Einer vergessenen Gemeinde auf der Spur
Bewohner der ehemaligen Gemeinde Legerbuch forschten nach deren geschichtlichen Wurzeln. Das Ergebnis wird diesen Sonntag präsentiert.

Foto © LichteneggerHeute ist Legerbuch keine eigenständige Gemeinde mehr, sondern ein Ortsteil von St. Paul und Lavamünd
Andere Sitten herrschten im 19. Jahrhundert im Lavanttal. So waren im Unteren Lavanttal viele Menschen Untertanen des Klosters St. Paul. Durch die Revolution und die Bauernbefreiung entstanden Mitte des Jahrhunderts neue Gemeinden. Darunter war auch die bäuerliche Gemeinde Legerbuch. Kommenden Sonntag wird im Gasthof Johannesmesner in St. Paul der alten Gemeinde auf die Spuren gegangen.
Im Landesarchiv geforscht
"Durch Berichte in den Medien über die Ehrenbürgerschaft von Adolf Hitler kamen wir auf die Idee, uns mit der ehemaligen Gemeinde Legerbuch zu beschäftigen", erklärt Anton Palko, der im jetzigen Ortsteil Legerbuch in St. Paul zu Hause und Obmann der Arbeitsgemeinschaft Josefberg ist. Gemeinsam mit Gregor Klimbacher, einem Einwohner, begann er zu forschen und konnte dafür auch Joachim Eichert vom Kärntner Landesarchiv gewinnen. Gemeinsam mit dem Gymnasialprofessor Rudolf Freisitzer ist sogar die Entstehung eines Buches über die alte Gemeinde geplant. "Dieses möchten wir im nächsten Winter herausbringen", bestätigen die privaten Forscher.
Zur Geschichte der Gemeinde: 1850 scheint zum ersten Mal urkundlich die Gemeinde Legerbuch auf. Der damalige Bürgermeister war Josef Käfer. Wirtschaftlich verdienten sich die 78 Höfe ihr Geld mit der Holzarbeit. Handwerker gab es zu jener Zeit kaum welche. Die bäuerliche Gemeinde, mit bereits 70 bekannten Vulgonamen, ernannte in der Gemeinderatssitzung am 28. Mai 1932 Adolf Hitler als erste Gemeinde Österreichs zum Ehrenbürger. Zu jener Zeit war dies ein vorauseilender Gehorsam, den die Umstände heraufbeschworen.
Bekannte Holzschnitte
Viele Bilder - vor allem Holzschnitte - von dem bekannten Kärntner Maler Switberg Lobisser zeigen seine Liebe zur Gemeinde Legerbuch. Auf dem Johannesberg verbrachte er gerne seine Freizeit. "Die erste Siedlung der späteren Gemeinde entstand bereits im Hochmittelalter im Schutz der Burgen Rabenstein und Löschenthal", so Eichert. Durch Rodungen wurde die Siedlung in den Jahrhunderten größer. Nach und nach bauten die Besitzer Häuser und Höfe und bekamen somit auch ihre Vulgonamen.
Genaue Buchführung
Zur Kleingemeinde gehörten die Ortschaften Johannesberg, Legerbuch, Loschenthal (alte Schreibweise), Rabensteiner Greuth (alte Schreibweise), Unterhaus und Witternig. Durch Aufzeichnungen konnte herausgefunden werden, dass schon damals genau Buch über das Hab und Gut der Bauern geführt wurde.
Eine landwirtschaftliche Betriebskarte, die bei Franz Streit in Rabensteingreuth gefunden wurde, zeigt, wie viel Stück Vieh und Landmaschinen am Hof vorhanden waren. 1957 wurde die bäuerliche Kleingemeinde aufgrund der mangelnden Infrastruktur auf die Orte St. Paul und Lavamünd aufgeteilt. Kurz vor der Aufteilung verzeichnete sie 518 Einwohner auf 1458 Hektar. Heute leben 162 Bewohner im Ortsteil Legerbuch.
Besondere Funde aus der Zeit der einstigen Gemeinde sind Hausnummerntafeln sowie ein Gründungsfoto der Feuerwehr von 1930 und das Kassabuch derselben. Palko: "Wir sind uns sicher, dass noch viele verborgene Schätze in den Häusern der Bewohner versteckt sind. Wir werden auch im Archiv des Stiftes forschen."
Features
Fakten
Vortrag. Die Arbeitsgemeinschaft Josefberg lädt kommenden Sonntag zum Vortrag "Die Altgemeinde Legerbuch und ihre Ortschaften - ein geschichtlicher Rückblick" von Joachim Eichert vom Kärntner Landesarchiv ein. Der Vortrag beginnt um 10 Uhr im Gasthof Johannesmesner in St. Paul.
Hintergrund. Mehr als hundert Jahre lang bildeten die Ortschaften Johannesberg, Legerbuch, Loschenthal (alte Schreibeweise), Rabensteiner Greuth (alte Schreibweise), Unterhaus und Witternig eine eigenständige Ortsgemeinde. Nach deren Auflösung im Jahre 1957 wurde die Ortsgemeinde in die Gemeinden St. Paul und Lavamünd eingegliedert.
Inhalt. Der Vortrag am Sonntag berichtet vom Leben der Bewohner, die einst Untertanen des Klosters St. Paul waren. Bäuerliches Besitzrecht, ihre Abgaben, die Robot, aber auch die Pflichten des Klosters gegenüber seinen Untertanen sind Thema des Vortrags.















