BildungsreformZeugnis ohne Noten: Nichts ist fix

Noch ist offen, ob es zur angekündigten Abschaffung der verbalen Beurteilung kommt. Bildungsministerin Elisabeth Meixner will in Wien Klarheit erlangen.

Erst am Ende der vierten Volksschulklasse muss es derzeit Noten geben - Pädagoginnen kämpfen um die Möglichkeit einer alternativen Beurteilung auch in Zukunft © lassedesignen - Fotolia
 

Anfang April pilgern Österreichs Bildungsdirektoren nach Wien, um vom Bildungsministerium endgültig zu erfahren, wie die Pläne für das kommende Schuljahr ausschauen. Ein nicht unwesentliches Detail: die Noten im Pflichtschulbereich, die derzeit auch in verbaler Form ausgestellt werden können. Derzeit ist das in der Steiermark in 90 Prozent aller ersten und zweiten Klassen der Fall.

Die Regierung will wieder Noten haben, auch in jenen Schulen, die sich für eine alternative Leistungsbeurteilung entschieden haben, zum Beispiel Lernzielkataloge, Portfolios oder Kompetenzraster. „Das wäre ein Rückschritt um 50 Jahre“, warnen Susanne Moosbrugger, Brigitta Hribernig und Sabine Ifkovich.

Susanne Moosbrugger: "Die Rückkehr zu den Noten wäre ein Rückschritt um 50 Jahre" Foto © KK

Sie unterrichten an den Volksschulen Mariagrün, Kalkleiten und St. Oswald, und sie sind bei „Schule im Aufbruch“ engagiert, einer Initiative, in der sich Schulen zusammengeschlossen haben, die neue Methoden erproben und weitergeben.

Warum keine Noten?

Drei Gründe nennen die Lehrerinnen. Erstens geben Noten keine Rückmeldung darüber, was die Schüler können. Vor allem auch nicht darüber, was genau sie nicht können.
Zweitens wurde nach 25 Jahren der Schulversuche die alternative Leistungsbeurteilung im Juli 2016 gerade erst ins Gesetz aufgenommen: Das Schulforum entscheidet an Volks- und Sonderschulen, ob bis einschließlich der 3. Klasse nach Noten oder in alternativer Form beurteilt wird. Nur am Ende der 4. Klasse gibt es immer Noten.

Und drittens war die Möglichkeit einer alternativen Leistungsfeststellung die Bedingung für die Abschaffung der Vorschule vor ein paar Jahren, denn: Für die ersten zwei Jahre darf das Kind jetzt drei Jahre brauchen. Frühestens am Ende der dritten Klasse kann es daher eine abschließende Note geben.

Für die Lehrerinnen und Lehrer ist diese Form der Beurteilung viel Arbeit. Aber sie führt zielgerichteter zu Lernfortschritten. „Es ist die Sicht auf die Kinder. Sie ist anders“, formuliert Moosbrugger.

Brigitta Hribernig: "Es geht eben nicht nur um die kognitiven Fähigkeiten wie Schreiben oder Rechnen." Foto ©

„Es werden nicht nur die kognitiven Fähigkeiten benannt und gefördert, sondern das eigenständige Denken, die Kreativität, die Teamfähigkeit“, sagt Hribernig. „Genau die Fähigkeiten, die später, im Beruf, von der Wirtschaft verlangt werden“, ergänzt Ivkovich.

Sabine Ifkovich: Die verbale Beurteilung kann auf genau die Fähigkeiten Bezug nehmen, die später im Beruf verlangt werden." Foto © KK

Sie hoffen. Dass der Minister sich bei den Lehrerinnen und Lehrern erkundigt, warum sich so viele Schulen für die alternative Leistungsbeurteilung entschieden haben. Dass Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner ihr Anliegen in Wien vertritt.

Zuviel Bürokratie

Meixner geht davon aus, dass die Schulen auch künftig ausreichend Spielraum für eine verbale Beurteilung haben werden. Die Wurzel des aktuellen Übels sieht sie in dem Umstand, dass das Ministerium im Zuge der gesetzlichen Verankerung 2016 ein Übermaß an zusätzlicher Bürokratie verordnet habe. „Da ist es nicht verwunderlich, dass auch viele skeptisch geworden sind.“

Im Ministerium selbst zeigt man sich – im Gegensatz zur Ankündigung vom Herbst, die schon recht fix geklungen hatte – wieder gesprächsbereit: Was hier im Detail umgesetzt werde, sei noch zu erörtern, heißt es.

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Danke für Ihr Verständnis.

KarlKapper
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Meine Noten waren recht gut...

...während meiner Pflichtschulzeit. Die erste "richtige Prüfung" war der Führerschein: einerseits der Fahrschulunterricht in Theorie und Praxis und andererseits die amtlichen Prüfer.
So weit will das Bildungsministreium offensichtlich nicht gehen - dann könnten Schulen bewertet und verglichen werden!

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Aleksandar
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Sinnlose Diskussionen

Kein/e Lehrer/in gibt kommentarlos Noten. In der Regel sind Kinder, die von engagierten Lehrer/inne/n unterrichtet werden (sowie die Eltern dieser Kinder) über den Leistungsstand informiert und erfahren von (egagierten) Lehrer/innen auch kontinuierlich, was zu tun ist usw. Eine Note ist dann nichts anderes als eine auf vielen Informationen beruhende, grobe Verdeutlichung des derzeitigen Standes. "Verbale" Beurteilungen sind oft "Geschichten", die mehr schaden als nützen können, stilistisch holprig oder Satzbausteine, die formalisiert sind und somit Noten entsprechen. Lernzielkataloge sind ebenso subjektiv wie Noten. Es ist im Grunde egal, ob Noten odr nicht, wichtig ist die Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Noten haben zweifellos Vorteile, vorausgesetzt, die Lehrer/innen arbeiten transparent.

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