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Zuletzt aktualisiert: 28.04.2007 um 23:35 Uhr

Seit zehn Generationen gut im Geschäft

Das Wolfsberger Handelshaus Offner ist das älteste in Österreich, das durchwegs in Familienbesitz ist. Jetzt wird 300-Jahr-Jubiläum gefeiert.

Foto © kk

Die Globalisierung im Handel kann man beurteilen wie man will. Fix ist, dass sie die Einkaufstraßen von Österreichs Bezirksstädten nivelliert hat: H&M, Douglas, C&A, Humanic. Immer mehr Ketten, immer das selbe. Die Wolfsberger Familie Niedersüß hingegen ist in diesem Zusammenhang geradezu ein Exot. Ihr Handelshaus J. M. Offner ist das älteste in Österreich, das ununterbrochen in Familienbesitz ist. Am 1. Mai feiern die beiden Shops, in denen es Geschirr sowie Textilien gibt, runden Geburtstag: den 300sten.

Clan-Gründerin. Als Clan-Gründerin gilt Maria Ziegler, die den Kaufmannsladen samt Weinschank 1707 aufsperrte und an ihren Neffen Johann Michael Offner vererbte. Der handelte bereits mit Kaffee, südlichen Weinen und Eisen. Ein achtfacher Vater und "grader Michl" im wörtlichen Sinn: Im Hinblick auf sein starkes Engagement als Händler lehnte er sogar das ihm angetragene Amt des Stadtrichters ab.

"Handel ist Wandel". Ihren selbsterlegten Auftrag als Versorger des Lavanttales, das nicht eben als kaufkräftiger Landstrich bekannt ist, haben die Offners nie missachtet. Während der Weltkriege haben sie nicht nur die Lebensmittelmarken der Bürger eingelöst, sondern sie auch mit dem dringend benötigten Petroleum versorgt. Ehrfurcht vor der Tradition war dabei nie ihr Ding. "Handel ist Wandel", sagt Helmut Niedersüß, dessen Frau Karin und Tochter Christina Kulterer jetzt die Geschäftsführerinnen sind, heute.

Expansion. Und so expandierte oder aber verkleinerte die Familie ständig, installierte 1868 die ersten Schaufenster, ließ zwischenzeitlich in Venedig oder Augsburg produzieren, begehrte gegen den Adel auf, sicherte sich nach allen Seiten ab: So war Ernst Swatek, der die Firma während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren leitete, Mitbegründer der Wolfsberger Feuerwehr. Auch das heutige Konzept hat eine geniale Balance von Risiko und Sicherheit. 1975 eröffnete die Handelsfamilie in Klagenfurt Österreichs ersten Baumarkt, sie expandierte mit ihrer Marke "Imo", entschloss sich aber 1995 zu einem Franchisevertrag mit Obi aus Deutschland - eine Österreich-Premiere.

Imperium. Heute leiten Georg und Andreas Niedersüß ein Imperium von neun Obi-Märkten in der Steiermark und in Kärnten. Eine Tochtergesellschaft, die auf der Erfahrung mit den beiden Wolfsberger Traditionsgeschäften aufbaut, die diese aber gleichzeitig absichert und längst größer ist als die "Mutter". 500 Mitarbeiter beschäftigt die Familie alles in allem. Strategische Immobilienbesitztümer wie etwa das Gelände von Toys 'R' Us und Sports Experts in der Völkermarkter Straße in Klagenfurt verhelfen dem Clan heute zu enormer Standfestigkeit. Man "sitzt" auf insgesamt 80.000 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Geheimnis. Das Geheimnis? "Standort, Standort, Standort", sagt Helmut Niedersüß, andernfalls müsse man viel zu viel in Marketing investieren. Freilich kommt dazu ein gutes Netzwerk, um gut informiert zu sein und Spielraum zu haben. Als es in Graz einmal Schwierigkeiten mit einer Obi-Ansiedelung gab, übernahmen die Kärntner kurzerhand eine alte Firma, um unter deren Namen ungestört vom Mitbewerb weiterplanen zu können.

Geschäftssinn. Neben dem guten Geschäftssinn, zeichnet sich die Familie - mittlerweile seit zehn Generationen am Ruder - aber auch durch die Nähe zu ihren Kunden und Mitarbeitern aus. Geschäftsführerin Christina Kulterer (42) nimmt ihre Verkäuferinnen häufig selbst auf Bekleidungs-Messen mit, "denn wenn man die Ware kennt, verkauft man sie lieber". Dass das Handels-Gen weitervererbt wird, davon kann man ausgehen. Das Ehepaar Niedersüß hat sechs Enkerln, ein siebentes ist unterwegs. Das Motto gibt Großvater Helmut vor: "Tradition ist für uns das Weitertragen der Flamme und nicht das Bewundern der Asche."


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