Bildband

Plädoyer für ein Miteinander

Ein reich bebildertes Buch zeigt, wie Einheimische und Fremde im Asylquartier „Bärenwirt“ in Weitensfeld Gäste unter Gästen sind. Präsentiert wird es im Museum Moderner Kunst Kärnten.

Elisabeth Steiner und Gerhard Maurer © (c) MAURER GERHARD
 

Die „Fremdenzimmer“ von einst im Tourismusland Kärnten sind vielerorts längst Appartements gewichen, die rot-weißen „Zimmer frei!“-Fähnchen weisen Gästen immer seltener den Weg. Heutzutage kommen Erholungsuchende via Internet-Buchung und Facebook-Likes. „Daumen hoch“ heißt es aber kaum, wenn man für Flüchtlinge im Land auf Quartiersuche ist.

Elisabeth Steiner, langjährige Politik-Journalistin, erbte von ihren verstorbenen Eltern den Traditionsgasthof „Bärenwirt“ in Weitensfeld im Gurktal und betreibt darin seit Herbst 2014 ein Flüchtlingsquartier. „Als Zeichen der Menschlichkeit“, wie sie sagt, und um etwas zu tun. „Doch Schreiben ist die eine, Tun die andere Sache“, fasst sie nun nüchtern und doch voll Herzblut ihre Erfahrungen in einem berührenden Text-Bildband zusammen. Von ihren Gästen, die in Flip-Flops kommen, schwarze Müllsäcke mit ihren Habseligkeiten hinter sich herschleifen, „angespült an die Küsten unseres Wohlstandseuropas“, erzählt sie. Von Muslimen, aramäischen Christen, Jesiden, Parsen und Buddhisten, die zwischenzeitlich ein Zuhause im Gurktal finden. Von Fußballspielen in Weitensfeld, die mit an der Brücke zwischen Orient und Okzident bauen, vom Warten auf den Postboten, der die amtlichen Briefe in Sachen Asylverfahren bringen soll und von zahlreichen erschütternden Einzelschicksalen.

(c) Gerhard Maurer
Foto von Gerhard Maurer © (c) Gerhard Maurer

Steiners lesenswertes Plädoyer für ein Miteinander wird von einem Foto-Essay des Klagenfurter Fotografen Gerhard Maurer begleitet, der eineinhalb Jahre lang regelmäßig nach Weitensfeld gefahren ist, und so ein atmosphärisch verdichtetes Stimmungsbild gestaltete. „Der Himmel auf seinen Bildern hängt allerdings manchmal etwas tief“, heißt es im Begleittext von Anja Bohnhof dazu.

(c) Gerhard Maurer (Gerhard Maurer)
Bild von Gerhard Maurer © (c) Gerhard Maurer (Gerhard Maurer)

Sich selbst ein Bild machen kann man übrigens im MMKK in Klagenfurt. Hier zeigt der Fotokünstler in einer Koje, stellvertretend für die Beengtheit des Lebensraums der Flüchtlinge, seine Installation „Servus in Österreich“. Und hier wird auch das ambitioniert gemachte Buch (Heyn Verlag) „FremdenZimmer. Beobachtungen und Erfahrungen in einer Flüchtlingspension“ präsentiert.

Buch und Präsentation

Gerhard Maurer, Elisabeth Steiner. Fremdenzimmer. Heyn-Verlag, 112 Seiten, 24.90 Euro

Buchpräsentation: Museum Moderner Kunst Kärnten
Klagenfurt. Am 2. März, 19 Uhr.

Ausstellung: Gerhard Maurers Foto-Essay ist vom 2. bis 26. März im Rahmen seiner Installation „Servus in Österreich“ im White Cube im MMKK zu sehen.

Kommentare (1)

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Reinhold Hinteregger
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Lesenswert?

Wahre Flüchtlinge in Not um Leib und Leben

Mit viel Betroffenheit , Traurigkeit und Hochachtung vor dieser Frau Elisabth Steiner, Wirtin und Schriftstellerin, unermüdliche Kämpferin für Flüchtlinge habe ich viele Artikel in ihrem Buch bereits gelesen...
Schön einmal eine andere , wahre Darstellung über das Leben, die Flucht, das Ankommen in einem fremden Land,,,die positive und negative Einstellung der ortsansässigen Landleute erzählt zu bekommen. Einmal Tatsachen über Flüchtlinge zu erfahren, nicht die vom braunen Mob ansonsten überall geschriebenen und unter unwissende verängstigte Menschen gestreute Feindseligkeiten und Falschmeldungen oft nur aus Neid und Mißgunst gegen die unermüdlichen aufopferungsvollen Betreiber einer Asylunterkunft.
Frau Steiner gebührt höchste Bewunderung und Hochachtung!
Auch von Seiten der Gemeinde Weitensfeld , bringt sie doch diesem ländlichen Ort viel an Kaufkraft , und sichert durch ihren Betrieb so manchen Arbeitsplatz. Schule, Kaufhaus, Ärzte und besonders öffentliche Abgaben und Gebühren an die Gemeinde!

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