Bachmann-PreisBarbi Markovic: "Kultstatus ist bei mir nur Legende"

Aus Serbien stammende Autorin: "Habe nicht wirklich eine Meinung über Bachmannpreis" - "Normalerweise bin ich nicht dabei, wenn jemand über mich lästert".

Die serbische Autorin Barbi Markovic
Die serbische Autorin Barbi Markovic © Herbert Neubauer
 

Mit ihrem größtenteils auf Deutsch erschienenen Roman "Superheldinnen" über eine selbstbewusste Mädchenclique aus postmigrantischem Milieu erzielte Barbi Markovic im Vorjahr in Österreich einen veritablen Erfolg, heuer im Februar wurde der Text vom Volkstheater in der Spielstätte Volx/Margareten dramatisiert. Nun ist die gebürtige Serbin zu den 41. Tagen der deutschsprachigen Literatur eingeladen.

Die Teilnahme am Bachmann-Preis wurde der 37-Jährigen von ihrem Verlag empfohlen, Juror Klaus Kastberger lud sie schließlich nach Klagenfurt ein. Markovic, die vor rund zehn Jahren nach Österreich kam, um hier Germanistik zu studieren, sieht ihre Teilnahme gelassen: "Ich habe nicht wirklich eine Meinung über den Bachmannpreis. Der Kultstatus ist bei mir nur eine Legende", lacht die Autorin im APA-Gespräch. "In meiner Jugendzeit habe ich ihn nicht gesehen, aber ich habe jetzt Youtube-Videos nachgeholt, etwa die legendäre Lesung von Rainald Götz. Das war schon damals eine spaßige Angelegenheit", so Markovic, die das Wettlesen aber auch in den vergangenen Jahren nicht bewusst verfolgt hat. "Zu der Jahreszeit sitze ich normalerweise nicht vor dem Fernseher."

"Ich freue mich und ich fürchte mich"

Welche Gefühle sie vor ihrem großen Auftritt hegt? "Ich freue mich und ich fürchte mich und ich sehe es gleichzeitig ganz locker", schmunzelt sie. Manchmal wisse sie selbst nicht genau, warum sie überhaupt mitmache. "Ich glaube, ich gehe einfach deshalb hin, weil es eine der möglichen Erfahrungen als österreichischer Autor ist." So sehe sie sich mittlerweile, da sie nun schon lange in Österreich arbeite. Auch ihre Texte schreibe sie inzwischen auf Deutsch, während sie für "Superheldinnen" noch einen Mix beider Sprachen anwendete und auch mit einer Übersetzerin arbeitete. Derzeit wird der Roman ins Serbische übersetzt, aber nicht von der Autorin selbst. "Ich will im Leben weiterkommen und mich nicht zu lange mit immer dem selben Text beschäftigen."

"Ich hatte lange Zeit das Gefühl, dass ich auf Serbisch vielleicht mehr syntaktische Skills habe. Inzwischen merkt man aber glaube ich weniger Unterschied als früher. Ich trete im Schreiben sicherer auf." Der nun vorgestellte Text ist für ihre Verhältnisse "ziemlich konventionell". Allerdings habe sie auch diesmal wieder mit "gefundenem Wortschatz herumgespielt". Die Kurzprosa bezeichnet sie als "halbe Horror-Geschichte", die ihr schon länger im Kopf herumgespukt sei. Der Bachmann-Preis sei eine gute Gelegenheit gewesen, sie endlich aufzuschreiben.

"Vielleicht kann ich Gesichter schneiden"

Vor den gestrengen Urteilen der Klagenfurter Jury fürchtet sie sich nicht: "Normalerweise bin ich nicht dabei, wenn jemand über mich lästert. Das wird neu sein. Vielleicht kann ich Gesichter schneiden, um die Kritik zu kommentieren", so die in sich ruhende Autorin. Die Kommentare, die mittlerweile parallel auf Twitter abgegeben werden, interessieren sie hingegen kaum. "Ich versuche, ein Leben zu führen und das nicht zu sehr zu verfolgen." Worauf sie sich hingegen schon sehr freut, ist die Stadt Klagenfurt, die sie bisher nur immer auf der Durchreise vom Zug aus gesehen hat.

Für die deutsche Sprache begann sich Markovic in der Schule zu interessieren, besonders Thomas Bernhard und Bertolt Brecht haben sie auch für die deutschsprachige Literatur begeistert. Ersterer so sehr, dass sie 2006 in Serbien eine Adaption der Bernhard-Erzählung "Gehen" veröffentlichte, in der sie den Text in die Belgrader Clubszene übertrug. Auf Deutsch erschien der Text drei Jahre später in einer Rückübersetzung mit dem Titel "Ausgehen" bei Suhrkamp.

Zurück nach Serbien möchte sie hingegen nicht mehr. Nachsatz: "Wenn ich nicht muss. Ich müsste dort wieder neu anfangen. Mal schauen, wie sich die Welt weiter entwickelt." Auch ein Sprung nach Deutschland, wo ein größerer Markt auf Markovic warten würde, ist nicht angedacht: "Es war genug, einmal im Leben den Lebensmittelpunkt zu ändern. Es hat viele Jahre gedauert, bis ich mich in Wien verankert und vernetzt gefühlt habe."

(S E R V I C E - 41. Tage der deutschsprachigen Literatur, Klagenfurt, 5.-9. Juli: Infos unter http://bachmannpreis.orf.at)

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