ÖBB zwingt Firmen auf die Straße
Weil die ÖBB-Tochter Rail Cargo saniert wird, haben etliche Betriebe in Randlagen das Nachsehen. Allein Mondi Frantschach im Lavanttal muss jährlich hunderte Lkw-Fahrten mehr machen.

Foto © Bettina Friedl"Wir bringen's zur Bahn" stimmt nicht mehr ganz. Jetzt setzt man bei Mondi in Frantschach wieder auf Lkw
Wir führen nicht mehr jeden Baumstamm in jedes Dorf, verzichten bewusst auf nicht profitables Geschäft. Aber alle wesentlichen Kunden halten uns die Treue."
ÖBB-Chef Christian Kern macht in diesen Tagen guten Wind für die laufende Sanierung der Güterverkehrstochter Rail Cargo. 2014 soll die "schwarze Null" geschafft werden. Noch 2010 war die Güterverkehrssparte tiefrot: 2010 wurde der Rail Cargo-Umsatz zwar von 2,2 auf 2,4 Milliarden Euro gesteigert, gleichzeitig aber ein Vorsteuerergebnis von minus 353 Millionen Euro eingefahren.
1500 Lkw-Fahrten mehr
Doch die Sanierung hat für Unternehmen in Kärntens Randlagen - und die Umwelt - ungute Folgen. "Die Preise haben massiv angezogen. Gleichzeitig werden die Bahnhöfe ausgedünnt", beklagt Peter Seebacher, Chef-Logistiker des Holzbeschaffungs-Unternehmens Papier Holz Austria. Die Einkaufsgemeinschaft ist im Eigentum von vier Besitzern, einer davon ist Mondi Packaging aus Frantschach im Lavanttal. "Für die Belieferung von Frantschach müssen wir jetzt von der Schiene zunehmend auf den Lkw umsatteln", verrät Seebacher. Und die Mengen sind keine geringen: Frantschach braucht jährlich eine Million Festmeter Holz, das sind in etwa eine Million Bäume. Das zusätzliche Lkw-Aufkommen für alle vier Besitzer von Papier Holz beziffert Seebacher auf 20 Prozent. Das sind umgerechnet 1500 Lkw-Fahrten mehr pro Jahr.
Wie man hört, hat auch die Kärntner Montanindustrie, die in Waldenstein bei Wolfsberg Eisenglimmer abbaut, Probleme.
Pönale für Randgebiete
Das Vorgehen der ÖBB ist leicht erklärt. Wer Waren abseits des sogenannten Bahnhof-"Kernnetzes" be- beziehungsweise entladen will, muss eine Pönale zahlen. Pro Bahnhof sind das mindestens 600 Euro und man muss mindestens vier Waggons buchen. Die Papierindustrie hat da allein schon wegen ihres Rohstoffes das Nachsehen. Seebacher sagt: "Holz wächst nun einmal eben im Wald und nicht in einem Gewerbegebiet. Man muss es in der Fläche kaufen."
Features
Güter umgeschichtet
Die Einschränkung des Angebots und Preissteigerungen von Rail Cargo Austria führen zu starken Verlagerungen von Gütertransporten auf die Straße.
Befragung. 22 für eine Wifo-Studie befragte Unternehmen haben seither zusammen eine halbe Million Tonnen Güter von der Schiene auf die Straße umgeschichtet.
Würde man das auf den gesamten österreichischen Schienentransport umlegen, entspräche das 9,25 Millionen Tonnen, die im Vergleich zu 2010 von der Schiene wegverlegt wurden. Das wiederum erzeugt 190.000 Tonnen zusätzlichen CO 2-Ausstoß.
Außerdem werden die Straßen durch das Gewicht der Sattelschlepper stärker belastet.
Neben Mondi ist in Kärnten auch die Montanindustrie, die in Waldenstein Eisenglimmer abbaut, von den Sparmaßnahmen bei der Rail Cargo Austria betroffen.








