Marienerscheinung: "Vorsichtig bei Anerkennung"
Keine einzige Marienerscheinung in Österreich ist anerkannt. Sogar Medjugorje wird - wie Bad Sankt Leonhard - von der Kirche nicht gutgeheißen.

Foto © AP/Bozidar VukicevicAuch dem bosnischen Erscheinungsort Medjugorje blieb die offizielle Anerkennung bislang verwehrt
Die katholische Kirche nimmt Marienerscheinungen sehr ernst. Deshalb gibt es nur sehr wenige, die offiziell anerkannt sind, wie Lourdes in Frankreich, Fatima in Portugal oder Banneux in Belgien. Dem bekannten Erscheinungsort Medjugorje (Bosnien) blieb die Anerkennung bisher versagt, weil "die Erscheinungen noch nicht vollendet sind", wie Jakob Ibounig, Leiter des Referates Kirchenrecht in der Diözese Gurk-Klagenfurt betont.
Man sei bei der Anerkennung sehr vorsichtig, weil sie allzu oft das "Produkt übersteigerter Frömmigkeit" oder Ausfluss einer lebhaften Fantasie seien. Deshalb werde die Form der Erscheinung und die Menschen, die angeben, die Erscheinung wahrgenommen zu haben, sehr genau geprüft.
In Österreich und Deutschland gibt es überhaupt keine anerkannte Marienerscheinung. Viel diskutiert wurde vor Jahren die "Gottesmutter von Gerlamoos", die einer gewissen Adele Stocker erschienen sein soll. Nach ablehnenden Stellungnahmen mehrerer Diözesan-Bischöfe ist es um die angebliche Marienerscheinung im Drautal allerdings wieder still geworden.
"Selbst ernannt"
Wenn die Kirche eine Erscheinung anerkennt, heißt das noch lange nicht, dass die Gläubigen sie akzeptieren müssen. Ibounig: "In solchen Fällen sagt die Kirche nur, dass die Botschaft, die dort verkündet wird, nicht der Bibel widerspricht." Denn die Amtskirche habe lediglich festgestellt, dass der Erscheinungsort "Früchte trägt", also dass verbriefte Heilungen stattgefunden haben. Dass es Priester gibt, die "ihre" Gläubigen zum selbst ernannten Seher Salvatore Caputa nach Bad Sankt Leonhard begleiten, weiß auch Ibounig. Das ändere aber nichts an der kritischen bis ablehnenden Haltung der Kirche: "Solche Priester sind meist schon von der Seelsorge ausgeschlossen."
Von der angeblichen Erscheinung in Bad Sankt Leonhard distanziert sich die katholische Kirche klar. So betont Bischof Alois Schwarz: "Die Tätigkeit Caputas ist vom Lehramt der Kirche weder anerkannt, noch sind die von ihm behaupteten Privatoffenbarungen bestätigt worden."
Beteiligung wertet auf
Schwarz rät den Gläubigen, "sich nicht voreilig und unbedacht in die Vorgänge in Bad Sankt Leonhard hineinziehen zu lassen und diese nicht durch eine Beteiligung aufzuwerten". Gleichzeitig bittet er die Mitglieder der katholischen Kirche um eine "Unterscheidung der Geister" im Sinne der Heiligen Schrift.
















