Flüchtlingskrise

Ursula Strauss: "Ich verstehe diese Bürokratie nicht"

"Es wird der Zivilgesellschaft so schwer gemacht, Flüchtlingen zu helfen", ärgert sich die Schauspielerin Ursula Strauss über den politischen Umgang mit der Flüchtlingskrise. Auch andere Schauspieler äußern sich zur aktuellen Situation.

URSULA STRAUSS
URSULA STRAUSS © APA/HANS PUNZ
 

"Es wird der Zivilgesellschaft so schwer gemacht, Flüchtlingen zu helfen. Ich verstehe diese Bürokratie nicht", ärgert sich die Schauspielerin Ursula Strauss über den politischen Umgang mit der Flüchtlingskrise. "Ich höre immer nur den Satz 'Wir treffen uns jetzt zu wichtigen Gesprächen'", sagt sie im APA-Gespräch. "Ich habe das Gefühl, das wiederholt sich wie ein Mantra wöchentlich."

Sie verstehe nicht, warum Entscheidungen so lange dauern. "Es ist ja schon ganz lange klar, dass das auf uns zukommen wird. Aber ich habe das Gefühl, es gibt vonseiten der Politik immer nur Ersatzhandlungen." Sie könne das Unbehagen einzelner Menschen zwar nachvollziehen, aber Angst sei nicht der richtige Zugang. "Ich glaube nicht, dass ein Verschließen der Augen, der Herzen und der Grenzen uns weiterbringen wird."

Überwältigt ist sie von der Hilfsbereitschaft der Zivilgesellschaft. "Ich glaube, dass den Menschen, sobald sie einander gegenüber stehen, viel klarer wird, was das bedeutet und wie schrecklich die Situation der Geflüchteten ist und sie nicht kommen, um uns etwas wegzunehmen." So sieht Strauss nicht ein, warum der Arbeitsmarkt nicht geöffnet wird. Jetzt gehe es darum, Erste Hilfe zu leisten und die Menschen so schnell wie möglich zu integrieren. "Wir in Europa haben uns etwas erarbeitet und hängen uns auf die Fahnen, dass jeder Mensch in Freiheit leben soll. Hört das bei einer Grenze auf? Wenn das so weiter geht, nehmen wir uns selbst die Glaubwürdigkeit."

 

Andreas Lust
Andreas Lust Foto © EPA

Als "beschämend" bezeichnet auch ihr heimischer Schauspielkollege Andreas Lust das Verhalten der Politik. "Die Grenzen sind erst in dem Moment aufgegangen, als klar war, dass die Flüchtlinge eh nicht in Österreich bleiben wollen. Und dann schreiben sich die Entscheidungsträger die Solidarität groß auf die Fahnen", betonte der Wahlberliner, der mit Strauss u.a. in der ORF-Serie "Schnell ermittelt" und in Götz Spielmanns "Revanche" mitwirkte, im APA-Gespräch. "Diese Falschheit, dieses Nichtreagieren ist noch nie so deutlich geworden wie jetzt." Auf die Politiker "Druck zu machen", halte er dementsprechend für das Wichtigste. "Es ist toll und wichtig, dass die Zivilgesellschaft hilft, aber schließlich und endlich müssen Staaten reagieren."

 

Daniel Brühl
Daniel Brühl Foto © APA/GEORG HOCHMUTH

Auch der deutsche Erfolgsschauspieler Daniel Brühl sieht seine Heimat Deutschland in der Pflicht, den Flüchtlingen zu helfen: "Man hat als Land, das seit Jahrzehnten einen Wohlstand hat, der seines Gleichen sucht, eine Verpflichtung, diesen Menschen zu helfen." Zugleich vermisst der 37-Jährige noch eine Langfriststrategie der Europäischen Union, wie er kürzlich gegenüber der APA unterstrich: "Auf lange Sicht hin muss sich ganz Europa darum kümmern, sich auch in den Herkunftsländern zu engagieren, denn die Menschen wollen ja nicht aus ihrer Heimat weg. Die wollen eigentlich bei sich bleiben, aber sie können dort nicht leben." In jedem Falle sehe Europa einer turbulenten Phase entgegen: "Es sind alles andere als rosige Zeiten."

Kommentare (6)

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serge41
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Ifo- Institut München 2

"Sie sind schlecht für den deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet. Neben Deutschkursen muss Deutschland auch in Berufsbildung investieren, was zusätzliche Kosten verursachen wird."
Viele Flüchtlinge wden dauerhaft in Deutschland bleiben und Familienangehörige nachholen. Der Migrationsdruck aus Nordafrika und dem Nahen Osten werde allein schon wegen der demographischen Situation in diesen Ländern hoch bleiben.
Damit die Flüchtlingskrise nicht zu einer andauernden finanziellen Überlastung des deutschen Steuerzahlers führen würde, müssen Flüchtlinge dem Institut zufolge so schnell wie möglich in bezahlte Beschäftigung kommen, so dass sie selbst zu ihrem Lebensunterhalt beitragen können. Es stehe zu befürchten, dass viele von ihnen bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro keine Beschäftigung finden, weil ihre Produktivität schlicht zu gering sei. Daher sei der Mindestlohn generell abzusenken, so dass keine zusätzliche Arbeitslosigkeit entstehe.
Eine Anhebung der Hartz-IV-Regelsätze in der gegenwärtigen Situation sei mit Nachdruck abzulehnen, weil dies die Anreize der Immigranten, Arbeit aufzunehmen, verringern und zu zusätzlichen fiskalischen Lasten führen würde.
Modellsimulationen des ifo Institutes zeigen ferner auf, dass selbst im Falle einer Aussetzung des Mindestlohngesetzes und stabiler Hartz-IV Sätze eine unterstellte sofortige Integration der Einwanderer in den deutschen Arbeitsmarkt nicht zu einem Gewinn für die deutsche Volkswirtschaft führen würde. Zwar gebe es auf dem Arbeitsmarkt Vorteile, doch werden diese durch erhöhte Arbeitslosigkeit und Nettotransfers an die Immigranten überkompensiert.

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serge41
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Ifo- Institut München!


Die Forscher aus München merken weiter an, dass die Qualifikationsstruktur der Einwanderer aus den Krisenstaaten Syrien, Irak, Nigeria und Afghanistan wahrscheinlich schlecht sei. Nach Daten der Weltbank liege selbst unter den 14-24jährigen der Anteil der Analphabeten in diesen Ländern bei 4, 18, 34 und 53 Prozent. Der Anteil der Hochschulabsolventen betrage selbst im entwickeltesten dieser Länder (Syrien) nur 6 Prozent; die Gleichwertigkeit der Diplome mit deutschen ist in vielen Fällen nicht gegeben. Flüchtlinge seien zwar eher männlich und jünger als die Durchschnittsbevölkerung, dennoch sei klar. Wörtlich schreibt das ifo-Institut:

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Ichweissetwas
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Liebe Frau Strauss, sie haben sicher genügend Platz und Geld,

um auch hier tatkräftig auszuhelfen!!!!

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spaceview
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Ihr Künstler...

hauts Euch über die Häuser!!!!

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pesosope
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Liebe Fr. Strauss

ich verstehe auch vieles nicht, warum z. B. nur Künstler für die Ausübung ihres Berufes gefördert werden und auch bei großzügigen Gehältern oder Gewinnen das Geld niemals zurückzahlen müssen, warum es in Österreich keine Vollbeschäftigung gibt, warum für Österreicher das Sozialsystem immer schlechter wird, warum der Staat ungestraft Verluste machen darf, warum die Politiker niemals für Misswirtschaft zur Verantwortung gezogen werden usw. usw. usw. ... Und Sie regen sich über die angeblich mangelhafte Versorgung von Flüchtlingen auf, die keinen Schutz mehr suchen, sondern nur eine wirtschaftlich interessante Bleibe. Was denken Sie sich dabei eigentlich?

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serge41
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Es wird schon wieder die Moralkeule geschwungen!

Wenn jemand so gut Ausgebildet ist wie ja fast alle Asylanten, dann sind Sie als normale Zuwanderer zu sehen und können sofort arbeiten!
Sie bräuchten auch keine teure Hilfe oder Mindestsicherung von uns!
IFO Institut München veröffentlicht.
Die Forscher aus München merken weiter an, dass die Qualifikationsstruktur der Einwanderer aus den Krisenstaaten Syrien, Irak, Nigeria und Afghanistan wahrscheinlich schlecht sei. Nach Daten der Weltbank liege selbst unter den 14-24jährigen der Anteil der Analphabeten in diesen Ländern bei 4, 18, 34 und 53 Prozent. Der Anteil der Hochschulabsolventen betrage selbst im entwickeltesten dieser Länder (Syrien) nur 6 Prozent; die Gleichwertigkeit der Diplome mit deutschen ist in vielen Fällen nicht gegeben.

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