Ins "Herz der Demokratie" wird man am Nationalfeiertag (26. Oktober) vorgelassen: Nicht nur werden von Parlament bis Bundeskanzleramt die Türen für die Bevölkerung geöffnet, sondern man lockt überdies mit einigen kulturellen Programmpunkten. Traditionell musikalisch wird der Feiertag von den Symphonikern begangen bzw. umrandet und etliche Museen laden zum Kunstgenuss bei freiem Eintritt.

Dem "Herz der Demokratie" begegnet man im Parlament, das zum Tag der offenen Tür lädt (im übrigen auch am 27. Oktober). Vor der vorübergehenden Schließung des Hohen Hauses aufgrund der Sanierung gibt es dabei auch ein so betiteltes Kunstprojekt zu erleben, das die Besucher zur intensiveren Auseinandersetzung mit Demokratie und Parlamentarismus anregen soll. Dazu bespielt die Künstlergruppe "wenn es soweit ist" verschiedene Räumlichkeiten im Gebäude.

Autorin Juli Zeh liest im Parlament
Autorin Juli Zeh liest im Parlament © ORF

Jacqueline Kornmüller und Peter Wolf haben dafür acht Autoren eingeladen, sich nicht nur mit dem Begriff Demokratie auseinanderzusetzen, sondern sich auch über Österreich Gedanken zu machen. Die illustre Teilnehmerliste umfasst Juli Zeh, Christine Nöstlinger, Milena Michiko Flasar, Paulus Hochgatterer, Clemens Setz, Martin Pollak, Franz Schuh und Angelika Reitzer. Vor Ort werden die Texte von Schauspielern und Musikern umgesetzt, wobei die einzelnen Szenen rund zehn Minuten dauern sollen und laufend wiederholt werden.

Zwischen Geschichtsstunde, Service-Leistung und Kinderunterhaltung changiert man im Bundeskanzleramt, wo zwischen 12 und 17 Uhr nicht nur die diversen Büros besichtigt werden können, sondern eine Ausstellung des Staatsarchivs auch die "Anfänge der Republik" beleuchtet und für die Kampagne #GegenHassimNetz eigene Unterstützungspostings kreiert werden können. Infostände gibt es zu "Digitales Österreich & E-Government", während sich Zauberer, Kinderschminken und eine Physikstation an die jüngsten Besucher richten. Für die musikalische Umrahmung sorgt die Hofmusikkapelle mit den Wiener Sängerknaben.

Ihre Pforten öffnen auch das Wissenschaftsministerium und das Bildungsministerium. Erstmals zu einem Tag der Offenen Tür lädt der Verfassungsgerichtshof auf der Freyung (13 bis 17 Uhr), auch im Justizpalast am Schmerlingplatz, wo u.a. der Oberste Gerichtshof seinen Sitz hat, gibt es kostenlose Führungen durch das historisch und architektonisch interessante Gebäude (10 bis 18 Uhr).

Zahlreiche Museen mit gratis Eintritt

Vielfältig sind die Angebote am Nationalfeiertag auch für Kunstinteressierte: Das mumok im Museumsquartier bietet stündlich Führungen in Deutsch, Englisch, Französisch und Slowakisch an, wenige Schritte weiter lädt das Leopold Museum zu (wie an Feiertagen und Sonntagen üblich) Gratis-Überblicksführungen. Der Schnittmenge aus "Lust. Kontrolle. Ungehorsam" begegnet man hingegen bei der aktuellen Sex-Ausstellung im Wien Museum, die man wie auch die zum Haus gehörende Hermesvilla am Stadtrand bei freiem Eintritt besuchen kann.

Der Prunksaal der Nationalbibliothek
Der Prunksaal der Nationalbibliothek © APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Auch die Österreichische Nationalbibliothek lädt zum Tag der offenen Tür mit freiem Eintritt in allen Häusern - von Prunksaal, Esperanto-, Globen- und Literatur- bis zum Papyrusmuseum. So kann man einerseits die aktuelle Ausstellung "Der ewige Kaiser. Franz Joseph I. 1830 - 1916" erkunden oder sich im Papyrusmuseum über das Schulwesen der alten Ägypter aufklären lassen. Angeboten werden überdies einzelne Kurzführungen, Kinderführungen im Prunksaal unter dem Motto "Entdecke die Bibliothek" sowie Esperanto-Crash-Kurse im Esperantomuseum. Wirklich laut wird es nicht nur bei der traditionellen Bundesheer-Leistungsschau, die aufgrund der beginnenden Umbauarbeiten am Heldenplatz heuer an verschiedenen Plätzen in Wien stattfinden wird, sondern auch im Heeresgeschichtlichen Museum im Arsenal, wo um 11 Uhr der K.u.K Kanonendonner stattfindet.

Die Wiener Symphoniker spielen gleich zweimal ein Konzert zum Nationalfeiertag - allerdings am Tag davor sowie danach. Unter der Leitung von Robin Ticciati und mit Violinist Renaud Capucon als Solist bemüht man dabei laut Programmankündigung die Achse Wien-Köln und rückt Max Bruch sowie Anton Bruckner in den Mittelpunkt. Das kann man am 25. und 27. Oktober im Großen Saal des Wiener Konzerthauses verfolgen.