NachrufSanfter Lyriker und politischer Texter: Heinz R. Unger gestorben

Heinz R. Unger, Liedautor der legendären "Proletenpassion" und Wiederbeleber des politischen Volksstücks, starb im Alter von 79 Jahren an Lungenkrebs.

Heinz R. Unger (1938 - 2018) © APA/HERBERT PFARRHOFER
 

Der Wiener Dichter Heinz R. Unger ist gestern, Montag, 79-jährig an Lungenkrebs gestorben. Dies gab sein Freund, der langjährige ORF-Redakteursratsvorsitzende Fritz Wendl, heute gegenüber der APA bekannt. Unger war feinsinniger Lyriker, kämpferischer Liedautor der legendären "Proletenpassion" der "Schmetterlinge" und machte sich als Dramatiker mit Stücken wie "Zwölfeläuten" einen Namen.

Geboren wurde Heinz Rudolf Unger am 7. August 1938 in Wien. Er war zunächst als Schriftsetzer, danach als Verlagshersteller, Werbetexter und Journalist tätig. Seit 1969 war er freischaffender Schriftsteller, sein Oeuvre umfasst alle Sparten, vom Roman bis zum Kinderbuch, Lyrik und Dramatik, Drehbücher und Hörspiele, Lieder und Libretti. Das einigende Moment war über alle Genres hinweg die Poesie, der politische Anspruch und der Humor. Der Zwiespalt zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte, war das Terrain, in dem Ungers Dichtkunst sich am besten entfaltete.

So feierte Unger erste Erfolge als Texter pointierter politischer Lieder für die Gruppe "Schmetterlinge", deren im Rahmen der Wiener Festwochen 1976 uraufgeführte (und 2015 im Werk X erfolgreich wiederbelebte) "Proletenpassion" bald zur Legende wurde. Nach ersten dramatischen Experimenten - etwa 1970 "Stoned Vienna" gemeinsam mit Armin Thurnher - versuchte sich Unger an der Wiederbelebung des politischen Volksstücks und erhielt für seine Trilogie "Die Republik des Vergessens" - "Unten durch" (UA 1980 am Schauspielhaus), "Zwölfeläuten" (UA 1985 am Volkstheater) und "Hoch hinaus" (UA 1987 am Volkstheater) -, in der er sich mit dem Weiterwirken der NS-Vergangenheit beschäftigte, breitere Aufmerksamkeit.

Seit Ende der 80er Jahre arbeitete Heinz R. Unger auch immer wieder für Musiktheater. Für Kinder und Jugendliche - "Die Fliege am Broadway" erhielt 1989 den Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur - schrieb er mit der gleichen Ernsthaftigkeit wie für Erwachsene. 2004 erschien sein zweiter Roman "Löwenslauf", ein zeitgeschichtliches Panorama rund um die in der französischen Widerstandsbewegung gefälschte Biografie eines alten Schachspielers namens Lapinski, 2006 sein Reisegedichtband "In der verkehrten Welt". Im März 2008 wurde Ungers "Die Komödie der Gier" uraufgeführt.

2013 veröffentlichte er mit "Der schweigende Sprachraum" seinen zehnten Lyrikband. "Gedichte sind ein heikles und sensibles Medium, sie entziehen sich den Marktgesetzen, sind verletzlich, zerbrechlich und wirken sich trotzdem aus. Gehen Sie vorsichtig damit um ...", lautete die Empfehlung an seine Leser.

"Ungers Werke vereinen das, was ihn auszeichnet - Poesie, politisch Eindeutiges und Humor", würdigte ihn Fritz Wendl 2004 als Laudator bei der Verleihung des "Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien". Kurt Neumann vom Literarischen Quartier Alte Schmiede nannte ihn einmal "einen großer Menschenfreund, voll Humor, in dem er sein tief verankertes Mitleiden mit den Entrechteten und Verfolgten geborgen hat".

Noch wenige Wochen vor seinem Tod stellte Unger aus Anlass seines kommenden 80. Geburtstags eine Sammlung seiner politischen Lyrik und Lieder zusammen. Sie wird im Mai im Mandelbaum-Verlag unter dem Titel "Die Freiheit des Vogels im Käfig zu singen" erscheinen. Am 10. Mai wird eine Neuinszenierung der "Proletenpassion" in einer Bearbeitung von Bernd Freytag und Mark Polscher im Grillo-Theater Essen Premiere haben.

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