Wie macht man als Ninja Karriere?

KÄMPFER. Eine Karriere reicht ihm nicht: Runtatstic, Youtube-Trainer, Fernsehstar. Ach ja, Herwig Natmessnig aus Klagenfurt ist Sportwissenschaftler – mit erstaunlichen Folgen.

"Es geht darum, sich selbst Ziele zu stecken. Sonst weiß man nicht, worauf man hinarbeitet." © Jakob Lehner
 

Ohne Karriere-Umwege über Runtastic, App-Entwicklung und als Youtube-Lauftrainer geht’s anscheinend auch bei Herwig Natmessnig nicht. Als Sportwissenschaftler wagte er sich in die „Ninja Warrior“-Show des Fernsehsenders RTL. Dort soll der härteste Hindernisparcours Deutschlands bewältigt werden, für die Teilnehmer stehen parat: „Rad-Flug“, „Steilkurve mit Seil“, „Schwingende Stäbe“ ... Natmessnig war mit seinen 36 Jahren der älteste Finalteilnehmer. Ausgerechnet bei den Hangel-Stäben „verkantete“ sich der gebürtige Klagenfurter im Finale. „Ich war unter Zeitdruck und bin schief abgesprungen. Mir bleibt der Spaß, mitgemacht zu haben“, analysiert er im Nachhinein. Ohne Enttäuschung reflektiert er: Der Sport habe ihn das Körpergefühl gelehrt, das Prioritätensetzen, die Selbstreflexion. Auch wenn man scheitert, bleibt sein Motto: „Alles, was man tut, muss man mit Freude tun. Da muss man seine Energie reinlegen, egal, welcher Bereich es auch ist.“

Einen konkreten Berufswunsch hatte er nie. Aber dass sich sein Beruf um den Sport drehen soll, das wusste er immer schon. Nach dem Bachmann-Gymnasium in Klagenfurt hat Natmessnig – wie schon seine Eltern, beide waren Gymnasialprofessoren, – Sportwissenschaften und Geografie in Graz studiert, sowie Zusatzausbildungen in Ernährungswissenschaft und als medizinischer Masseur gemacht. Sein Diplomthema: „Aerobes Intervalltraining auf Handkurbel-Ergometer unter Berücksichtigung ergometrischer Kenndaten“. Das alles schaffte er parallel während seiner 14 Jahre im österreichischen Kanu-Nationalteam. Von 2005 bis 2012 betrieb er den Sport professionell, als Angestellter im Heeressportzentrum. Die Trainingslager führten ihn mehrmals um die Welt. „Ich war sechs Mal in Südafrika, sieben Mal in Australien.“ Zwar erfüllte er, vielfacher Staatsmeister, EM- und WM-Teilnehmer, auch die Olympia-Normen, verlor aber das Ausscheidungsverfahren gegen einen Teamkollegen und verabschiedete sich aus dem Sportfördersystem. 

SO MACHT NATMESSNIG KARRIERE

Bezug zum eigenen Körper aufbauen, Signale hören – das schützt auch vor Burn-out

- herausfiltern, was Priorität hat, den Rest auch einmal liegen lassen können
- hinterfragen, was man tut, Selbstkritik ist wichtig
- Englisch lernen – am besten schon im Kindergarten
- ehrliche Leute um sich scharen, keine Schulterklopfer
- authentisch bleiben, sich entsprechend artikulieren, und dabei nicht verstellen



Da erreichte ihn ein Job-Inserat des Fitness-App-Entwicklers Runtastic. Nach drei Runden Assessment-Center (eine Art „Befragungs-Parcours“, womit wir wieder beim Thema wären, wie man die Talente eines Bewerbers herausfiltert) und einem Interview auf Englisch hatte er den Job. Natmessnig entwickelte Trainingspläne für Apps, war für den Blog zuständig (1,5 Millionen Leser im Monat), wirkte beim Youtube-Channel mit und wurde zum Inhouse-Laufexperten der expansiven jungen Firma. Dann machte er etwas, das für seine Generation bezeichnend ist: Als seine Arbeitszeit immer öfter mit dem Erstellen von Statistiken ausgefüllt wurde, nahm er den Hut, weil er nicht so viel vor dem PC sitzen wollte. Und er bewegte seine berufliche Karriere in eine andere Richtung: Als Leiter von zwei Studios des Alive 656-Clubs, der österreichweit 16 Fitnessstudios nach der EMS-Trainingsmethode (steht für: elektrische Muskelstimulation) betreibt.

Privat bleibt er sowieso aktiv, trainiert sechs bis acht Mal die Woche. Gemeinsam mit seiner Frau hat er sich in Seekirchen niedergelassen. Wie sein Zeitmanagement funktioniert? Natmessnig sagt nur: „Wenn man will, findet man Zeit. Man muss aber Erholungsphasen einbauen, um den Speicher aufzuladen.“ Dass er als Sportwissenschaftler einmal Jobprobleme bekommt, glaubt er nicht: „Die Menschen wollen ihre Gesundheit zunehmend optimieren. Deshalb wird das Potenzial für Gesundheitsberufe größer.“ Und die Ninja-Show? „Mal sehen“, sagt Natmessnig, „vielleicht mache ich nächstes Jahr wieder mit.“ Ohne Hin- dernisse geht’s eben doch nicht. 

ZUR PERSON

Herwig Natmessnig (36) stammt aus Klagenfurt. Er ist Sportwissenschafter, 26-facher Staatsmeister im Kanu-Slalom und gewann mehrfach den Dolomitenmann. Zuletzt sorgte er im TV-Format „Ninja Warrior“ für Aufsehen.

Kommentieren

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.