Forschung aus Kärnten - PH

Sanfter Start statt Sprung ins kalte Wasser

Die neue Lehrerausbildung setzt auf Beobachtung und Reflexion, bevor die Bewährungsprobe in den Klassen beginnt.

Erst einmal selbst das Wasser austesten: Lehrer werden jetzt sanfter in den Beruf geführt
Erst einmal selbst das Wasser austesten: Lehrer werden jetzt sanfter in den Beruf geführt © Fotolia
 

Seit zwei Jahren ist an der Pädagogischen Hochschule Kärnten alles anders: Die Lehrerausbildung Neu brachte nicht nur Umstellungen für die Professoren, sondern auch für die zukünftigen Lehrpersonen. Die Junglehrer werden jetzt wesentlich „sanfter“ in den Beruf eingeführt.

„Früher konnte man das mit einem Sprung ins kalte Wasser vergleichen“, sagt Ingrid Strießnig, die an der PH für die Lehrerausbildung in der Primarstufe, also der Volksschule, zuständig ist. Junge Lehrer seien „relativ schnell“ vor der Klasse gestanden, oft kamen die Rückmeldungen, dass sie mit der Situation überfordert gewesen wären. „Jetzt sind wir dazu übergegangen, unsere Studierenden schrittweise in die Klassen zu führen. Und unsere Begleitforschung zeigt, dass dies ein Schritt in die richtige Richtung war“, sagt Strießnig.

Denn jetzt beginnen Studenten der PH ihre Praxisstunden in den Klassenzimmern mit der Rolle des Beobachters. „Pädagogisch-praktische Studien“ nennt sich diese Art der stillen Präsenz in der Klasse, in der ein erfahrener Lehrer unterrichtet und einen jungen Kollegen zuschauen lässt. Der Lehrer in Ausbildung hat dabei die Aufgabe, einen einzelnen Schüler möglichst genau zu beobachten: Wie steht es um die Entwicklung des Schülers, wie ist sein Fortschritt beim Lernen – diese und andere Faktoren soll sich der Junglehrer besonders gut einprägen. „Die Fähigkeit zu Beobachten ist eine zentrale Kompetenz im Lehrberuf, die später wichtig ist, um die Kinder einschätzen zu können. Es geht darum, zu spüren und wahrzunehmen, was Schüler wirklich können und sie dementsprechend zu begleiten“, sagt Strießnig. Diese Beobachtungsmissionen finden schon ab dem zweiten Semester der Lehrerausbildung statt und werden stets nachbesprochen.

„Diese Reflexion über die Beobachtung hilft unseren Studierenden dabei, sich über ihre eigene Rolle als Lehrpersonen klar zu werden und ihre eigenen Schulerfahrungen zu verarbeiten“, sagt Strießnig. Im weiteren Verlauf des Studiums erweitern die Junglehrer ihre Beobachtungen auf gleichgesinnte Schülergruppen, sogenannte Peergroups, aus.

Gruppenarbeit wird generell großgeschrieben in der Lehrerausbildung Neu. „Die Zeit des Einzelkämpfers im Klassenzimmer ist vorbei, wir legen Wert darauf, unsere Studierenden zu Teamspielern zu machen“, sagt Strießnig. „Schon in der Ausbildung sollen sie sich als Teil einer professionellen Gemeinschaft verstehen.“

„Junglehrer wünschen sich mehr Praxis“

Sie haben die pädagogisch-praktischen Studien wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Was hat sich dabei herausgestellt?
MICHAELA PÖTSCHER-GAREISS: Wir haben bei 80 Studierenden abgefragt, wie es ihnen bei der Beobachtung von Schülern ergangen ist. Sie haben es als Bereicherung empfunden, sich im Anfangsstadium ihrer Ausbildung auf ein einzelnes Kind konzentrieren zu können – sie sahen darin aber auch eine Herausforderung.

Was war so schwierig an der Beobachtung?
Den Befragten fiel es zunächst schwer, objektiv zu bleiben, während sie die Kinder beobachteten. Geholfen hat ihnen dabei aber der detaillierte Beobachtungsleitfaden, der ihnen die Punkte aufzeigte, auf die sie sich fokussieren mussten.

Wozu macht man so eine Evaluierung?
Wir möchten die pädagogisch-praktischen Studien laufend optimieren und den Bedürfnissen unserer Studierenden rasch anpassen. Ein Feedback war etwa, dass sie sich noch mehr Praxisstunden in den Klassenzimmern wünschen. Sie haben keine Scheu vor den Schülern, sondern können nicht genug von ihnen bekommen – ein schönes Ergebnis.

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