander Van der Bellen bedankte sich beim Festredner explizit für seine Worte, er würde sich schon darauf freuen, die Rede nochmals nachzulesen. Er hält es für wichtig die "Balance zu halten zwischen der Mehrheit und dem Minderheiten-Schutz". Denn die Qualität des Zusammenlebens messe sich daran, wie man mit "Minderheiten" umgehe. Die, die drohen unterzugehen, hätten ein Anrecht auf Unterstützung.

Umrahmt wurde die Eröffnung vom Orchester des Mozarteum Salzburg unter der Leitung des italienischen Dirigenten Riccardo Minasi.

ISA-Gala

Am Vorabend der offiziellen Eröffnung haben sich gestern prominente Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur im Schloss Leopoldskron eingefunden. An dem Galadiner der Internationalen Salzburg Association (ISA) nahmen auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen und seine Frau Doris Schmidauer teil. "Salzburg ist ein Kultur-Hotspot im Herzen Europas. Die ISA-Mitglieder wissen das zu schätzen und sind bekennende Salzburg-Liebhaber, die das auch zum Ausdruck bringen", erklärte ISA-Präsident Hauslauer. Rund 3,2 Millionen Euro hat die ISA in den vergangenen Jahren an Fördergeldern aufgebracht, die in die Erhaltung von Kulturgütern im Salzburger Land, in zukunftsträchtige Kunstprojekte oder in die Unterstützung von Nachwuchskünstlern geflossen sind. Auch Opernsängerin Angelika Kirchschlager wurde in ihren Anfängen unterstützt.