UniversalistIch trage viel Verantwortung am Wörthersee

Richard Siding wird Bootsbauer. Auch sein Chef Wolfgang Schmalzl machte einst diese Lehre.

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Handfertig und behutsam poliert Richard Siding am Mahagoni-Deck die Zierleisten auf. „Die Beschläge liefern uns die großen Bootshersteller Boesch und Pedrazzini aus der Schweiz. Die Tischlerarbeiten machen wir alle selbst. Außer Mahagoni ist Teakholz für die Decks der wichtigste Rohstoff für uns“, erzählt er.

„Jetzt im Winter gibt es viel Reparaturarbeiten. Für die Bootsmotoren muss man sich auskennen wie ein Kfz-Mechaniker. Da es auch viele Elektroboote gibt, muss man auch bei Elektrik versiert sein. Ein Bootsbauer muss als Tischler, Schlosser, Elektriker und Mechaniker von allem was können. Diese Vielseitigkeit taugt mir.“

Nur eine Handvoll Bootsbauerlehrlinge gibt es in ganz Österreich. Die Berufsschule besucht Siding in Kremsmünster, doch seine Lehrstelle hat er an einem besonderen Mittelpunkt der Bootswartung und -erzeugung – in seinem Heimatort Velden am Wörthersee. Die Bootswerft auf der Südseite der Veldener Bucht gehört Wolfgang Schmalzl (64) und auch der Chef selbst hatte einst die Bootsbauerlehre gemacht: „Mir war das schon in die Wiege gelegt.“

Bootsbau Schmalzl Lind ob Velden Schmalzl sen.
Foto © Weichselbraun Helmuth
Vater Ernst Schmalzl (89) hatte 1959 am Ossiacher See die erste Bootswerft begründet, seit 1967 ist der Familienbetrieb am Wörthersee, 1989 übernahm ihn Wolfgang Schmalzl. „Ich habe nach der HTL Villach für Tischlerei und Raumgestaltung auch noch eine zweite Lehre als Bootsbauer gemacht. Heute ist es ein verbundenes Gewerbe. Bootsbauer dürfen auch Tischlerarbeiten machen und ein Tischler darf auch Boote bauen.“

Bootsbauer ist eine Lehre, die niemals aufhört.

Wolfgang Schmalzl
„Ich bin mit Booten aufgewachsen“, erzählt Lehrling Richard Siding über seine eigene Berufsorientierung. Nach Gymnasium-Unterstufe in Klagenfurt und Kärntner Tourismusschule in Villach bis knapp zur Kochlehrabschlussprüfung gab er sich einen Ruck: „Ich fragte bei meinem jetzigen Chef, ob er jemanden zum Arbeiten braucht. Nach einer Probearbeit und einer Woche Probezeit war ich engagiert. Jetzt bin ich im dritten Lehrjahr und froh. In der Tourismusschule spürte ich trotz ausgezeichneter Noten, dass das nicht mein Leben werden wird. Jetzt blühe ich auf, weil ich mache, was mich interessiert“, erzählt der 22-Jährige.

7 Fakten, die Sie wissen müssen

  1. „In der Lehre lernt man wirklich für das Leben, deshalb soll man sich das aussuchen, wofür man sich interessiert“, sagt Bootsbauerlehrling Richard Siding.
  2. „Man muss hier als Tischler, Schlosser, Elektriker und Mechaniker von allem etwas können“, beschreibt Siding den Beruf des Bootsbauers.
  3. „Man sollte ein Interesse für das Wasser und für den Wassersport haben“, so Lehrherr Schmalzl.
  4. „Es ist ein Beruf, der geistig fordert und ein sehr verantwortungsvolles Arbeiten verlangt. Bei schlechter Arbeit würde ein Boot absaufen können“, betont Schmalzl.
  5. „Auch später hört die Ausbildung nie auf. Es gibt technologisch riesige Fortschritte“, so Schmalzl.
  6. Interessant: Die Bootsbauerlehre ist auch Tischlerlehre. Bootsbauer dürfen als Tischler arbeiten, Tischler Boote bauen.
  7. Berufsschule/dreijährige Ausbildung/Bootsbauerlehrlinge in Kremsmünster. Bezahlt wird nach Tischler-KV. Details unter:
    www.bs-kremsmuenster.ac.at
Richard Siding ist einer von zwei Lehrlingen und 20 Mitarbeitern, die Wolfgang Schmalzl beschäftigt. „Im Winter haben wir Arbeit in der Werkstatt in Lind ob Velden. Zum Beispiel mache ich den Unterwasser-Antifouling-Anstrich bei den Booten.“ Und es werden auf Bestellung auch eigene Elektroboote gebaut – „die Julika 660“, erzählt Schmalzl, der seine Ausbildung zum Bootsbauermeister im Ausland bei den berühmten Unternehmen Pedrazzini und Boesch am Zürichsee perfektioniert hatte.

Nebenbei lernte er selbst auch noch Segelmacherei bei Hubert Raudaschl, dem er 1980 bei Olympiasilber in Russland im Team und als Ersatzmann beistand. „Bootsbauer, das ist eine Lehre, die niemals aufhört“, sagt Schmalzl, dessen Werkstatt bis hin zur eigenen Spritzhalle modern ausgerüstet ist.

Foto © KK
Schmalzls Werft in der Veldener Bucht ist der wichtige Anlaufhafen für rund 900 Segelboote und über 700 Motor- und Elektroboote, von den gewerblichen Booten der Wörtherseehotels bis zu den Luxusbooten der Wörthersee-High-Society. „Im Frühjar werden die Boote ins Wasser gekrant, im Sommer wird es einem nie fad“, erzählt Richard Siding. „Da muss ich auch Boote zu Kunden am Wörthersee ausliefern oder Probefahrten machen.

Ich habe den Bootsführerschein seit letztem Sommer und bin sehr vorsichtig, damit nichts passiert. Zweimotorige Boote haben ja bis zu 800 PS. Auch bei den Arbeiten und Reparaturen an den Booten muss alles passen, damit Bootsinsassen nichts passiert. Mit meinem Beruf trage viel Verantwortung am Wörthersee“, sagt der Lehrling stolz.
„Das verantwortungsvolle Arbeiten ist sehr wichtig“, betont auch Firmenchef Schmalzl.

Wenn man das macht, wofür man sich interessiert, blüht man auf.

Richard Siding
Nach einem Brand durch elek­trischen Kurzschluss, der 2009 die Werft und 14 Boote ein­äscherte, baute er mit dem Boot-Cube eine vollautomatische Bootsgarage, in der 22 Boote auf drei Ebenen vollautomatisch geschlichtet werden. Ein patentiertes Modell, für das man ihn auch schon in Deutschland und der Schweiz beauftragt.

„Der Chef ist der Chef, aber er ist ein großzügiger Lehrherr und geht auf uns Mitarbeiter ein“, hat Siding ein Vorbild. „Ich will auch einmal die Meisterprüfung machen. Dafür nehme ich mir ein paar Jahre Ausbildung Zeit. Bootsbauer zu werden, ist nicht leicht und man lernt immer etwas dazu.“ Inzwischen genießt er seinen verantwortungsvollen Job am Wörthersee. „Natürlich kenne ich fast alle Boote und auch viele Prominente am Wörthersee. Hier erlebe ich wirklich sehr viel.“

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