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Zuletzt aktualisiert: 23.07.2012 um 22:05 UhrKommentare

Naturgefahr für 20.000 Gebäude

Welche Umstände führten zur Unwetterkatastrophe im steirischen St. Lorenzen? Und welche Gebiete und Wohnanlagen in Kärnten sind durch Hochwasser und Muren gefährdet? Experten beantworten unsere Fragen.

Überschwemmung beim Strandbad Klagenfurt

Foto © KLZ/Elisabeth PeutzÜberschwemmung beim Strandbad Klagenfurt

1. Wie kommt es zu einer Katastrophe wie im steirischen St. Lorenzen?

ANTWORT: Durch regelmäßigen, teils heftigen Niederschlag, gesättigte Böden, anfälliges Gestein im Graben und Waldhänge in Bewegung. Im steirischen St. Lorenzen hat sich Schiefer mit Erdreich und Wasser im Lorenzerbach vermengt. Bäume, Geäst und anderer Unrat verstopften den Graben. Es staute sich - bis sich beim Unwetter am Wochenende dieser ganze Knödel löste und St. Lorenzen verwüstete.

2. Auch in Reichenfels gab es ein Jahrhunderthochwasser, warum?

ANTWORT: "Sehr starke Regenfälle können innerhalb kurzer Zeit ganze Gebiete überfluten", sagt Gernot Koboltschnig von der Abteilung Schutzwasserwirtschaft des Landes. "In Reichenfels waren Anfang Juli 32 Hektar Land überschwemmt. In einer Sekunde flossen 95 Kubikmeter Wasser. Das kann das Erdreich nicht mehr aufnehmen." Das Jahrhunderthochwasser, wie es Koboltschnig nennt, war in rund eineinhalb Stunden vorbei.

3. Sind Überschwemmungen im Gefahrengebiet vermeidbar?

ANTWORT: Nein. "Viele Gebäude stehen in Kärnten in der Gelben und Roten Gefahrenzone", sagt Josef Brunner, Sektionsleiter der Lawinen- und Wildbachverbauung in Kärnten. Wer zum Beispiel in der Roten Zone baut, muss damit rechnen, früher oder später von einer Naturkatastrophe heimgesucht zu werden. Aus diesem Grund bewilligen heute Gemeinden kein Bauansuchen mehr in Roten Gefahrenzonen, in Gelben sehr wohl.

4. Wie ist es möglich, dass in Kärnten 20.000 Gebäude in der Gelben oder Roten Gefahrenzone stehen?

ANTWORT: Das ist ein Relikt aus der Zeit vor 1975. "Das sind quasi Altlasten", sagt Brunner. "Diese Gebäude wurden vor der Erstellung der Gefahrenzonen gebaut." Im Lesachtal stehen zum Beispiel 85 Gebäude in einer gefährlichen Zone gemäß der Lawinen- und Wildbachverbauung. Auf der Kärntner Gesamtfläche von 9538 Quadratkilometer sind allerdings nur 147 Quadratkilometer Gelbe und Rote Gefahrenzone.

5. Welche Auflagen gibt es bei Umbauten in Roten Zonen und bei Neubauten in Gelben Zonen?

ANTWORT: "In Gelben Zonen müssen zum Beispiel die Kellerfensterschächte dicht verschlossen sein", sagt Brunner. Aber auch das umliegende Gelände muss 50 Zentimeter tiefer liegen als das Erdgeschoß eines Hauses. In Roten Zonen sind grundsätzlich keine Neubauten möglich. "Dort dürfen aber erst ab 1,5 Meter Höhe Fenster angebracht werden und auch die Mauern der Häuser müssen verstärkt werden."

6. Können sich die Gefahrenzonen innerhalb Kärntens und Österreichs über die Jahre hinweg verändern?

ANTWORT: "Natürlich", sagt Brunner. "Eine Zone kann sich verändern." Zum Beispiel wenn es länger und stärker regnet, braucht ein Bach mehr Platz und dehnt sich aus. Grundsätzlich rät der Sektionsleiter der Lawinen- und Wildbachverbauung den zukünftigen Häuslbauern, sich vor dem Grundkauf bei der Gemeinde zu erkundigen, ob man in einer potenziellen Gefahrenzone bauen würde.

7. Welche Hotspots gibt es in Kärnten, die besonders für Vermurungen und Überschwemmungen anfällig sind?

ANTWORT: "Die Schwemmkegel sind das Drau- und Mölltal", sagt Brunner. "Weil sie an Grabenausgängen von Bächen grenzen." Zurzeit seien aber das Metnitz- und Lavanttal stärker betroffen. Zudem sei es wichtig, Bäche, die über die Ufer getreten sind, so rasch wie möglich von Stämmen und Unrat zu befreien, da sonst im Falle neuer Regenfälle das Wasser nicht abrinnen könne.

8. Wo können Häuslbauer in den Gefahrenzonenplan einsehen? Und wie lange gilt solch ein Plan?

ANTWORT: Der Gefahrenzonenplan liegt bei der Landesregierung, bei den Bezirksverwaltungsbehörden, in der Gemeinde und in der Gebietsbauleitung der Wildbach- und Lawinenverbauung auf. Die Gefahrenzonen werden angepasst, wenn sich die Verhältnisse in einem Einzugsgebiet ändern, wenn Katastrophenereignisse neue Erkenntnisse liefern und nach Schutzmaßnahmen.

ESTHER FARYS

Gewittergefahr steigt

Ab Mittag bringt ein Tief von Italien feuchtere Luft mit teils heftigen Gewittern nach Kärnten. Die Hochwassergebiete sind erneut gefährdet. Flächendeckende Regengüsse sind aber nicht zu erwarten. "Freitag, Samstag schaut es besser aus. Entwarnung können wir aber nicht wirklich geben", so ein Meteorologe.

Hitze sprengte Felsen

Wenn Unmengen an Wasser in eine Felsritze ein-dringen, kann es sein, dass sich ein Riesengesteinsbrocken löst. Es kann aber auch bei sehr heißen Temperaturen zu Steinschlag kommen. So wie wahrscheinlich Anfang Juli: Da bewegten sich wie von Geisterhand Felsmassen aus einer Wand des "Pichsturms" in Sichtweite des Koschutahauses in den Karawanken.

Burg wieder geöffnet

Nach dem Felsschlag vom vergangenen Wochenende ist die Burg Hochosterwitz heute wieder mit dem Lift befahrbar. Allerdings bleibt der Burgweg zwischen Tor drei und vier noch gesperrt. Der Mann (27) und dessen Neffe (9), die von dem Felsbrocken schwer verletzt wurden, befinden sich nach wie vor im künstlichen Tiefschlaf.

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