DigitalWie wird man YouTuber?

Rund 100.000 Euro im Monat, Millionen Follower – YouTube-Star als Traumberuf. Die Uniprofessorin Elke Höfler erklärt die Hintergründe – und warum fast nichts so ist, wie es scheint.

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Vielbegehrte Vlogger (kurz für Video-Blogger): Fragt man Jugendliche nach ihrem Berufswunsch, kommt ein Begriff schnell: „YouTuber“. Das sind die Stars von heute, so wie es früher eben Madonna oder Michael Jackson waren. Influencer, „Beeinflusser“, die über ihre Präsenz Klicks machen – und so ihr Geld verdienen. Spitzenverdiener kommen auf über 100.000 Euro monatlich.

Jetzt eifern viele eben nicht mehr Musikern oder Schauspielern nach, sondern Jugendlichen, die mit ihren Videos im Internet für Aufsehen sorgen. Und zwar „mit Verlaub mit eher belanglosen Themen“, wie Elke Höfler, Expertin für Neue Medien an der Karl-Franzens-Universität in Graz, betont. Mode, Kochen, Spiele, Schminktipps – das sind primär die Inhalte der deutschsprachigen YouTube-Vlogger. Gesellschaftskritik? Fehlanzeige. „Das ist in den USA anders, da gibt es viele Comedians, die durchaus aktuelle Themen anschneiden. Auch populärwissenschaftliche Inhalte funktionieren dort gut.“

Nicht planbar

Diese Themen seien es auch, die im deutschsprachigen Raum noch Potenzial hätten, analysiert Höfler. „Ansonsten ist eine Karriere als YouTuber sehr schwierig. Man kann sie nicht planen.“ Grundsätzlich brauche man dafür ein Thema: „Eines, womit man sich identifizieren kann, am besten eine Nische, die es noch nicht gibt.“ Darüber hinaus gehe es um Authentizität: „YouTuber nutzen die gleiche Sprache und sprechen dieselben Probleme an wie auch die Jugendlichen.“ Wichtig sei mittlerweile auch eine professionelle Videoausrüstung: „Zu Beginn des Hypes haben viele die Inhalte noch mit ihren Handys gefilmt – das reicht längst nicht mehr.“ Die großen Stars der Branche agieren auch professioneller, als es manchmal den Anschein hat. „Da läuft im Hintergrund eine riesige Marketing-Maschinerie – von eigenen Drehbüchern bis zur Vermarktung.“

Agenturen

Erreichen die Videos genug Likes, Kommentare und werden oft genug angesehen, können sich die Betreiber bei eigenen YouTube-Agenturen bewerben. In manchen Fällen melden sich die Agenturen auch beim Vlogger selbst. Von den angegebenen Produkten bis zum Fernsehinterview – all das managt dann die Agentur. „Dass es diese Agenturen gibt, wurde erst bekannt, als sich manche YouTuber von ihnen losgelöst haben, weil die Verträge teilweise offenbar sehr strikt in einem engen Rahmen gehalten werden.“ 

Wobei längst nicht mehr alles ausschließlich auf der digitalen Ebene abläuft. Die YouTube-Helden schreiben Bücher, kommen zu Autogrammstunden oder werden als besonderes Highlight zu Veranstaltungen geladen. „Damit verdienen You- Tuber natürlich genauso Geld wie für die Produkte, die sie in ihren Videos anpreisen, oder durch den Werbeanteil, den sie von der Videoplattform bekommen“, erklärt Höfler.

Der erfolgreichste Youtuber macht 15 Millionen Dollar im Jahr

Wer mit seinen Videos genügend Nutzer erreicht, kann gut verdienen: „Darüber spricht allerdings kaum ein Vlogger“, sagt Höfler, „vor allem, weil sich die YouTuber damit selbst entzaubern würden. Für sie ist es ja wichtig zu zeigen, dass sie so sind wie du und ich.“ Die Dimension ist jedenfalls enorm: "BibisBeautyPalace", der YouTube-Kanal von Bianca Heinicke, die erst vor drei Jahren in der Shopping City Seiersberg für Aufregung sorgte, weil Tausende junge Fans das Einkaufszentrum stürmten, hat mittlerweile 4,6 Millionen Abonnenten. Laut Manager-Magazin verdient sie 110.000 Euro im Monat, der erfolgreichste YouTuber, PewDiePie aus Schweden, laut Forbes 15 Millionen US-Dollar im Jahr. Eines der meistgesehenen Videos von Bibi aus Deutschland kommt auf 12,3 Millionen Aufrufe, das ist deutlich mehr als ein durchschnittlicher „Tatort“ im gesamten deutschsprachigen Raum. Der Beitrag hat auch noch fast 275.000 Likes.

Den Kampf um diese Reaktionen des jungen Publikums sieht Höfler kritisch: „Vor allem bei Jugendlichen, wenn sie unbegleitet einen Vlog starten.“ Sie hätten noch keine gefestigte Persönlichkeit und könnten mit Kritik, aber auch einem möglichen Hype um die eigene Person nicht umgehen.

Auch sollten User wie Macher kritischer sein: Fans sollten sich vielmehr mit den Stars und deren Vorlieben identifizieren können und nicht alles ungefiltert übernehmen. Schließlich sei nicht alles so, wie es scheint. „Es ist mehr als das Video aus dem Wohnzimmer.“ Auch hätten YouTube-Vlogs nichts mit Qualitätsjournalismus zu tun, sagt Höfler. Das werde bei den Konsumenten oft verwechselt. „Wenn, dann ist es am ehesten Boulevard, die Videos sind wahnsinnig zielgruppenorientiert und in erster Linie zur einfachen Unterhaltung gedacht.“

ZUR PERSON

Elke Höfler leitet den Fachbereich der Mediendidaktik an der Akademie für Neue Medien und Wissenstransfer der Karl-Franzens- Universitt in Graz. Sie lehrt außerdem an der PH Tirol sowie an den FHs in Kärnten und Burgenland. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte sind die sozialen Medien und damit auch die Vlogger-Szene.

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