Bilder statt Worte Emojis beschäftigen auch die Wissenschaft

Smileys und ihre Nutzen oder wie ein Sortiment bunter Gesichter liguistische Grenzen und Sprachbarrieren überwindet.

Bilder sprechen Bände: Demonstranten mit Emoji-Masken © AP
 

 Mit 176 Bildern fing alles an - inzwischen gibt es weit mehr als 2.000 Emojis. Um eine heterogene Gesellschaft zeigen zu können, werden immer wieder neue aufgenommen. Obwohl es Tausende Emojis gibt sind viele Nutzer mit der Auswahl nicht zufrieden: Sie fühlen sich nicht repräsentiert. Die Smileys und ihre Nutzer beschäftigen inzwischen auch die Wissenschaft.

Ein ganzes Sortiment bunter Gesichter steht zur Verfügung - hellhäutige und dunkelhäutige Köpfe, Smileys mit langen und kurzen Haaren, mit Bart oder Knutschmund. Aber sie bleiben abstrakt: Das eigene Gesicht? Gibt es natürlich nicht. Aber auch Prominente wie Angela Merkel, Schauspieler Ryan Gosling oder Sänger Ed Sheeran sind zwar quasi allgegenwärtig - aber in der Smiley-Liste im Messenger sucht man sie vergeblich.

Bilder und Nachrichten

Anatol Stefanowitsch forscht an der Freien Universität Berlin zu den kleinen bunten Bildern und wie Menschen sie in sprachlichen Nachrichten verwenden. Den Sprachwissenschafter beschäftigen auch kulturelle Fragen: Wie sehr sollten Emojis ausdifferenziert sein? Und wo sind die Grenzen?

Genau 2.623 Emojis können derzeit auf den diversen Plattformen der sozialen Medien benutzt werden, wie das Unicode-Konsortium auf seiner Homepage auflistet. Die Vereinigung mit Sitz in den USA erstellt Richtlinien für moderne Software - unter anderem auch für Emojis.

Wer möchte, kann Unicode sogar eigene Symbole vorschlagen. Wichtig dabei sind die Begründung und die grafische Eindeutigkeit - und Geduld. Bis zur Umsetzung kann es Jahre dauern. Stetig bekommen die Experten neue Wünsche auf den Tisch und müssen entscheiden: Wird dieses Bildchen ins Programm aufgenommen?

Emojis mit Kreuz und Kippa

Längst geht es dabei um mehr als Farben und Formen: In der neuen Unicode-Version 10 soll es etwa einen Emoji mit Kopftuch geben. Das werde erst der Anfang sein, prognostiziert Stefanowitsch Emojis mit Kreuz um den Hals oder Kippa auf dem Kopf: "Indem man einmal angefangen hat, Bevölkerungsgruppen zu berücksichtigen, kommen jetzt immer mehr Wünsche." Das ist keinesfalls als Kritik gemeint. Es zeige, dass Emojis, gerade für die Generation der Digital Natives, wichtig sind. Für viele sind sie mehr als nur Symbole, die eine Stimmung oder Tätigkeit zeigen: Menschen wollen sich darin wieder erkennen.

Aber wie weit kann das gehen? Bei den Hautfarben ist es noch einigermaßen übersichtlich. Doch was ist mit Gesichtern, Augenformen, Haarfarben? In Schottland gab es eine Petition, die forderte: Unicode brauche auch rothaarige Emojis. Diese könnten nächstes Jahr kommen, beim Konsortium wurde Anfang des Jahres darüber diskutiert.

Rote Haare

Man habe sich konsequent auf den Pfad begeben, wo immer mehr ausdifferenziert wird, beobachtete Stefanowitsch. Das ließe sich weiter bis ins Unendliche treiben. Die logische Grenze wäre erst da, wo jedes Individuum alle für sich wichtigen Merkmale wiederfindet. An roten Haaren sehe man ja, dass es nicht nur um ethnische Gruppen geht, sondern um Äußerlichkeiten.

Schrift allein genügt den Ansprüchen digitaler Kommunikation schon längst nicht mehr. Zu diesem Urteil kam auch schon die britische Wörterbuch-Institution Oxford Dictionaries. Deren Präsident, Casper Grathwohl, erklärte 2015: Das klassische Alphabet könne kaum mehr die Bedürfnisse der schnellen, visuell fokussierten Kommunikation dieses Jahrhunderts erfüllen.

Untertöne

Emojis seien flexibel, unmittelbar und transportierten Untertöne, so Grathwohl damals. "Sie überwinden linguistische Grenzen." Und je mehr Emojis es gibt, desto grenzenloser scheint die Vielfalt, sich mit den kleinen Grafiken lebhaft und treffend auszudrücken. Vor zwei Jahren hatten die Sprachexperten von der Insel einen Tränen lachenden Smiley zum Wort des Jahres gekürt - das emotionale Bildchen war den Experten Wort und Ausdruck genug

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