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Zuletzt aktualisiert: 26.01.2008 um 20:54 Uhr

Pilotprojekt soll Licht in die Seele bringen

Rund 39.000 Kärntner leiden an Depressionen, Tendenz steigend. Pro mente startet deshalb eine große Aufklärungsreihe. Morgen findet Vortrag im Wolfsberger Rathausfestsaal statt.

Sie zählt mittlerweile zu den Volkskrankheiten: die Depression. In Kärnten leiden derzeit mindestens 39.000 Menschen (6,9 Prozent der Bevölkerung) an einer behandlungsbedürftigen Depression, österreichweit sind es 400.000. Frauen sind fast doppelt so oft betroffen wie Männer. Die Zahl der Patienten ist weiter steigend. Trotzdem bleibt die Erkrankung häufig unerkannt und somit unbehandelt.

Aufklärung

Mit der Gründung des "Kärntner Bündnisses gegen Depression" soll mit Programmen eine Bewusstseinsveränderung herbeigeführt werden, um Diagnose und Behandlung zu verbessern. Im Rahmen dieses Pilotprojektes - unter fachlicher Leitung von Pro mente Kärnten, findet morgen, Montag, im Rathaussaal Wolfsberg ein weiterer Vortrag statt: Gerda Trinkel, Stellenleiterin des Institutes für Familienberatung und Psychotherapie (IFP) des Kärntner Caritasverbandes, wird Informationen zum Thema Burnout und Depression geben.

"Bei 40 Prozent der Therapieanmeldungen in der Beratungsstelle Wolfsberg handelt es sich um Patienten, die an Depressionen beziehungsweise an Mischformen von Angst und Depression leiden", so Trinkel. Viele Betroffene melden sich von sich aus an, wenn sie feststellen, dass die verordneten Medikamente zwar die Stimmungslage heben, "jedoch die eigene Handlungsweise, die häufig zu Einsamkeit und Isolation führt, nicht verändern. Gerade der Verlust von Beziehungen macht vielen Depressiven zu schaffen", sagt Trinkel.

Wer gefährdet ist

Die Psychotherapeutin und Pädagogin unterscheidet grundsätzlich zwei Typen von Menschen, die Gefahr laufen, in eine Depression zu schlittern: Stark angepasste Menschen, die ihre eigenen Bedürfnisse völlig unterdrücken. Andererseits sind es extrem leistungsorientierte Menschen, die damit ins Burnout rutschen und so in die Depression gelangen. Nicht selten folgt auch der Griff zur Flasche, um die seelischen Schmerzen zu lindern.

Das große Tief

Depressionen sind auch zu rund 80 Prozent die Auslöser von Suiziden und Suizidversuchen. Vom vorübergehenden Stimmungstief unterscheidet sich die Depression dadurch, dass sie über Wochen und Monate anhalten kann. "Wichtig ist die ärztliche Untersuchung, da Depressionen auch zu körperlichen Beschwerden führen beziehungsweise auch so manche Krankheit Depressionen auslösen kann", sagt Trinkel. Bei schweren Krankheitsfällen sei eine medikamentöse Behandlung unumgänglich.

Die Behandlung

Bei der Behandlung kommen in erster Linie zwei Therapieformen zum Einsatz: Medikamente und Psychotherapie, die häufig in Kombination eingesetzt werden. Die Wolfsberger Psychotherapeuten Annette Kirschner und Klaus Joham: "Psychotherapie ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Mit dem Ziel, langfristige Veränderungen im Verhalten und Erleben der Patienten zu bewirken. Wesentlich ist es, möglichst früh nach Ausbruch der Krankheit mit der Therapie zu beginnen, um ein chronisches Leiden zu verhindern." Psychotherapie in Einzel- oder

Gruppensitzungen wird im Lavanttal - mit voller oder teilweiser Kostenübernahme durch die Krankenkassen - von IFP, AVS, pro mente sowie von den niedergelassenen Psychotherapeuten angeboten (siehe Infokasten).

Das Angebot

Auch Pro Mente bietet mit der sozialpsychiatrischen Koordinationsstelle ("Sokos") Möglichkeiten zu Information und Erstkontakt. "Jeder wird von uns dort abgeholt, wo er sich gerade befindet", so "Sokos"-Koordinatorin Heidi Schuster. In Zusammenarbeit mit Manfred Huemer, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, wird die optimale Betreuung während und nach der Krise gefunden: ein Tageszentrum, Nachbetreuung und Arbeitsprojekte werden in Wolfsberg angeboten.

BARBARA JOHAM

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