LovelyBooksJeden Tag Buchmesse: Literatur-Plattform ist nicht zu stoppen

Davon können viele digitale Plattformen nur träumen: Alleine in den vergangenen drei Jahren ist die Nutzerzahl von LovelyBooks.de von 112.000 auf rund 1,5 Millionen gewachsen. Doch was macht den Reiz der Plattform aus?

Ob digital oder analog: gelesen wird immer
Ob digital oder analog: gelesen wird immer © Amazon
 

Die Schriftstellerin Kate Dakota verlost auf der Online-Literaturplattform LovelyBooks.de ein paar Exemplare ihres neuen Romans "Für dich bis ans Ende der Welt". Die Bedingung: Leser müssen eine Rezension verfassen und online mit ihr über den Roman diskutieren. Dakota braucht die Leser von LovelyBooks. Denn die Plattform versammelt die größte deutschsprachige Buchcommunity im Internet.

Alleine in den vergangenen drei Jahren ist die Nutzerzahl von 112.000 auf rund 1,5 Millionen gewachsen - Tendenz steigend, wie Pressesprecherin Tina Lurz sagt. Auf LovelyBooks geht es jeden Tag zu wie auf einer großen Buchmesse. Leser tauschen sich untereinander und mit Autoren aus, nehmen an virtuellen Literatursalons oder Leserunden teil. Die Buchfans schätzen diesen direkten Kontakt, wie eine Nachfrage bei zwei der aktivsten Nutzerinnen ergibt. Mehrere hundert Rezensionen haben sie in den vergangenen Jahren geschrieben, in ihrem virtuellen Buchregal sammeln sich Tausende Bücher.

Auch für große Verlage nützlich

Für die Verlage ist das Gold wert. Denn wie die Nutzer ihre Lektüren bewerten und welche Bücher sie auf Wunschlisten packen, ist öffentlich. Damit stellen sie den Verlagen umsonst bereit, was diese ansonsten durch Marktforschung herausfinden müssten. Dakotas neuer Roman erscheint nicht etwa in Eigenregie, sondern als E-Book im Ullstein-Verlag. Auch andere große Verlage schicken ihre Autoren zu LovelyBooks.

"Knallharte kommerzielle Interessen" stecken daher für Wolfgang Tischer, Buchhändler und Betreuer der Literaturseite "literaturcafe.de", hinter LovelyBooks. Doch verurteilen möchte er die Plattform dafür nicht. "LovelyBooks hat das Gespräch über Bücher ins Netz gebracht", sagt Tischer.

Die Autorenlesungen, die die Plattform per Live-Stream überträgt, schauen sich nach Angaben von Lurz zwischen 300 und 5.000 Nutzer an. Das sind Zahlen, von denen Literaturhäuser "nur träumen können", sagt der Verleger Rüdiger Salat. Als ehemaliger Geschäftsführer der Holtzbrinck-Verlagsgruppe war er am Aufbau der Tochterfirma LovelyBooks beteiligt.

Sinnlich oder doch nicht sinnlich?

Doch die Genres, die auf LovelyBooks besonders beliebt sind - unter anderem Krimis, Liebesgeschichten und Historische Romane - werden von den klassischen Literaturhäusern ohnehin nicht bedient. "Die Diskussion über Bücher ist durch die Plattform öffentlicher und zugänglicher geworden", sagt Tischer.

Eine Literaturveranstalterin der alten Schule, Britta Gansebohm, die seit 1995 einen öffentlichen Literatursalon in Berlin führt, hält nicht viel vom Literaturboom im Internet? "Salons im Internet können nicht sinnlich sein", sagt sie. Für Lesungen schmückt sie ihre Veranstaltungsräume mit Samtvorhängen, Blumen und Kronleuchtern. "In der realen Welt stehst du dem Menschen gegenüber, du kannst ihn riechen, du kannst mit ihm einen Rotwein trinken", sagt sie.

Doch für einen Plausch mit dem Lieblingsautor reicht bei LovelyBooks ein Mausklick. Dafür gibt es zwar keinen Rotwein, aber mit etwas Glück einen netten Eintrag ins Gästebuch.

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