Vier neue Opern und vier Schauspielpremieren sind die Säulen des ersten Salzburger Festspielprogramms von Markus Hinterhäuser. Die Höhepunkte waren zum Großteil bereits durchgesickert: Anna Netrebko mit ihrem "Aida"-Debüt, Regiearbeiten von Shirin Neshat und William Kentridge oder die "Clemenza di Tito", beforscht von Teodor Currentzis und Peter Sellars.

Mozarts letzte Oper - in der Ouverture spirituelle eingeleitet durch das ebenfalls späte Requiem - eröffnet den Festspielreigen, Currentzis dirigiert seine russischen Tiefschürfer, musicAeterna. Für gleich vier neue Produktionen sind die Wiener Philharmoniker verpflichtet: Mariss Jansons leitet Schostakowitschs "Lady Macbeth von Mzensk", Riccardo Muti die "Aida", Vladimir Jurowski Alban Bergs "Wozzeck" und Franz Welser-Möst Reimanns "Lear".

Regie

Für Spannung werden dabei nicht zuletzt die Inszenierungen sorgen: Mit der iranischen Filmemacherin und Künstlerin Shirin Neshat steht bei der ohnehin glanzvoll besetzten "Aida" auch ein Opernregie-Debüt an. Ebenfalls aus der bildenden Kunst kommt der Südafrikaner William Kentridge, dessen Opernengagement nicht ganz neu, aber jedenfalls selten ist. Begleitend wird auch eine Ausstellung seiner Arbeiten im Museum der Moderne zu sehen sein. In seiner Inszenierung des "Wozzeck" ist Matthias Goerne in der Titelrolle zu sehen.

Mit Reimanns "Lear" hat man einen Klassiker des zeitgenössischen Opernschaffens im Programm, inszenieren wird Simon Stone, Gerald Finley ist als Lear, Anna Prohaska als Cordelia verpflichtet. Stark präsent ist aber auch das Barockfach: Einerseits durch die Übernahme von den Pfingstfestspielen, "Ariodante" mit Cecilia Bartoli, andererseits durch einen eigenen halbszenischen Monteverdi-Zyklus anlässlich des 450. Geburtstags.

Alle drei erhaltenen Monteverdi-Opern, "L'Orfeo", "Il ritorno d'Ulisse in patria" und die "Poppea", werden halbszenisch in der Felsenreitschule gezeigt, John Eliot Gardiner dirigiert seine English Baroque Soloists. Als "Sängerfest" sind zwei konzertante Opernabende angekündigt: In Verdis "I due foscari" singt Placido Domingo neben Maria Agresta und Joseph Calleja. Krassimira Stoyanova, Juan Diego Florez und Ildar Abdrazakov bestreiten Donizettis "Lucrezia Borgia".

Für den langjährigen Musikprogramm-Chef Markus Hinterhäuser war offenbar auch die Verbindung von Opern- und Konzertschiene zentral. Diese greifen nun an mehreren neuralgischen Punkten ineinander: So wird Currentzis neben dem "Tito" auch das Mozart-Requiem leiten, wird die "Lady Macbeth" durch die neue Reihe "Zeit mit Schostakowitsch" im Konzertprogramm vor- und nachbereitet und wird der Monteverdi-Opernzyklus durch die Beschäftigung mit seinen Madrigalen umrahmt.

Als Gastorchester sind 2017 das Pittsburgh Symphony Orchestra, das mit Anne-Sophie Mutter und den Lutoslawski-Violinkonzerten auftritt, sowie Stammgäste vom West-Eastern Divan Orchestra bis zu den Berliner Philharmonikern eingeladen. Soloabende gestalten die Pianisten Pierre-Laurent Aimard, Martha Argerich, Daniel Barenboim oder Mitsuko Uchida, bei den Sängern treten etwa Elina Garanca oder Marianne Crebassa mit Liederabenden auf.

Schauspiel

Beim Schauspiel ist die wichtigste Katze schon aus dem Sack. Tobias Moretti ist der neue "Jedermann", Stefanie Reinsperger seine Buhlschaft. Neben der Neueinstudierung des "Jedermann", die viele Änderungen bringen soll, zeigt die neue Schauspieldirektorin Bettina Hering 2017 vier neue Produktionen, sämtlich unter weiblicher Regie und zwei davon auf der Perner-Insel.

Darunter ist auch ein partizipatives Theaterstück mit einem Ensemble aus Laien: Abigail Browde und Michael Silverstone leiten das New Yorker Regiekollektiv 600 Highwaymen, das für "Kasimir und Karoline" an Bord ist und das Horvath-Stück auf der Perner-Insel mit "Darstellern unterschiedlichster Altersgruppen und Herkunft" als Volksstück inszenieren wird.

Neben Shirin Neshat wurde eine zweite prominente Filmemacherin für ein Bühnenregiedebüt gewonnen: Die Griechin Athina Rachel Tsangari wurde mit Wedekinds "Lulu" beauftragt und deutet die Protagonistin als ein Dreigestirn. Sowohl Anna Drexler als auch Isolda Dychauk sowie Ariane Labed werden die Lulu spielen. Gemeinsam werden Neshat und Tsangari an den neu geschaffenen "Schauspiel-Recherchen" im Stefan Zweig Centre teilnehmen und über den Sprung von der Leinwand zur Bühne reflektieren.

Darüber hinaus inszeniert Andrea Breth Harold Pinters "Die Geburtstagsfeier" mit Martin Reinke und Andrea Clausen im Landestheater und Karin Henkel bringt Hauptmanns "Rose Bernd" mit Lina Beckmann in der Titelrolle auf die Perner-Insel. Eine Marathon-Lesung von 19 bis 2 Uhr früh (Nacht vom 1. auf den 2. August) führt mit Festspielkünstlern durch Musils "Mann ohne Eigenschaften". Und "Jedermanns" neue Mutter, Edith Clever, gestaltet einen Abend mit "Fräulein Else".

Insgesamt sind 54 Schauspiel-Aufführungen, 40 Opernabende und 79 Konzerte für den Festspielsommer angesetzt. 222.500 Karten werden aufgelegt.