Konzertkritik 2Beethovens verrückte Energie

"An der Kante zur Katastrophe wandeln": Dirigentin Karina Canellakis zeigte bei der styriarte in Ludwig van Beethovens 2. und 7. Symphonie viel Kraft und starke Kontraste. Von Eva Schulz

Mit 2 x 2 Beethoven-Symphonien in Graz erfolgreich und schon wieder retour in Dallas: Karina Canellakis © STYRIARTE/KMETITSCH
 

„Beethoven 1 + 8“ wurde schon am Samstagabend mit Standing Ovations belohnt, Karina Canellakis eroberte gemeinsam mit dem wunderbaren Concentus Musicus Wien auch am Sonntag mit „Beethoven 2 + 7“ das Publikum im Sturm.


Die herrlichen Bläsersoli in den ersten Takten von Beethovens 2. Sinfonie waren gleichsam ein Versprechen, und im 2. Satz spürte man deutlich, dass dieser für die New Yorkerin „eines der schönsten Werke überhaupt“ ist: dolce, gesanglich und traumvoll. Da das Allegro molto technisch sehr schwer und unglaublich schnell zu spielen ist, muss es viel geprobt werden; um den Witz, die Pointen herauszuarbeiten, muss das Orchester bei der Aufführung aber musizieren wie beim ersten Mal, hatte die 34-Jährige davor erläutert. Die damit erzielten Überraschungseffekte gingen meisterlich auf.


Ein starker Kontrast war danach Beethovens 7. Sinfonie. Ganz trocken und in reduziertem, fast tonlosem Gestus begann der 2. Satz, als ob jemand sprachlos vor Kummer wäre. Nach und nach kam das erstarrte Gefühl zum Ausbruch, Trost und Erlösung klangen an, und das Thema kehrte beredter wieder. In der Einführung hatte Canellakis auch Harnoncourts Bekenntnis zitiert, Musiker müssten immer „an der Kante der Katastrophe wandeln“. Ihr Anliegen, die „verrückte Energie Beethovens“ zu zeigen, gelang vortrefflich im rasenden 3. und 4. Satz der Sinfonie, einem Kraftakt, der Bravorufe und – erneut – Standing Ovations hervorrief.

Hörfunkübertragung am 12. Juli um 10.05 Uhr in Ö1

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